20.05.2019 06:00 |

Medien-Solidarisierung

„Attacken auf die Pressefreiheit“

Über den Stellenwert der Pressefreiheit, über ein „katastrophales Denkschema von Heinz-Christian Strache“ und die „richtige und erfreuliche“ Solidarität mit der „Krone“ spricht Eike Kullmann, der Vorsitzende der Journalistengewerkschaft, im Interview.

„Krone“: In dem Video gibt Strache preis, wie er die „Krone“ übernehmen will. Wie bewerten Sie diese Aussagen?
Eike Kullmann: Dass ein Politiker ein Medium kaufen will, um unliebsame Journalisten auszutauschen, darf in einem Rechtsstaat nicht passieren. Im Nachhinein zu sagen, das war eine besoffene Geschichte, ist nett, aber es heißt nicht umsonst, „Im Wein liegt die Wahrheit“, in dem Fall war es Wodka. Strache sagt, was er denkt. Und das Denkschema ist ein katastrophales und völlig indiskutabel.

„Wer die ,Krone‘ hat, ist der bestimmende Faktor auf dem Zeitungsmarkt“, sagte Strache. Warum denken Sie, ist die „Krone“ für Politiker ein so begehrenswertes Gut?
Da kann ich mich nur Ihrem Chefredakteur Klaus Herrmann anschließen: Auf der einen Seite sind Printmedien wichtig, stark und noch lange nicht tot, wie das behauptet wird. Auf der anderen Seite hat die „Krone“ als das reichenweitenstärkste Medium natürlich Einfluss, das ist völlig klar.

Nach Straches Aussagen zeigten sich de facto alle führenden Medien des Landes mit der „Krone“ solidarisch.
Jeder, der sich mit Medien beschäftigt, weiß, dass es hier nicht darum ging, ein einzelnes Medium anzugreifen, sondern im Prinzip die gesamte Branche zu diskreditieren und in Verruf zu bringen. Das ist ein absolutes No-Go, und dass sich da alle solidarisieren, ist völlig richtig und sehr erfreulich.

Österreich fiel in der kürzlich veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit um fünf Plätze auf den 16. Rang zurück. Ist die Pressefreiheit in Gefahr?
In den vergangenen Monaten wurde sukzessive an einem Rad gedreht - mit dem Ziel, der Bevölkerung zu signalisieren, dass Medien nicht wichtig sind. Das waren ganz bewusste Attacken auf die Pressefreiheit. Von einer bestimmten Partei besonders stark, aber generell glaube ich, dass die Regierung mit der Pressefreiheit keine große Freude hat.

Was braucht es, um unabhängige Medien und Pressefreiheit zu gewährleisten?
Meiner Meinung nach sollten Politiker nicht nur Lippenbekenntnisse abgeben, sondern auch ernst nehmen, was sie sagen. „Die Presse muss die Freiheit haben, alles zu sagen, damit gewissen Leuten die Freiheit genommen wird, alles zu tun“, sagte der französische Journalist und Politiker Louis Terrenoire. Und genau darum geht es.

Kommentar von Klaus Herrmann: Ibiza-Effekt
Es sind wahrlich bewegte Tage für Österreich. Während die Regierung auseinanderfällt, rücken die Medien in noch nie da gewesener Art zusammen. Wie Polit-Professor Peter Filzmaier beim „Runden Tisch“ mit „Krone“ und „Kurier“ zur Ibiza-Skandal-Regierungskrise im Samstag-Hauptabendprogramm so treffend formulierte: „Eine Positivfolge ist doch auch, dass Medien hier sich sehr einig sind, diese Ungeheuerlichkeit auch aufzuzeigen, und das, obwohl die ,Kronen Zeitung‘ und der ORF nicht immer ziemlich beste Freunde sind, obwohl der ,Kurier‘ und die ,Kronen Zeitung‘ selbstverständlich in einem scharfen Mitbewerberverhältnis sind. Aber da ist man sich einig, und das ist auch gut so.“ Ja, das ist gut so! Dieser Ibiza-Effekt erfasst alle namhaften österreichischen Medien. Gemeinsam kämpfen wir gegen die Orbanisierung, von der Strache fantasiert. Gemeinsam geht es gegen einen Ausverkauf an dubiose Figuren. Gemeinsam für das, was Hörer, Seher und Leser erwarten: Unabhängigkeit!

Sandra Schieder, Kronen Zeitung

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