03.03.2019 17:31 |

Hauke und Baldauf

Gandler: „Sollen sich öffentlich entschuldigen“

Am letzten Tag der Nordischen Ski-WM in Seefeld war Markus Gandler zu Gast in Ö3-„Frühstück bei mir“. Klare Worte fand er zu den Ex-Langläufern Max Hauke und Dominik Baldauf, die in Seefeld des Dopings überführt wurden - er erwarte von ihnen eine öffentliche Entschuldigung: „Und zwar jetzt gleich. Dass sie sagen: ‚Ich hab betrogen, ich bereue das, ich entschuldige mich dafür.‘ Das wäre für mich Anstand. Sie haben betrogen und einen Haufen Leute hinters Licht geführt. Du wirst als Nation ja abgestempelt.“ 

Egal welche Form die beiden dafür wählen - „ob Mail, Posting, Video, da gibt es ja heutzutage viele Möglichkeiten“, so Gandler. Besonders wichtig ist für ihn auch, "dass das ganze Team von den zwei öffentlich freigesprochen wird - die zwölf Betreuer und noch viele dahinter können sich ja jetzt jeden Tag etwas anhören, gehen herum wie geschlagene Hunde. Dass die beiden sagen, das ÖSV-Team hat mich in keinster Weise negativ unterstützt, nur positiv und das was ich falsch gemacht habe, habe ich mit anderen gemacht. Falls es anders war, können sie sagen, dass sie dem Bundeskriminalamt die Namen genannt haben.

Am Tag zuvor noch ein nettes Gespräch
Das BK meint zwar, keiner der ÖSV-Leute ist betroffen, aber die Aussage soll auch öffentlich von den beiden kommen.“ Die Chronologie der Ereignisse kann der 52jährige noch immer nicht fassen: „Hauke und Baldauf sind am Tag davor noch bei mir im Zimmer gesessen und wir haben besprochen, wie wir in Zukunft weitertun, der eine hat mir gesagt, dass er die Skimarke wechseln will, ob ich ihn unterstützen kann. Da war eine Top-Stimmung - und ein paar Stunden später bricht die Welt zusammen.“

Zur massiven Kritik, mit der Gandler in den letzten Tagen von vielen Seiten konfrontiert ist, er müsse von dem neuerlichen Doping im Langlaufteam gewusst haben, antwortet er im Gespräch mit Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl: „Das kann ich mit 100prozentiger Sicherheit entkräften, weil ich habe es nicht bemerkt. Ich wäre ja wirklich ein Idiot, würde ich sowas unterstützen oder gutheißen oder nur Wissender sein. Schon allein die Kenntnis, dass jemand unerlaubte Methoden anwendet, wird im Österreichischen Skiverband mit Ausschluss geahndet.“

Für 60 Sportler und 80 Trainer verantwortlich
Als Sportdirektor für Langlauf und Biathlon, so Gandler, wäre er für 60 Sportler und 80 Trainer und Betreuer verantwortlich. „Soll ich jetzt wirklich alle kontrollieren, dann muss ich denen einen Chip oder ein Fußfessel anlegen. Wie ein Speditionsunternehmen könnte ich dann schon auf einem Fernsehscreen schauen: Aha, der eine ist da, der andere ist da und die dann fragen: ‚Was hast denn da gemacht?‘ Das ist ein Ding der Unmöglichkeit!“

Höchst emotionales Interview
Höchst emotional bekräftigt Gandler auf Ö3: „Ich bin in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, bei meinen Großeltern in Kitzbühel. Mein Großvater hat mich gelehrt: Schau jedem in die Augen und sei ehrlich. Und ich schwöre bei meinem verstorbenen Opa, der mir über alles geht, dass ich nichts Falsches in meinem Leben gemacht habe.“ Gegen Ex-Langläufer Johannes Dürr (im Bild unten), der in einer ARD-Dokumentation im Jänner erklärt hatte, er wäre vom Personal des ÖSV beim Doping unterstützt worden, bereite Gandler eine Klage vor.

Auch hier gehe es Gandler um konkrete Namen, die genannt werden sollen: „Dürr soll endlich sagen, wen er meint. Das hat er bis heute noch nicht getan. Er redet von einem ÖSV-Betreuer - entweder ist es ihm rausgerutscht oder es gibt diesen Menschen, kann ja durchaus sein. Vielleicht hat es auch Betreuer gegeben, die wissend waren, die ihm geholfen haben. Aber dann muss er die Namen nennen.“

„Viele Trainer werden sich der Klage anschließen“
Gandler präzisiert in Ö3-„Frühstück bei mir, dass er einen Rechtsanwalt beauftragt hätte, der von Dürr die Klarstellung fordern soll, ob er, Gandler, damit gemeint wäre. “Weil ich will das endlich weghaben. Ich bin ja auch ein ÖSV-Betreuer. Und dieser Klage werden sich viele Trainer anschließen, dann muss er es sagen. Das kommt noch - ob ich jetzt noch im ÖSV bin oder was ich immer tue - das kommt. Ich lasse mir das nicht gefallen.“

Seiner beruflichen Zukunft sieht Gandler, der als Konsequenz der neuerlichen Dopingaffäre im ÖSV-Langlaufteam jetzt abdanken muss, gelassen entgegen: “Ich habe zwei gesunde Hände, zwei gesunde Füße und auch ein bissl einen Kopf - dann mache ich mich halt jetzt auf die Suche und mache was anderes.„ Vor seiner Zeit als ÖSV-Funktionär war er selbstständig, mit einer Firma für Marketing und Tourismus: “Da habe ich z.B. Tourismusregionen in der richtigen Anlegung von Loipen beraten. Es gibt viele Dinge, die ich machen könnte. Da braucht es jetzt auch nicht immer unbedingt den ÖSV. Aber vielleicht bleibe ich auch beratend tätig, ich werde mich erst mit ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel zusammensetzen. In jedem Fall werde ich dem Sport treu bleiben. Das ist mein Leben.“

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