Dieser Sturz beim Einfahren zur Abfahrt in Wengen war auch der Hauptgrund für den Rücktritt Grubers. Der Tiroler zog sich dabei einen Bruch des Schienbeinkopfes, einen Kreuzbandeinriss, eine Meniskusquetschung und einen Bluterguss im Knochen zu, konnte seit damals keine Weltcuppunkte mehr sammeln und auch den Verletztenstatus nicht mehr in Anspruch nehmen.
"So um Platz 65 rangiere ich in der Abfahrt und im Super-G. Ich müsste mich über Europacup- und FIS-Rennen wieder nach vorne kämpfen. Dazu ist aber die letzte Entschlossenheit und auch der letzte Wille nicht mehr vorhanden", erklärte Gruber. In der vergangenen Woche habe er endgültig entschieden, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. "Auch wenn es mir schwer fällt, weil in der nächsten Saison die WM in Garmisch auf dem Programm steht, wo ich drei Mal gewonnen habe."
Positiver Blick zurück
Gruber, der seit dem Vorjahr mit Langzeitfreundin Julia verheiratet ist, betonte, er blicke nicht mit Wehmut auf seine Karriere zurück. "Im Gegenteil. Ich bin stolz und froh auf das, was ich erreicht habe. Und ich kann meine Karriere bei bester Gesundheit beenden", betonte der Tiroler, der sich bei allen seinen Weggefährten und Fans für die Unterstützung bedankte. "Und ich bin froh, dass ich mir nie den Vorwurf machen muss, ich hätte in meiner Karriere nicht alles probiert."
Im Rückblick sei sein fünfter und letzter Weltcupsieg, am 21. Februar 2008 im Super-G bei der Olympiageneralprobe in Whistler der schönste und emotionellste Erfolg seiner Karriere gewesen. Zu seinen fünf Siegen kommen noch neun weitere Weltcup-Podiumsplätze. "Olympische Spiele und Weltmeisterschaften haben mich aber nicht gemocht", verwies Gruber etwa auf die WM in Aare 2007, wo er im Super-G Bronze um eine Hundertstel-Sekunde verpasste. Insgesamt war der zweifache Junioren-Weltmeister von 1995 bei zwei Olympischen Spielen und vier Weltmeisterschaften am Start.
Zweite Karriere als Profi-Pilot
Gruber geht seinen weiteren Lebensabschnitt nun konsequent an und will Pilot werden. "Ich habe in meiner Karriere nicht so viel Geld verdient, dass ich in den vorzeitigen Ruhestand treten kann", sagte der Tiroler, der am Mittwoch in Anschluss an seine Abschiedspressekonferenz seine vierte Flugstunde auf einer Cessna 150 nahm. Gruber, der von sich sagt, ihm habe immer schon die Technik imponiert, will sich sich in den kommenden Jahren hinaufarbeiten bis zum Berufspiloten. "Vielleicht geht sich sogar der Linienpilotenschein aus", sinnierte der Sportler, der rund 50.000 Euro in diese Ausbildung steckt.
Und sollte es mit der Fliegerei doch nicht klappen, Grubers Eltern haben ein Schmuck-und-Uhren-Geschäft in seiner Heimatgemeinde Schwaz. "Ich habe auch den Gewerbeschein schon gemacht", berichtete der ehemalige Speed-Profi. "Aber ich weiß nicht, ob ich der richtige Berater für Schmuck sein werde. Da mische ich mich lieber nicht ein." Ins Ski-Trainergeschäft will Gruber, der die staatliche Skilehrer- und Skiführerausbildung absolviert hatte, nicht einsteigen. Die Liebe zu den Bergen wird ihm aber bleiben.
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