Mi, 17. Juli 2019
04.07.2019 08:27

„Stoppt Apartheid!“

Protest äthiopischer Juden gegen Polizeigewalt

Nach dem Tod eines Juden mit äthiopischen Wurzeln im Zuge einer Auseinandersetzung mit einem Polizisten brennen seit Tagen die Straßen in zahlreichen Metropolen Israels. Die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassimsus im ganzen Land eskalieren. Die Wurzeln der Proteste liegen aber tiefer als der aktuelle Fall. Seit Jahrzehnten werden die in zwei großen Wellen in den Jahren 1984 und 1991 eingewanderten äthiopischen Juden in ihrer neuen Heimat diskriminiert.

Am Sonntag hatte nach Polizeiangaben in der Hafenstadt Haifa ein Polizist in seiner Freizeit einen Streit beobachtet. Er habe die sich streitende Gruppe angesprochen, diese habe ihn daraufhin mit Steinen beworfen. Er habe um sein Leben gefürchtet und geschossen. Ein 18-jähriger Jude mit äthiopischen Wurzeln wurde tödlich getroffen. Augenzeugen berichteten laut israelischen Medien, der Polizist sei nicht in Gefahr gewesen und habe die Jugendlichen mit der Waffe bedroht.

Seither setzen Demonstranten Fahrzeuge in Brand und blockieren zentrale Kreuzungen unter anderem in Tel Aviv. Zehntausende Menschen standen dort am Dienstag im Stau. Die bisher größten Ausschreitungen gab es am Dienstagabend. Nach Angaben des Rettungsdienstes und der Polizei wurden mindestens 147 Menschen verletzt, darunter 111 Polizisten. 136 Demonstranten wurden laut Polizei festgenommen.

Präsident und Premier rufen zur Beruhigung auf
Präsident Reuven Rivlin und Ministerpräsident Benjamin Netanyahu zeigten in Stellungnahmen Anteilnahme an der Trauer und Verständnis für die Kritik der Demonstranten. Sie riefen jedoch zu einer Beruhigung der Lage und zum Dialog auf.

Bereits im Jänner war es nach einem ähnlichen tödlichen Vorfall zu Protesten in Tel Aviv gekommen. Ende 2017 lebten nach Angaben des israelischen Statistikbüros rund 149.000 Juden mit äthiopischen Wurzeln in Israel. Sie wurden in den 90er-Jahren zum Teil mit Militärtransportflugzeugen über eine Luftbrücke nach Israel geholt, als sich ihre Situation im Zuge des Bürgerkriegs zwischen 1974 und 1991 enorm verschlechterte. Die soziale Integration der sogenannten Falascha (Ausgewanderte) gestaltet sich mitunter schwierig: Am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder der Vergabe staatlicher Leistungen sehen sich viele diskriminiert. Es kam zudem wiederholt zu rassistischen Übergriffen.

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