08.10.2019 08:18 |

Kleinere Klassen

Leseleistung durch Reform nicht verbessert

Die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl seit Herbst 2007 hat nicht zu einer Steigerung der Leseleistung in der Volksschule geführt. Diese negative Bilanz ziehen zwei Forscherinnen des Bundesinstituts für Bildungsforschung nach eingehender Analyse der Auswirkungen diverser Reformmaßnahmen der vergangenen Jahre auf die Ergebnisse der Kinder mit bzw. ohne Migrationshintergrund in der Lesestudie PIRLS (Progress in International Reading Literacy Study). Vom Gratis-Pflichtkindergarten sowie den Bildungsstandards profitierten wiederum nur einheimische Kinder, nicht aber Migranten, heißt es in der Analyse, die nun in Form eines Sammelbands erschienen ist.

Für die Untersuchung wurden die Resultate der PIRLS-Studien der Jahre 2006, 2011 und 2016 herangezogen. Dabei wurde zwischen Kindern der ersten (Kind nicht in Österreich geboren) und zweiten Zuwanderergeneration (Kind in Österreich, beide Eltern im Ausland geboren) unterschieden, da Erstgenannte bei späterer Zuwanderung unter Umständen nicht den Gratis-Pflichtkindergarten besuchten. Kinder mit deutschen Eltern wurden wiederum aufgrund des gleichen sprachlichen Hintergrunds den einheimischen Kindern zugerechnet.

„Leistungen sogar signifikant niedriger als vorher“
Das Resultat: „Entgegen der politischen Intention geht die Senkung der Klassenschülerhöchstzahl nicht mit gestiegenen Schülerleistungen einher. Tatsächlich waren die Leistungen von Kindern ohne Migrationshintergrund sowie von jenen der zweiten Migrantengeneration nach Kontrolle des sozialen Hintergrunds 2011 sogar signifikant niedriger als 2006.“

Kinder mit Migrationshintergrund profitieren nicht stärker von Frühförderung
Etwas anders verhält es sich mit den Maßnahmen im Kindergartenbereich (z.B. sprachliche Frühförderung bzw. Pflicht-Kindergartenjahr): Deren Auswirkungen waren erstmals bei PIRLS 2016 messbar. „Unerwartet ist, dass zwar bei einheimischen Kindern, die bereits von diesen beiden Reformmaßnahmen profitierten, die Lesekompetenz höher ist als bei jenen der Vorgängerkohorte“, bei Kindern mit Migrationshintergrund allerdings nicht.

Das ist insofern überraschend, als etwa Kinder einheimischer Eltern schon vor 2010 häufiger den Kindergarten besucht haben als Kinder mit Migrationshintergrund. Insofern wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass Letztgenannte vom Pflicht-Kindergartenjahr bzw. sprachlicher Frühförderung stärker profitieren und nicht umgekehrt.

„Über Gründe kann nur spekuliert werden“
Über die Gründe für diese Entwicklung könne nur spekuliert werden, so die beiden Forscherinnen Silvia Salchegger und Iris Höller in ihrem Beitrag: Möglicherweise sei in Schulen und Kindergärten mit geringem Migrantenanteil die Unterrichts- bzw. pädagogische Qualität stärker gestiegen als in solchen mit hohem Ausländeranteil. Außerdem besuchen einheimische Kinder den Kindergarten im Schnitt länger als Kinder mit Migrationshintergrund. Die Forschung deute darauf hin, dass erst der längere Besuch einer qualitativ hochwertigen Einrichtung langfristig positiv wirke.

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