Di, 26. März 2019
21.02.2019 15:18

Er schlief im Auto

Sechs US-Cops durchsieben Rapper mit 25 Kugeln

Die Familie eines in seinem Auto von US-Polizisten erschossenen Afroamerikaners hat den Beamten übertriebene Gewaltanwendung vorgeworfen. Der junge Rapper Willie McCoy war Anfang Februar in Nordkalifornien von insgesamt sechs Beamten schlafend in einem Auto vor einem Fast-Food-Restaurant überrascht - und von rund 25 Kugeln durchsiebt worden (siehe Video oben). Anwältin Melissa Nold sprach jetzt von einem Gewaltexzess: „Nichts rechtfertigt ein solches Ausmaß an Gewalt“. Es wirke fast, als ob die Beamten Schießübungen gemacht hätten.

Laut der Anwältin der Familie des jungen Nachwuchs-Rappers hatte der 20-Jährige am 9. Februar im Tonstudio eines Verwandten in der Stadt Vallejo Aufnahmen gemacht, als er spätabends zu einer Filiale der Fast-Food-Kette Taco Bell fuhr.

Polizisten schoßen aus Angst um Sicherheit
Laut Polizei alarmierten Angestellte dann die Behörden, weil ein Auto mit laufendem Motor auf der Drive-In-Spur stand, während der Fahrer offenbar am Steuer schlief. Die herbeigeeilten ersten beiden Beamten hätten eine Schusswaffe in dem Wagen gesehen, hatte die Polizei das Vorgehen gerechtfertigt.

Die beiden Polizisten warteten zunächst auf Verstärkung. Als dann insgesamt sechs Beamte vor Ort waren, die Lage überprüften und die Umgebung absicherten, sei McCoy aufgewacht und habe nach der Waffe gegriffen. „Aus Angst um ihre Sicherheit haben sechs Beamte mit ihren Dienstwaffen geschossen“, hieß es vonseiten der Behörden.

Anwältin: „Overkill ist eine Untertreibung“
Anwältin Nold kritisierte, die Polizisten hätten sich hinter ihren Streifenwagen verschanzen und McCoy mit der Polizeisirene oder Hupe wecken können, wenn sie ihn für bewaffnet hielten. „Overkill ist eine Untertreibung“, so Nold gegenüber „NBC News“ mit Blick auf die Vorgehensweise der Polizisten. Der Anwältin zufolge wurde McCoy von den Kugeln der Beamten regelrecht durchsiebt: Der 20-Jährige wurde demnach in Gesicht, Hals, Schultern, Brust und Arm getroffen. Zudem sei ein Teil von McCoys Ohr durch die Schüsse „wie weggeblasen“.

Die Polizisten argumentierten wiederum, sie hätten das Fahrzeug öffnen wollen, um die Waffe aus dem Schoß von McCoy zu holen, bevor er aufwachen konnte - hätten diesen Plan aber wieder verworfen, als sie bemerkten, dass die Autotüren verschlossen waren. McCoys Familie konterte, das Fenster der Beifahrertüre sei bei einem früheren Unfall zerbrochen und lediglich mit einer Plastikfolie überzogen gewesen, die ganz leicht von den Beamten hätte entfernt werden können.

Verwandte des Opfers orten Polizei-Kampagne
„Es gab keinen Versuch, eine friedliche Lösung zu finden“, klagte Marc McCoy, der ältere Bruder von Willie McCoy, gegenüber dem „Guardian“. „Die Polizei hat die Aufgabe, Menschen zu verhaften, die gegen das Gesetz verstoßen - und nicht das Gesetz selbst in die Hand zu nehmen. Sie sind nicht Richter, Jury und Henker.“ Auch David Harrison, McCoys Cousin, ist überzeugt: „Die Polizei (in Vallejo) fährt eine Kampagne, bei der junge schwarze Männer exekutiert werden, die zu einem bestimmten Profil passen. Willie war entsprechend gekleidet. Er stand für Hip-Hop-Musik. Sie werden diskriminiert“.

Die US-Polizei gerät immer wieder wegen Gewaltexzessen gegen Schwarze in die Schlagzeilen …

Harald Dragan
Harald Dragan

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