12.12.2019 13:53 |

Kritik aus Tschechien

Österreichs Kampf gegen Atomkraft ist „absurd“

Österreich stößt bei seinem Kampf gegen die Atomkraft als „klimaneutrale“ Energiequelle auf zum Teil erbitterten Widerstand in der EU. Tschechien hat im Zusammenhang mit dem von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigten „Green Deal“ betont, dass Atomkraft als „reine, emissionsfreie Quelle“ anerkannt werden müsse. Den Kampf Wiens gegen die Kernkraft bezeichnete der tschechische Regierungschef Andrej Babis vor seinem Abflug zum EU-Gipfel am Donnerstag als „absurd“.

Nach Angaben der Energieregulierungsbehörde E-Control vom Februar teilten sich die Stromimporte nach Österreich im Jahr 2018 folgendermaßen auf: Mehr als die Hälfte der Importe kamen aus Deutschland (rund 15.000 Gigawattstunden), gefolgt von Tschechien (10.900 Gigawattstunden).

Grundsätzliches Ja, aber nicht ohne Atomkraft
„Ich weiß nicht, wie man (ohne den Strom aus Tschechien, Anm.) in Wien Kaffee kochen und Licht einschalten würde“, so Babis, der darauf hinwies, dass ein Viertel des in Österreich verbrauchten Stroms aus Tschechien importiert werde. Der populistische Politiker machte aber unmissverständlich klar, dass auch sein Land Klimaneutralität erzielen und Kohlekraftwerke schließen wolle. Allerdings müssten andere EU-Länder, allen voran Österreich, garantieren, den geplanten Ausbau der tschechischen Atomkraftwerke Dukovanyund Temelin nicht zu blockieren.

Frankreich als großer Kernkraft-Verbündeter
Die Tageszeitung „Hospodarske noviny“ schrieb unter Berufung auf nicht genannte „Quellen nahe den Verhandlungen“, der tschechische Ministerpräsident sei bereit, auch das Vetorecht in Brüssel geltend zu machen. Tschechien ist allerdings lang nicht das einzige Land, das weiter auf Atomkraft zählt. Auch Frankreich sieht nukleare Energie als gerechte Maßnahme, um das Ziel der EU-Kommission, bis 2050 klimaneutral zu werden, zu erreichen.

Ungarn „unterschreibt keinen Blankoscheck“
Neben Tschechien hat auch Ungarn im Vorfeld des EU-Gipfels die Anerkennung von Atomkraft als Mittel im Kampf gegen den Klimawandel gefordert. Budapest „stimme den ehrgeizigen Zielen der EU zu, aber wir können keinen Blankoscheck unterzeichnen“, sagte der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orban, Gergely Gulyas. Die Erreichung der Klimaziele „könne nicht dazu führen, dass die Lebensmittel- oder Energiepreise steigen“, so Gulyas weiter. Das Erreichen der Ziele würde Ungarn 50 Billionen Forint (rund 149 Milliarden Euro) kosten, was unerschwinglich wäre.

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