04.12.2019 08:00 |

Ehrung in Wien

Retter: „5 Minuten später wäre es zu spät gewesen“

Es ging um jede Minute, als Alpinpolizist Florian Bauernfeind sowie die Bergretter Walter Mauracher und Andreas Gruber aus Tirol am 15. Juni alarmiert wurden. Ein Niederländer war unter dem Kellerjoch in eine Schmelzkluft gestürzt. Das Trio rettete dem Mann das Leben.

Als Helden sehen sich Bauernfeind, Mauracher und Gruber selbst nicht. „Wir haben unsere Arbeit gemacht wie andere Einsatzkräfte auch“, so das Trio unisono. „Ob wir Helden sind, müssen Außenstehende beurteilen“, meint Andreas Gruber.

Die Männer waren an dem Juni-Samstag ursprünglich zu einem Sucheinsatz im Bereich von Hochfügen ausgerückt. Gruber hatte seinen Suchhund „Jara“ dabei. Die Suche brachte kein Ergebnis, das Trio ging bereits wieder nach Hochfügen zurück.

„Person in einem Loch“
„In der Erstmeldung, die uns dann erreichte, wurde von einer Person in einem Loch unter dem Kellerjoch gesprochen“, erinnert sich Florian Bauernfeind, Leiter der Alpinen Einsatzgruppe Schwaz der Tiroler Polizei. Daraufhin flog der Notarzthubschrauber Heli 4 ihn und seine Kollegen der Bergrettungsortsstelle Kaltenbach samt „Jara“ zum nahen Unglücksort. Tatsächlich war ein 58-jähriger Niederländer kurz zuvor gegen 16.30 Uhr über ein Schneefeld in eine Rinne und anschließend durch die Schmelzkluft eines weiteren Schneefelds in einen Bach unter der Schneedecke gestürzt.

„Wir landeten oberhalb der Unglücksstelle, der Sohn des Verunglückten stand bei der Schneehöhle“, so der Alpinpolizist. „Alles musste blitzschnell gehen, wir bereiteten eine Crashbergung vor“, schildert Andreas Gruber die dramatischen Minuten. Die Retter seilten sich zum Opfer ab. Gruber sicherte den Stand, zunächst wagte sich Walter Mauracher - am Seil - in die enge Schneehöhle zu dem Opfer hinein. Der Niederländer war nicht nur schwerst verletzt und gefangen, sondern lag zudem in einem Bach in rund 30 Grad steilem Gelände - rund sieben Meter unterhalb der Schmelzkluft. Bauernfeind folgte nach zu dem Mann.

Am Gürtel herausgezogen
Es gelang, das Opfer mithilfe eines Gurts aus seinem eisigen und nassen Gefängnis herauszuziehen. Freilich wurde ebenso erfolgreich improvisiert. „Ich habe ihn auch beim Hosengürtel genommen“, erinnert sich Mauracher. „Es ist ihm trotz seiner schweren Verletzungen außerdem selbst gelungen, sich über den Stein zu kämpfen, an dem er sich in den bangen Minuten festgehalten hat.“

In der Folge barg Heli 4 den Mann mit dem Tau und flog ihn in die Innsbrucker Klinik. Er hat überlebt. Ein Verwandter hat die Retter informiert, dass er im August wieder arbeiten konnte. Welches Glück der Mann hatte, erfuhren seine Retter von der Notärztin. „Fünf Minuten später wäre alles zu spät gewesen“, sagt Andreas Gruber. Kein Wunder: Der Verunfallte hatte gerade noch 27 Grad Körpertemperatur! 

Die Gala und Auszeichnung:
Die Lebensrettungsmedaille hat das Trio schon erhalten, nun folgt die zweite Auszeichnung im Rahmen einer Gala in Wien. Zum zweiten Mal zeichnen die „Krone“, der ORF und das Bundeskanzleramt in diesem Jahr Österreichs Heldinnen und Helden aus. Bei der Gala am Donnerstag, 5. Dezember, werden im Wiener ORF-Zentrum die Lebensretter des Jahres auf die Bühne gebeten und dort von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein geehrt. Die ganze Show wird am Montag, 9. Dezember, ab 21.05 Uhr in ORF 2 ausgestrahlt. Wir berichten in allen Details in der „Krone“ sowie auf krone.at.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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