"Höchststrafe"

ÖSV-Herren suchen nach Fiasko keine Ausreden

Sport
28.02.2010 15:22
Obwohl die Olympischen Winterspiele in Kanada für Österreich mit 16 Medaillen die dritterfolgreichsten der Geschichte sind, gab es bei den Ski-Herren lange Gesichter. Die erfolgsverwöhnten ÖSV-Alpinen konnten erstmals bei Olympia kein einziges Edelmetall erringen. Auch im abschließenden Slalom am Samstag reichte es erneut nur zu "Blech" (Bericht in der Infobox). Herren-Teamchef Toni Giger suchte nach dem Fiasko nicht nach Ausreden und sprach wörtlich von einer "Höchststrafe für einen Trainer".

"Und wir wissen nicht, was wir ausgefressen haben", fügte der Herren-Cheftrainer an. Jetzt heiße es, richtig mit den Ergebnissen umzugehen und den Fokus auf das Weltcupfinale zu legen. Dass das stärkste Slalom-Team der Welt es ebenfalls nicht schaffte, die ersehnte Medaille ins Trockene zu bringen, habe nichts mit der vom Regen aufgeweichten Piste zu tun gehabt, sagte Giger. 

"Wir haben gewusst, wenn es weich ist, ist es für uns schwierig. Wir haben versucht, uns darauf einzustellen, das ist uns auch nicht so schlecht gelungen." Aber es gäbe Spezialisten für solche Verhältnisse, wie Ivica Kostelic und Manfred Mölgg. "Aber es ist halt ein Großereignis und dann gibt es immer noch ein, zwei dazu, mit denen man vielleicht nicht gerechnet hat. Man braucht nicht anfangen, die fünf hundertstel Sekunden zu suchen." Um die hatte Benjamin Raich Bronze verpasst.

"Fokus auf Weltcup-Finale"
Im Blickpunkt stehen jetzt die nächsten zwei Weltcup-Wochen, dort wolle man die noch vorhandenen großen Saisonziele realisieren. "Wichtig ist, dass wir mit dem Ergebnis richtig umgehen, man braucht sich keine Ausreden zurechtlegen - ob Schnee oder sonst was. Die Verhältnisse sind, wie sie sind. Es wurde hier toll gearbeitet, es waren extrem schwierige Verhältnisse für das Pistenkommando und Günter Hujara (FIS-Renndirektor/Anm.), sie haben eine absolut olympiareife Leistung gezeigt. Tipp-topp, mehr ist nicht gegangen. Wir waren einfach um das Eitzerl zu langsam, nicht viel, aber eine Spur hat gefehlt", sagte Giger.

Die nächsten Weltcup-Rennen stehen mit den Speed-Bewerben in Kvitfjell auf dem Programm. "Es werden komplett andere Rennen, es ist wichtig, sich auf die einzustellen und nicht irgendwo den Olympischen Spielen nachzuhängen. Wir müssen nach vorne schauen", gab Giger als Marschplan vor. Zu Gerüchten, wonach er Hans Pum als neuer Alpinchef folgen, und jener ins WM-Organisationskomitee von Schladming 2013 wechseln könnte, sagte er: "Das ist jetzt nicht das Thema. Das Wichtigste ist jetzt der Fokus auf die nächsten zwei Wochen."

Giger hat Lust am Job nicht verloren
Er habe die Lust an seinem Job jedenfalls nicht verloren: "Von mir gibt es seit Jahren das klare Bekenntnis, dass ich, wenn es geht, für den österreichischen Sport arbeiten möchte. Aber das liegt sowieso nicht an mir. Diese Entscheidungen haben andere zu treffen. Der Erfolg war nicht da, das ist auch klar. Schauen wird, dass wir noch das Beste rausholen." Anfragen aus dem Ausland gäbe es immer wieder, aber dies reize ihn nicht so: "Ich bin 250 bis 260 Tage unterwegs für den Sport, da ist man viel von der Familie weg. Österreichische Sportler gut zu trainieren, das gibt mir Motivation. Ich bin ein Patriot."

Er sei auch stolz auf die Mannschaft: "Wir haben hier einiges mitgemacht. Es war eine unglaublich schwierige Situation für die ganze Mannschaft. Wir wollen ja alle für Österreich Medaillen holen, Großes zusammenbringen. Wenn es nicht hinhaut, dann ist das eine extreme Belastungsprobe für Läufer, Betreuer und Trainer. Sie sind alle zusammengestanden, es gab keine Schuldzuweisungen im Zorn, weil es nicht funktioniert hat. Weder vonseiten der Trainer noch Läufer", berichtete Giger.

"Fehlenden Medaillen haben Team nicht gesplittet"
Dies spreche auch für die ganze Mannschaft, darin zeige sich die Qualität einer Mannschaft. "In der Zeit, in der man keine Erfolge feiert, vielleicht noch mehr, als in der, in der man Erfolge feiert. Die fehlenden Medaillen haben die Mannschaft nicht gesplittet oder sonst was. Das ist die Basis, dass wir in den nächsten zwei Wochen die Ziele, die wir noch haben, auch erreichen." Und die heißen Gesamtweltcup sowie die kleinen Kristallkugeln im Super-G, Riesentorlauf und Slalom.

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