22.12.2019 17:58 |

Alarm vor Weihnachten

Großeinsatz: Berlin steckt Terror-Angst in Knochen

Terror-Alarm am letzten Adventsamstag in der deutschen Hauptstadt: Drei Jahre nach dem blutigen Anschlag mit zwölf Toten wurde in den Abendstunden genau jener beliebte Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz von der Polizei geräumt, durch den der islamistische Attentäter Anis Amri am 19. Dezember 2016 mit einem Lkw gerast war. Gefunden wurde am Ende nichts, zwei verdächtige Männer, die den Großeinsatz ausgelöst hatten, wurden wieder freigelassen. Wie die Polizei nun bestätigte, gehören die Männer der salafistischen Szene an.

Der Großeinsatz am Berliner Breitscheidplatz am letzten Wochenende vor Weihnachten macht eines deutlich: Die Sorge vor neuem Terror wird bei unseren deutschen Nachbarn sehr ernst genommen, die Angst vor neuen Anschlägen steckt den Berlinern in den Knochen. Zugleich zeigt der Zwischenfall aber auch, wie gut die Einsatzkräfte mittlerweile auf Anschlagsszenarien vorbereitet sind.

Der Weihnachtsmarkt auf dem beliebten Platz im Herzen der Metropole wurde am Samstagabend nach der ersten Alarmierung umgehend geräumt und weiträumig abgeriegelt. Auch ein Konzert in der Gedächtniskirche wurde vorzeitig beendet und die S-Bahnen hielten vorübergehend nicht am Bahnhof Zoologischer Garten - die Station liegt ganz in der Nähe des Platzes. Letztlich waren 350 Polizeibeamte und Spürhunde im Einsatz.

Männer gehören der salafistischen Szene an
Anlass für die mehrstündige Suchaktion waren zwei Männer, die sich verdächtig verhalten hatten. Sie gehören der salafistischen Szene an, wie Polizeisprecher Thilo Cablitz am Sonntag bestätigte. Ob sie damit auch als islamistische „Gefährder“ eingestuft werden, sagte der Sprecher nicht. Schon kurz nach der Räumung des Weihnachtsmarkts war in lokalen Medien von der Festnahme zweier islamistischer Gefährder die Rede gewesen. Der Salafismus ist eine islamistische Strömung. Als „Gefährder“ bezeichnet man im Bereich der politisch motivierten Kriminalität Menschen, denen man schwere Gewalttaten bis hin zu Terroranschlägen zutraut.

Festgenommen wurde letztlich keiner der beiden Männer. Die Polizei stellte aber ihre Identitäten fest. Sie hätten in Berlin gelebt, sagte Cablitz. Es handelt sich demnach um 21 und 24 Jahre alte Männer aus Syrien. Die Männer waren einer Polizeistreife aufgefallen, weil sie sich „schlagartig entfernt“ und dabei auch Menschen zur Seite gedrängt hatten, wie es am Sonntag hieß. Daraufhin wurde der Weihnachtsmarkt geräumt, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, dass dort ein gefährlicher Gegenstand abgelegt worden war.

Für Berlins Innensenator Andreas Geisel war die Entscheidung der Polizei, den Breitscheidplatz zu räumen, jedenfalls richtig. Im Vordergrund stehe „immer die Sicherheit in unserer Stadt“, wurde Geisel am Sonntag in der „Bild“-Zeitung zitiert. „Die Polizei ist sensibilisiert, sie ist präsent und zu unserem Schutz in der Stadt unterwegs. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich bei den Einsatzkräften. Eines ist auch klar: Ein Fehlalarm ist am Ende immer die bessere Nachricht“, so der Berliner Stadtpolitiker.

Mit entführtem Lkw zwölf Menschen totgefahren
Im Dezember 2016 hatte der islamistische Attentäter Anis Amri einen entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gesteuert. Er hatte zuvor den Lkw-Fahrer erschossen und tötete dann bei dem Anschlag zwölf Besucher des Marktes. Dutzende Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten.

Erst am vergangenen Donnerstag, dem Jahrestag des Anschlags, hatten Trauernde an dem Mahnmal Kränze niedergelegt, Kerzen entzündet und waren still verharrt. Unter ihnen waren Menschen, die bei dem Anschlag verletzt worden waren, sowie Ersthelfer von Polizei, Feuerwehr und Schaustellern. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller nahm an dem Gedenken teil.

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