26.06.2019 06:00

Experten sind besorgt

Immer weniger Kinder lernen schwimmen

Bei Hitze und in der lernfreien Zeit hat die Abkühlung im Wasser Hochsaison. Und damit leider auch die tragischen Badeunfälle. Die Zahl der Nichtschwimmer steigt alarmierend.

Wenn am Mittwoch die Todesursachenstatistik 2018 veröffentlicht wird, werden sie wieder aufscheinen: die tragischen Todesfälle durch Ertrinken. Im Schnitt rund 40 waren es in den vergangenen Jahren. Dazu kommen Dutzende schlimme Fälle von Badeunfällen, die schwere Gehirnschäden oder Wachkoma zur Folge haben.

Für Othmar Thann, Direktor des Kuratoriums für Verkehrssicherheit, ist die wichtigste Präventionsmaßnahme, dass die Kinder richtig schwimmen lernen: „Nicht plantschen, sondern es im tiefen Wasser sicher zu beherrschen ist entscheidend, um Ertrinkungsunfälle zu verhindern.“

Die Entwicklung in Österreich geht leider in die gegenteilige Richtung. Nur noch jedes zweite Kind zwischen fünf und 19 Jahren kann gut schwimmen. Die Zahl der schon jetzt rund 700.000 Nichtschwimmer hierzulande wird in den kommenden Jahren weiter rasant ansteigen.

Eine dramatische Entwicklung, die auch Schwimmschulbetreiberin Dominique Nadarajah bestätigt: „Im Optimalfall sollten alle Kinder spätestens mit Schuleintritt schwimmen können. Leider beobachte ich, dass die koordinativen Fähigkeiten der Kleinen generell abnehmen. Sie brauchen heute wesentlich länger, um sich sicher über Wasser zu halten, als noch vor zehn Jahren“, so die ehemalige Leistungssportlerin.

„Für Schulen fehlt das Fachpersonal“
Das Schulschwimmen habe zudem Schwachstellen. Nadarajah würde sich wünschen, dass mehr Fachpersonal einbezogen wird. „Beim verpflichtenden Wiener Volksschulschwimmen lernt leider kaum ein Kind gut schwimmen.“

Dabei wäre das Interesse der Eltern, ihre Kinder in einen Schwimmkurs zu schicken, durchaus da, „aber es gibt zu wenig Angebot. Auch weil die Sportbecken in vielen Bädern seichten Becken weichen mussten. Der Preis der Kurse spielt ebenfalls eine Rolle“, so die Schwimmschulbetreiberin.

Wie Thann warnt auch Nadarajah vor einer Unterschätzung der Gefahren, die in den Monaten Juni, Juli und August besonders groß ist. Denn da passieren mehr als 50 Prozent aller Schwimmunfälle mit Kindern: „Ein Problem ist, dass viele alleine ins Bad gehen. Das ist fahrlässig“, sagt Nadarajah.

Zudem sei ein offenes Gewässer völlig anders zu bewerten als ein Pool: „Ein Schwimmabzeichen befähigt noch lange nicht zum Schwimmen im Meer oder in einem See, wo es Wellen, Fische oder Algen gibt.“

Wasserrettung warnt vor Baden in Flüssen
Martin Eberl von der Oberösterreichischen Wasserrettung warnt insbesondere vor einem Bad in Flüssen: „Strömung ist bei fließendem Gewässer immer gefährlich. Auch dann, wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.“

„Es passiert still und hinterhältig“
Ex-Skistar Bode Miller will nach dem Tod seiner Tochter Emmy breit aufklären. Bei Kleinkindern reicht ein kurzer Augenblick der Unachtsamkeit, um eine Tragödie auszulösen. Erleiden mussten dieses Schicksal der Ex-US-Skistar und seine Frau Morgen Beck. Mit nur 19 Monaten fiel ihre kleine Tochter Emmy vor einem Jahr ins Schwimmbecken der Nachbarn und starb.

Seither hat sich die Familie dem Kampf gegen Ertrinkungsunfälle verschrieben: „Es passiert unglaublich schnell, still und hinterhältig, einfach im Handumdrehen“, sagt der 41-Jährige. „Keine Eltern sollten fühlen, was wir fühlen. Solche Tragödien sollen sich nicht wiederholen“, sagt Miller, der sich für Pool-Sensoren ebenso starkmacht wie für möglichst frühes Schwimmenlernen.

Sein erst acht Monate alter Sohn Easton bekommt täglich Schwimmstunden. Dabei erlernte das Baby, sich im Wasser selbstständig auf den Rücken zu drehen. Eine in den USA beliebte, aber nicht unumstrittene Methode, denn die motorischen Voraussetzungen für sicheres Schwimmen erlangen Kinder erst mit etwa vier bis fünf Jahren.

Anja Richter, Kronen Zeitung

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