29.08.2019 10:37 |

Wiener Experte warnt

Amazonas-Brände könnten Dürren auslösen

Zehntausende Brände - viele davon gelegt - wüten derzeit im Amazonas-Regenwald in Brasilien. Diese Katastrophe könnte einen Teufelskreis in Gang setzen und aufgrund der Verdunstungseffekte Dürren auslösen, erklärte Harald Vacik vom Institut für Waldbau an der Universität für Bodenkultur in Wien. „Nimmt die Waldfläche ab, dann gehen Niederschläge zurück, was wiederum Dürren und damit Brände begünstigt“, so Vacik am Donnerstag.

„Wann die Lage kippt, ist schwer zu sagen“, meinte der Forstexperte der Universität für Bodenkultur (Boku). Prinzipiell seien manche Ökosysteme wie im Amazonasgebiet auf Brände zur Verjüngung angewiesen, diese seien Teil der Dynamik. Problematisch werde es nur, wenn Feuer in zu großem Ausmaß und zu häufig auftreten. „Dann kann sich der Wald nicht mehr erholen“, erklärte Vacik. Verschlimmert werde die Lage auch durch den Klimawandel, der etwa zu längeren und früheren Trockenperioden führe und die Anzahl an potenziell brandauslösenden Blitzschlägen erhöhe.

Nur tagelanger Regen könnte Brände löschen
Sind Großbrände wie derzeit in der Amazonas-Region erst im Gange, dann kann der Mensch nur noch wenig zur Löschung beitragen - dennoch können auch Sie von zu Hause aus helfen. „Der Mensch ist in seinem Wirken nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Lediglich ein paar Tage Regen könnten echte Milderung bringen“, meinte der Forstexperte. Dabei würden nämlich Wassermassen freigesetzt, die mit Löschmittel nicht aufgebracht werden können.

Regenwald könnte sich wieder völlig erholen
Dass der Regenwald sich wieder erhole und aussehe wie vor den Bränden, sei prinzipiell möglich, würde aber Jahrzehnte in Anspruch nehmen. „Greift der Mensch fördernd ein, könnte sich der Zeitraum auch verkürzen“, sagte Vacik. Er merkte jedoch an, dass eine Rückverwandlung meistens nicht von erhöhtem Interesse sei. Schließlich seien gebrandrodete Böden extrem fruchtbar für die Landwirtschaft und damit bei Sojabauern und Viehzüchtern begehrt.

Weniger Aufmerksamkeit bei anderen riesigen Bränden
Prinzipiell möchte der Experte die Brände, für deren Löschung Brasilien die G7-Soforthilfe abgelehnt hatte, im Amazonas-Regenwald jedoch nicht überdramatisieren. „Es hat schon Jahre gegeben, wo ähnlich große Brände auftraten. Sie sind fraglos bedeutend und das Jahr ist noch nicht um, doch spielt hier auch eine politische Dimension eine Rolle“, meinte Vacik. Andere riesige Brände hätten weit weniger Aufmerksamkeit erhalten.

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