25.10.2019 13:29 |

Umstellung am Sonntag

Wie lange müssen wir noch an den Uhren drehen?

Wie oft werden wir wohl künftig noch an den Uhren drehen müssen? Geht es nach dem Europaparlament, könnte es damit 2021 jedenfalls vorbei sein - und auch eine Online-Befragung der EU-Bürger hatte 2018 ergeben, dass man in Zukunft getrost auf das „Zeigerverrücken“ verzichten könnte. Doch bewegt in der Causa hat sich seither nicht viel. Wie es künftig mit Sommer- und Winterzeit weitergeht, ist nach wie vor völlig offen. Fest steht aber zumindest für das heurige Jahr: Am kommenden Sonntag ist einmal mehr an der Zeit, die Zeiger um eine Stunde - und zwar von 3 Uhr auf 2 Uhr - zurückzustellen.

Groß war die Euphorie, als vor vielen, vielen Monaten bereits Bewegung in die Causa Zeitumstellung kam. Ein Online-Voting unter EU-Bürgern sprach sich mit großer Mehrheit für ein Ende des Zeigerdrehens und für die Beibehaltung der Sommerzeit aus. Ebenso schlug auch die EU-Kommission vor, den Wechsel zu beenden. Allerdings sollte aus ihrer Sicht jeder Staat selbst entscheiden, ob künftig Sommer- oder Winterzeit im Land gelten sollte.

„Folgenabschätzung fehlt“
Damit kam der Plan einer raschen Umsetzung gewaltig ins Stocken. Die Angst vor einem europäischen Zeit-Fleckerlteppich wurde laut, auch wäre eine einheitliche Zeitzone - zumindest in Mitteleuropa - nicht zuletzt für die Wirtschaft wünschenswert.
Und was geschah seither?

Spruchreifes gab es bislang jedenfalls nicht. Eine Entscheidung ist auch viele Monate später noch immer nicht gefallen. Immer noch seien Beratungen im Rat der EU-Staaten im Gange, so Erik Asplund, Zuständiger bei der Ständigen Vertretung Finnlands in Brüssel. Das skandinavische Land hat derzeit den Ratsvorsitz inne. An den Positionen habe sich nichts geändert. „Vor allem haben die Staaten ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht, dass es dem Kommissionsvorschlag an einer Folgenabschätzung fehlt“, betont der Diplomat.

SPÖ: Zeitumstellung „nicht mehr als ein leeres Ritual“
Es heißt also weiter: bitte warten und am Zeiger drehen! Doch langsam steigt auch seitens Österreich der Druck nach einer endgültigen Entscheidung.
„In der Nacht auf Sonntag endet die Sommerzeit, aber von einer Einigung bei den Mitgliedstaaten sind wir noch entfernt. Die zwei Mal jährlich stattfindende Pflichtübung der Zeitumstellung ist nicht mehr als ein leeres Ritual. Der ursprünglich angedachte Energiespareffekt hat sich nie eingestellt, stattdessen ist es ein Gesundheitsrisiko vor allem für ältere Menschen“, so der SPÖ-EU-Delegationsleiter Andreas Schieder.

FPÖ: „Verbindlicher Zeitrahmen“ für Abschaffung
„Es ist höchst an der Zeit, das Bürgervotum für ein Ende der Zeitumstellung endlich umzusetzen“, fordert auch der freiheitliche EU-Parlamentarier Roman Haider. Und weiter: „Es muss jetzt ein verbindlicher Zeitrahmen festgelegt werden, in dem die Abschaffung der Zeitumstellung zu erfolgen hat“, betont er. Eine sinnlose Lösung zeitnahe zu finden sei jedenfalls „b
ei ein wenig gutem Willen ist das aber innerhalb einer angemessenen Zeitspanne problemlos machbar - das gilt auch für andere Problemstellungen wie im IT-Bereich oder bei Fahr- und Flugplänen“, sagte Haider, der eine Verschiebung auf den Sankt-Nimmerleins-Tag strikt ablehnte.

ÖVP: „Die Uhr für Abschaffung tickt“
„Die Uhr für die geplante Abschaffung der zweimal jährlichen Zeitumstellung tickt“, erklärt auch die ÖVP-Europaabgeordnete Barbara Thaler. Und kritisiert: „Das Europaparlament hat sich für die Abschaffung per 2021 ausgesprochen. Doch der Ball liegt bei den Mitgliedstaaten. Die können sich nicht einigen, wer auf Dauer Normal- und wer Sommerzeit haben will.“ Auch betont Thaler: „Aber für eine gute und übersichtliche Lösung für die Bürgerinnen und Bürger ist es ratsam, dass die Mitgliedstaaten verantwortungsvoll und koordiniert vorgehen und sich untereinander absprechen.“ Einstimmig gefordert wird seitens der Vertreter jedenfalls, in Zukunft einen Zeitzonen-Fleckerlteppich zu verhindern. Ansonsten drohe Chaos.

Übrigens: Die nächste Möglichkeit, um die Causa Zeitumstellung durch die dafür zuständigen EU-Verkehrsminister zu klären, wäre bei einem Treffen im Dezember. Ob das Zeigerdrehen bei dieser Zusammenkunft allerdings auf der Agenda steht, ist noch unklar. 

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