24.11.2019 12:39 |

Die Steiermark wählt

Ex-Minister kam mit Kinderwagen zur Stimmabgabe

Die Steiermark wählt einen neuen Landtag. Am Vormittag zeichnete sich in den Wahllokalen noch keine allzu hohe Wahlbeteiligung ab. Die Spitzenkandidaten haben bereits ihre Stimme abgeben. „Ich habe ein gutes Gefühl“, so der Landeshauptmann und haushohe Favorit Hermann Schützenhöfer (ÖVP) zur „Krone“. Nach wie vor optimistisch - und ausgeschlafen - zeigte sich auch Herausforderer Michael Schickhofer (SPÖ). Ex-Minister Mario Kunasek (FPÖ) kam mit dem erst wenige Monate alten Theo zur Stimmabgabe.

Schützenschützer erschien am Sonntag um 9.30 Uhr im Ausbildungszentrum in seinem Heimatbezirk Graz-Andritz, um seine Stimme abzugeben. „Zwei Stimmen jedenfalls für die ÖVP“, sagte Schützenhöfer, in Begleitung seiner Ehefrau Marianne, offenbar in bester Sonntagslaune. Er und die ÖVP wollten weiter den Landeshauptmann stellen: „Ich suche die Zusammenarbeit.“

„Wartet ihr auf den Wachtelkönig?“, fragte Schützenhöfer angesichts der vor dem ABZ wartenden Journalisten- und Kameraleute-Schar. Der Wachtelkönig, eine streng geschützte Vogelart, hatte in einer vergangenen Wahlauseinandersetzung in den 1990ern eine Rolle gespielt, als wegen seiner Brutplätze im obersteirischen Ennstal die Ennsnahe Trasse - eine Schnellstraßenverbindung - nicht realisiert werden konnte.

„Den Tag nicht vor dem Abend loben“
Nach der Stimmabgabe sagte der Landeshauptmann zu den Wahlaussichten: „Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Wir haben zwar Rückenwind vom Bund, und überall habe ich viele Leute getroffen, aber ich bin ohnehin ständig im Land unterwegs.“ Er suche die Zusammenarbeit, sagte Schützenhöfer auf andere Parteien angesprochen, denn für ihn heiße führen auch zusammenführen. Seine Hand bleibe ausgestreckt, meinte er in Richtung SPÖ. Auf mögliche Koalitionsvarianten wollte er sich nicht einlassen, nur so viel: „Der Erste redet als Erstes mit dem Zweiten.“

„Nach dem letzten ,Schichtbier‘ gut geschlafen“
Landeshauptmannstellvertreter Michael Schickhofer gab seine Stimme in Begleitung seiner Frau Ulrike in Baierdorf im oststeirischen Anger ab. Der SPÖ-Chef zeigte sich locker: „Es geht mir richtig gut, nach dem letzten ,Schichtbier‘ gestern habe ich einmal richtig durchschlafen können und überraschenderweise ist der Gregor (sein Sohn, Anm.) auch später gekommen, also ich gehe ausgeschlafen in den Tag.“

Insgesamt sei er positiv gestimmt: „Über acht Wochen habe ich eine Sozialdemokratie erlebt, die so motiviert und leidenschaftlich unterwegs war. Wir haben viel von den über 100.000 Hausbesuchen mitgenommen und jetzt sind die Steirerinnen und Steirer am Zug.“ Beim Einwerfen seines Stimmzettels in die Wahlurne unterstrich er vor Medien, die nach Erlaubnis des Wahlleiters mit ins Wahllokal durften: „Ich verrat‘s euch: Ich habe Zukunft gewählt.“

Kunasek wählte ein letztes Mal in alter Heimatgemeinde
FPÖ-Spitzenkandidat Mario Kunasek gab Sonntagmittag in Gössendorf in Graz-Umgebung seine Stimme ab - dabei ist der steirische Chef der Freiheitlichen seit einigen Wochen Grazer. Er zog mit Frau Sabrina und Sohn Theo in ein neu gebautes Haus im Stadtteil St. Peter. Zum Stichtag war Kunasek allerdings noch in Gössendorf gemeldet, weshalb er noch an seinem ehemaligen Wohnsitz zur Urne ging.

Kunasek fuhr selbst den Kinderwagen vor, Frau Sabrina daneben. Nach der Stimmabgabe meinte er gegenüber den Medien: „Ich habe ein gutes Gefühl. Wir hatten eine gute Wahlbewegung und Stimmung, aber abgerechnet wird am Schluss.“ Er sieht seine Blauen jedenfalls „motiviert, Verantwortung zu übernehmen, egal was rauskommt“. Den Wahlkampf bezeichnete er als „nicht einfach, aber wir haben alles gegeben“.

Er hoffte, dass jene, die bei der Nationalratswahl zu Hause geblieben sind, nun wieder blau gewählt haben - und auch jene, die die ÖVP gewählt hatten. Die Volkspartei mit Sebastian Kurz verhandle nun mit Grün. Kunasek ist überzeugt, dass das viele Freiheitliche, die bei der Nationalratswahl Kurz gewählt hatten, nicht so wollen und deshalb nun in der Steiermark wieder blau gewählt haben. Angesprochen auf Liederbuch, Spesen-Affäre und Casinos sagte er: „Die Umfeldbedingungen kann man sich nicht aussuchen.“

KPÖ ist „sehr nervös“
KPÖ-Spitzenkandidatin Claudia Klimt-Weithaler zeigte sich am verregneten Wahlsonntag vor ihrem Wahllokal nervös und hoffnungsvoll zugleich. „Nervös sind wir sehr. Die Stimmung in den letzten Tagen war sehr gut. Jetzt müssen wir aber schauen, ob es sich ausgeht. Ich hoffe es sehr“, so Klimt-Weithaler, die von ihrer Tochter begleitet wurde. Nach der Stimmabgabe wollte die KPÖ-Spitzenkandidatin noch zu ihrer zweiten Tochter fahren, sich dann zu Hause noch einmal ausrasten und dann am Nachmittag ins Büro in den Landtagsklub fahren.

Swatek und Krautwaschl wählten vorzeitig
Zwei Spitzenkandidaten haben bereits beim vorgezogenen Wahltag am 15. November gewählt: Niko Swatek von den NEOS und Sandra Krautwaschl von den Grünen. Sie wählte in ihrer Heimatgemeinde Gratwein-Straßengel: „Dass Schützenhöfer Erster wird, steht fest. Er würde am liebsten mit der SPÖ weitermachen wie bisher - das heißt: Wir Grüne müssen ein möglichst gutes Ergebnis erzielen, um den Durchbruch für den Klimaschutz zu schaffen! Sonst machen ÖVP und SPÖ weiter wie bisher“, sagte sie damals.

Sinkt Wahltbeteiligung weiter?
2015 wählten in der Steiermark 67,9 Prozent der Wahlberechtigten. Subjektive Eindrücke aus den Wahllokalen lassen befürchten, dass die Wahlbeteiligung weiter sinkt. Allerdings gibt es erstmals mehr als 100.000 Briefwahlkarten.

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