Mo, 17. Juni 2019
11.06.2019 09:27

Beratung ohne Erfolg

Kärnten liegt in der Drogenstatistik vorne

Sieben Drogentote sind es heuer schon, im Vorjahr waren es 25. Kärnten ist, gemessen an der Einwohnerzahl, nur noch knapp hinter Spitzenreiter Wien, wenn es um die Mortalitätsrate bei Süchtigen geht. Fast alle Opfer sterben an einem Mix aus Rauschgift und Pillen, meist sind auch Drogenersatzstoffe aus dem großzügigen Substitutionsprogramm dabei. Laut Drogenbericht des Innenministeriums bezogen zuletzt 965 Kärntner Methadon oder ähnliches; mehr als drei Viertel sind „Stammkunden“, die keinerlei Entzug schaffen. „Kärnten ist eine Ausnahme“, urteilen auch die Ministeriumsexperten.

Irgendetwas läuft in der Drogenpolitik in Kärnten also gewaltig schief. Für Juristen ist ein Problem der Therapieansatz – Statistiken zeigen, dass etwa die vom Gesetzgeber gewünschte „Therapie statt Strafe“, die süchtigen Kriminellen das Gefängnis erspart, nur wenig bringt. „Wir würden uns wünschen, dass diese sehr teure gesetzliche Möglichkeit bessere Erfolge erzielen würde“, sagt auch Richter Christian Liebhauser vom Landesgericht Klagenfurt, wo fast täglich Dealer angeklagt sind – heute etwa geht es um große Mengen an Heroin, morgen Cannabis.

Ist der Händler selbst Konsument, geht er mitunter frei und macht im schlimmsten Fall weiter. Diese „gesundheitsbezogenen Maßnahmen“ schlagen pro Patient mit rund 25.000 Euro zu Buche; abstinent werden laut dem Kriminalpsychologen Walter Hauptmann nur sieben Prozent. „Es geht hier schon lange nicht mehr um Therapie, sondern um Elendsverwaltung und Sozialkosmetik“, sind sich Kritiker einig.

Nichtsdestotrotz bleibt Kärnten bei seiner Linie: „Wir müssen alles versuchen, um Süchte zu entstigmatisieren“, so Gesundheitsreferentin Beate Prettner. „Man braucht sich für nichts zu genieren.“ Die Suchtberatung wird um 400 Plätze aufgestockt, in Feldkirchen und Wolfsberg werden neue Stellen eröffnet.

Kerstin Wassermann
Kerstin Wassermann

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