29.05.2019 11:55 |

Katias Kolumne

Es geht nicht um euch, es geht um Österreich!

Die vergangene Woche war von vorne bis hinten unsäglich. Die taktischen Spielchen, die inhaltslosen Sprechblasen und die wahlkampftauglichen Inszenierungen braucht in der derzeitigen Ausnahmesituation wirklich keiner. Wenn alle politischen Beteiligten so weitermachen, wird die aktuelle Regierungskrise das kleinere Problem sein - denn dann vergraulen sie noch den letzten Verbliebenen, der der Politik sein Vertrauen schenkt.

Man weiß nicht so recht, wo man anfangen soll. Der dokumentierte Wunsch nach einem Rausverkauf der Republik, das Kräftemessen rund um die Absetzung der FPÖ-Minister und dann auch noch das Hick-Hack um den Misstrauensantrag gegen den nunmehrigen Kurz-Kanzler Kurz - in Sachen Stabilität und Vertrauensbildung hat die heimische Politik dieser Tage auf voller Linie versagt. Der Langzeitschaden in Form von Politikverdrossenheit wird auf lange Sicht schwer zu tilgen sein.

Folgendes sei in Anbetracht dieser durchaus außergewöhnlichen Umstände allen politischen Verantwortlichen ins Stammbuch geschrieben: Der Kampf um den eigenen Posten, die Stellung der Partei oder die politische Gesichtswahrung ist zum derzeitigen Standpunkt nicht nur unerheblich, sondern auch völlig unangebracht. Viel wichtiger als das Anbringen von „Spins“ und „Gegenspins“ ist nämlich die Frage, wie es in den nächsten Monaten und in der Zukunft mit unserem Land weitergehen soll. Schließlich wurdet ihr, liebe Politiker, für die Beantwortung dieser Frage gewählt - und nicht für das Basteln an der ausgeklügeltsten Strategie zum Machterhalt.

Rückbesinnung auf das, was zählt
Was zählt, ist nicht, wer jetzt wem das größere Haxerl stellt. Auch die Absetzung der Regierung wird irgendwann nur noch ein Vermerk in den Geschichtsbüchern sein. Dann, wenn der Schock verdaut ist, wird es auch wieder um Inhalte und letztendlich auch um das Fortkommen unseres Landes gehen. Und dann bleibt zu hoffen, dass der verdrossene Wähler einem dafür überhaupt noch Gehör und Vertrauen schenken will.

Schließlich ist auch nicht zu vergessen, dass nach der Wahl im Herbst womöglich auch eine Koalition gebildet werden muss. Wie sich vor allem die drei Großparteien derzeit im Minutentakt beflegeln und bekriegen, mag zwar aus sicherer Entfernung unterhaltsam sein, macht aber eine mögliche Koalitionsbildung nach der Wahl schwierig. Das Geschirr, das nun leichtfertig im Affekt zerschlagen wird, muss dann wohl mühselig geflickt werden. Und ob das Ganze dann glaubwürdig ist, steht auf einem anderen Blatt.

Van der Bellen als Positivbeispiel
Wie man mit Ruhe durch stürmische Gewässer navigiert, hat der Bundespräsident vorgemacht. Sein besonnenes und geordnetes Auftreten war dieser chaotischen und hysterischen Tage wohltuend und heilend. Es sollte vielen der oben Angesprochenen als lehrendes Beispiel dienen. Dann bestünde auch wieder Hoffnung, dass diese Krise irgendwann unbeschadet überstanden werden kann. Und das wäre im Interesse von uns allen.

Katia Wagner

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