29.09.2019 06:00 |

Brief an die Leser

Heute liegt es in unserer Hand

6,396.796 Österreicher dürfen über die Politik und damit die Zukunft abstimmen. Wie geht es mit dem Land weiter? Heute kommt es auf uns an! 

Klare Wahl: Sind Sie froh, dass der Wahlkampf vorbei ist? Diese Frage stellten wir am Freitag via krone.at unseren Lesern. Sie entschieden sich klar wie selten: 95 Prozent sagten Ja! Der nach Enthüllung des Ibiza-Videos im Mai gestartete Wahlkampf hat nicht nur die Kandidaten selbst sichtlich viel Kraft gekostet, sondern auch den Wählern einiges abverlangt.

Unser Kraftakt: Jetzt wird uns Wählern der größte Kraftakt abverlangt: Heute liegt es in unserer Hand, wie es in Österreich in den nächsten fünf Jahren weitergeht. Na ja: zwei Einschränkungen. Wir treffen mit unseren Stimmen eine VOR-Entscheidung. Die von uns gewählten Parteien müssen sich danach zusammenraufen. Einschränkung 2: Mit den fünf Jahren wird’s wohl wieder nix, dieses Durchhaltevermögen hatte in Österreich ja fast noch keine Regierung.

Was Österreich bewegt: Wahlkampf und Wahlen - eine große Herausforderung auch für die Medien. Wir von der „Krone“ haben uns nach dem Bruch der Koalition zusammengesetzt. Wir entschieden uns, nicht nur wie gewohnt unsere Ohren zu spitzen und die Augen offen zu halten, um zu sehen und zu hören, was die Menschen im ganzen Land denken und wollen. Sondern auch wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen, was die Österreicher bewegt. Das hat das Integral-Institut für uns erhoben. Auf Basis dieser Daten haben wir die Spitzenkandidaten befragt und die Antworten durch unseren Polit-Professor Peter Filzmaier analysieren lassen. So entstand unser Vorwahlprojekt: Was Österreich wirklich bewegt.

Topthema Klimaschutz: Sensibel zu sein für die Themen, die die Menschen bewegen - das ist uns bei der „Krone“ wichtig. So freut es uns, wenn Fragen, denen wir uns längst annehmen, auch in einer Studie als Topthemen abschneiden. Bei den Integral-Antworten liegt der Klimaschutz auf den Plätzen 1 und 2 doppelt in Front. Eine schöne Bestätigung für unsere engagierte Berichterstattung rund um die Klimakrise. Die weiteren gefragten Themen: Migration, Verkehr, Arbeit, Wohnen, Sicherheit, Familie, Bildung, Pensionen.

Wie geht’s aus? Bis zur Vorwoche schien alles klar, alle Umfragen bestätigten: Die ÖVP gewinnt diese Wahl, die SPÖ wird Zweiter, matcht sich eventuell mit der FPÖ um diesen Platz. Die Grünen ziehen wieder ins Parlament, NEOS legen zu, Pilz fliegt raus.

Wie tippt die Redaktion? Wenn man sich so intensiv mit der Wahl beschäftigt wie viele unserer Redakteure, dann wird intern auch gerne gewettet und getippt. 15 politiknahe Redakteure haben sich an unserem Wahl-Toto beteiligt. Die Bandbreiten sind enorm: Die ÖVP kommt in den Tipps zwischen 32 und 39 Prozent (Durchschnittswert 35,7%), die SPÖ zwischen 19 und 26 Prozent (Durchschnitt 21,7), die FPÖ auf 17 bis 21,5 Prozent (Schnitt 19,4), Grüne 11 bis 15 (Durchschnitt 13), die NEOS 6 bis 9 (Schnitt 8,1) und Liste JETZT auf Werte zwischen 1 und 3 (Schnitt: 1,9). Meine Erfahrung: Solche Wetten gewinnen am ehesten politikferne Kollegen ...

Die Spesenaffäre: Keiner kann überzeugend einschätzen, wie sich die Strache-Spesenaffäre auf das heutige Ergebnis auswirkt. Die Regel, dass Themen, die innerhalb einer 10-Tages-Frist vor der Wahl auftauchen, diese kaum noch oder überhaupt gar nicht mehr beeinflussen, darf in unserer schnelllebigen Zeit mit stündlich neuen „Breaking News“ auf unzähligen (Online-)Kanälen als überholt gelten. Einen Fußballer-Spruch in aussichtsloser Position kann man aber wagen: Hoch gewinnen wird’s die FPÖ nicht mehr.

Die Leserbriefe: Ein treffsicherer Seismograph für die Stimmung sind stets auch die „Krone“-Leserbriefschreiber. Und selbst viele jener, die lange Zeit manche Sympathie für die FPÖ und Strache zeigten, kehren ihm den Rücken. Von „Spesenritter“ über „Vertreter des kleinen Mannes auf großem Fuß“ bis zu „Vertrauen endgültig verspielt“ ist da die Rede. Ein Schreiber spitzte zu: „Sie predigen Wasser und saufen selbst Champagner.“

Unaufgeregt: An Ö1 stellte ein Salzburger Radiohörer die Frage: „Wie kann man die Übergangsregierung sozusagen wiederwählen? Sie arbeitet ordentlich und unaufgeregt.“ Man kann sie natürlich nicht wählen. Aber mit „ordentlich“ und „unaufgeregt“ hat der Salzburger recht. Das darf uns für die kommenden aufgeregten und aufregenden Wochen und Monate bis zur Bildung einer neuen Koalitionsregierung auch beruhigen: Die Experten werden unser Land ordentlich und unaufgeregt weiterregieren.

Orientierung: Orientierung für Ihre heutige Entscheidung gaben die Politikerantworten in unserer Vorwahl-Serie, auch die aktuellen Berichte der „Krone“ sollen helfen. Heute kommt es auf uns alle an. Heute liegt es in unserer Hand!

Einen schönen Sonntag mit Ihrer „Krone“!

Klaus Herrmann, Kronen Zeitung

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