Mi, 24. April 2019
17.03.2019 16:46

Die Familie spricht

Oma: „Seine Reisen haben Brenton stark verändert“

Sie seien am Ende ihrer Kräfte und würden sich am liebsten vor der ganzen Welt verstecken - das haben die Oma und ein Onkel des mutmaßlichen Massenmörders von Christchurch in einem Interview mit dem australischen Sender Nine Network gesagt (siehe englisches Video oben). Die Mutter und die Schwester des 28-jährigen Brenton Tarrant, der nach dem Massaker an 50 Muslimen - mehrere davon Kinder - in einem neuseeländischen Hochsicherheitsgefängnis sitzt und dort auf seinen Prozess wartet, stehen unter Polizeischutz. Und die Familie bestätigt einen Verdacht, den die Ermittler bereits hegen: Tarrant dürfte sich auf seinen Reisen radikalisiert haben.

„Ich bin Brenton Tarrants Oma“, sagt die in die Couchpölster zurückgesunkene ältere Frau, die sich stellvertretend für die Familie gemeinsam mit einem Onkel des 28-Jährigen den Journalisten des australischen Senders stellt. Sie alle seien „geplättet“ und wüssten nicht, was sie denken sollten. Es sei nicht nicht einfach zu verkraften, „dass jemand in unserer Familie so etwas tun würde“. Das sei „nicht zu kitten“. 

„Nach seinen Reisen hat sich der Junge komplett verändert“
Sie kenne ihn als jungen Mann, der die meiste Zeit an seinem Computer verbracht habe, um mit ihm zu arbeiten, aber auch um Spiele zu spielen. Von seiner Reise nach „Übersee“ sei er verändert zurückgekommen. „Ich finde, dass sich der Junge komplett verändert hat.“ Brentons Mutter und seine Schwester stünden unter Polizeischutz, selbst sie habe keinen Kontakt zu ihnen. „Die Polizei tut ihre Pflicht, um sie zu schützen, ich kann sie nicht anrufen.“ Was sie ihrem Enkel sagen würde, wenn sie die Möglichkeit hätte: „Es wäre nichts Nettes“, so die Großmutter.

„Am liebsten würde ich nach Hause gehen und mich verstecken“
Brentons Onkel Terry sagte in dem Interview, er habe es zuerst nicht glauben können, dass sein Neffe so etwas Falsches tun habe können. Es tue ihm so leid. Er wolle sich bei den Familien der Opfer und bei den Verletzten entschuldigen. Er könne nicht mehr klar denken: „Am liebsten würde ich nach Hause gehen und mich verstecken.“ Sie alle seien am Ende ihrer Kräfte.

Nach Reise durch Europa vor allem von Frankreich schockiert
Tarrant wurde in Grafton im australischen Bundesstaat New South Wales geboren und lebte dort, bis sein Vater starb und er durch Kryptowährungen zu etwas Geld gekommen war. Daraufhin hängte er seinen Job in einem Fitnessstudio an den Nagel und reiste um die Welt. Laut Medienberichten besuchte er mehrere europäische Länder, unter anderem Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Serbien, Montenegro, Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Es gibt ein Bild einer Überwachungskamera, das ihn am Istanbuler Atatürk-Flughafen zeigt. Eine Reise nach Frankreich dürfte ihn besonders schockiert haben.

„Die Geschichten über Frankreich waren sogar noch untertrieben“
Wie das Magazin „Politico“ aus dem Manifest des 28-Jährigen zitiert, sei er im Jahr 2017 in Frankreich gewesen. Damals sei es viel um das Thema Migration gegangen, in den Medien und vor allem in den Online-Communitys, in denen er sich bewegte. „Seit vielen Jahren hörte und las ich von der Invasion von Nicht-Weißen in Frankreich und glaubte, viele Geschichten wären Übertreibungen“, schrieb er dem Magazin zufolge in seiner 74-Seiten-Kampfschrift, „aber als ich in Frankreich ankam, merkte ich nicht nur, dass die Geschichten wahr waren, sondern dass man sie völlig untertrieben hatte. In jeder französischen Stadt, in jedem französischen Ort waren sie, die Invasoren.“ So bezeichnet er - und auch die rechtsextreme Szene - Muslime und Immigranten bzw. Nicht-Weiße.

Nach diesen für ihn schockierenden Erfahrungen in den europäischen Ländern kehrte er radikalisiert zurück und zog nach Neuseeland - um dort sein Massaker, das am Freitag 50 Muslimen das Leben kostete, von langer Hand vorzubereiten.

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