So, 17. Februar 2019
02.02.2019 07:00

Florian Phleps:

„Im Winter ist in Tirol bald der Plafond erreicht“

Vom Tourismusverband PillerseeTal kam Florian Phleps zur Tirol Werbung. Dort war er ab 2016 Prokurist. Seit Jänner ist er Geschäftsführer. Im Gespräch mit der „Krone“ lässt der 38-Jährige mit Aussagen zu den Grenzen des touristischen Wachstums aufhorchen.

Die Wintersaison läuft ausgezeichnet, ein neuer Nächtigungsrekord ist möglich. Mehr als 27 Millionen waren es im Vorjahr. Aber hat Tirol nicht langsam die Grenze erreicht? Was geht noch?
In der Öffentlichkeit entsteht oft der falsche Eindruck, dass es dem Tiroler Tourismus um Rekorde geht. Ja, wir haben zum Glück eine große Nachfrage. Urlaub in den Bergen liegt im Trend. Was aber ebenso entscheidend ist: Unser Wachstum ist ein qualitatives Wachstum, weil es nicht aufgrund von Kapazitätssteigerungen mit immer mehr Betten passiert.

Im Gegenteil: die Zahl der Betten ist im langjährigen Vergleich rückläufig. Dass wir trotzdem mehr Nächtigungen und Gäste generieren, hat mit der besseren Auslastung in Vor- und Nachsaison zu tun. Das Ziel ist eine gute Verteilung und eine Stärkung der Randzeiten. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Region Wilder Kaiser, die mit Aktivitäten wie der Bergdoktorserie Frühling und Herbst belebt.

Neue Kennzahl für Erfolg noch in diesem Jahr?

Viele Nächtigungen bedeuten nicht automatisch hohe Wertschöpfung. Wann kommt eine aussagekräftigere Kennzahl?
Nächtigungen und Ankünfte sind nicht die alleinigen Parameter für den touristischen Erfolg. Wesentlich sind auch andere Kennzahlen. Wie die Wertschöpfung, mit der sich die Branche österreichweit im Rahmen des Plan T der Bundesregierung intensiv beschäftigt. Die Daten sind da, wir müssen uns aber auf ein einheitliches Modell in Österreich verständigen. Ideal wäre eine Vereinheitlichung im gesamten Alpenraum. Ziel muss es sein, neben der Übernachtungswertschöpfung auch die Tagesausgaben einzurechnen. Am MCI wird das bereits gemacht.

Worauf wartet man?
Ich sehe keine Notwendigkeit, länger zu warten. Das muss sich 2019 entwickeln. Tirol kann die Daten jetzt schon liefern.

Medien-Überspitzung brachte Verunsicherung

Zuletzt gab es Aufregung, weil die intensiven Schneefälle von einer Medien-Lawine begleitet wurden. Am Beginn der Saison stand Kitzbühel im Fokus, weil dort im Oktober die Skisaison startete. Wie geht eine Branche damit um, die so sehr von einem positiven Image abhängig ist?
Die Bergbahnen Kitzbühel haben für Trainingsgruppen und Saisonkartenbesitzer ein Angebot geschaffen. Und das wurde genutzt. Dass die Bilder von weißen Schneebändern für Kritik sorgen können, damit muss man rechnen. Kitzbühel ist damit gut umgegangen, hat offen kommuniziert.

Leider wurde das in der Öffentlichkeit mit der Diskussion um den Klimawandel vermischt. Auch der viele Schnee in Jänner war außergewöhnlich. Es geht darum, Gäste bestmöglich und objektiv zu informieren. Die Überspitzung internationaler Medien, die oft weit weg von Tirol sind, führt zu Verunsicherung. Bei der Tirol Werbung hatten wir auffallend wenig Anfragen. Das heißt: Regionen und Betriebe haben bestens informiert.

Für die Semesterferien ist auf jeden Fall genug Schnee da. Aber immer wieder heißt es, dass das Skifahren als Freizeitsport an Bedeutung verlieren wird. Gibt es für Tirol eine Alternative?
Es wird immer wieder das Ende des Skisports proklamiert. Wir haben aber trotzdem jedes Jahr 24 bis 25 Millionen so genannte Skier-Days in Tirol. Heißt: Wenn eine vierköpfige Familie am Sonntag auf die Piste geht, sind das vier Skier-Days. Diese Zahl ist stabil.

Außerdem wissen wir aus einer großen deutschen Wintersport-Studie, dass die Anzahl der aktiven Skifahrer dort nicht zurückgeht. Und das ist unser wichtigster Markt. Für 80 Prozent der Tirol-Urlauber ist Skifahren nach wie vor die entscheidende Urlaubsmotivation. Was wir aber auch wissen: das Bedürfnis nach Zusatzangeboten steigt.

Winterwandern als wichtige Alternative

In Deutschland ist die Mehrzahl der Über-50-Jährigen Wintersportler Winterwanderer. Und für die bauen viele Regionen derzeit ein Angebot auf. Das ist eines der wichtigen Themen der kommenden Jahre, ebenso wie der Trend zum nordischen Skisport.

Die Sommersaison galt lange als Sorgenkind. In den vergangenen Jahren gab es jedoch deutliche Zuwächse. Was ist noch drinnen für den Sommer. Ist auch ein Nächtigungsgleichstand zwischen Winter und Sommer möglich?
Urlaub in den Bergen ist auch im Sommer wieder gefragt. Er wird als jung und sexy wahrgenommen. Das kommt nicht von ungefähr. Die Regionen haben kräftig in den Sommer investiert: Bergbahnen, Hotels, Tourismusverbände. Die Annäherung der Sommer- und Winternächtigungen ist bereits da.

Die Prognosen für den Sommer sind weiter sehr gut. Im Vergleich dazu muss man sehen, dass wir im Winter bei der Nachfrage bald den Plafond erreicht haben. Die Erwartungen, dass wir im Winter auch weiterhin ein kontinuierliches quantitatives Wachstum haben werden, habe ich nicht.

Starke Marke Tirol auf mehreren Ebenen

Wie geht die Tirol Werbung damit um?
Heuer wird unsere Marketingstrategie, die 2020 ausläuft, weiterentwickelt. Im Sommer haben wir nicht zuletzt durch die Rad-WM eine gesteigerte Nachfrage. Die Infrastruktur wurde verbessert. Da tut sich viel zum Thema: Vom Radwandern über Singletrail und Rennrad-Fahren. Das wird uns die nächsten Jahre begleiten. Darüber hinaus sehe ich viel Potenzial im kulinarischen Bereich. Hier kooperieren wir mit der Agrarmarketing Tirol und der heimischen Landwirtschaft.

Apropos Kooperationen. Welche Erwartungen haben Sie an die neue Tirol Holding?
Hohe. Die Marke Tirol hat der heimische Tourismus aufgebaut. 2006 wurde sie als Standortmarke definiert und hat international ein sehr positives Image. Schon in den vergangenen Jahren war die Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft und auch anderen Wirtschaftsbereichen sehr positiv. Durch die Tirol Holding wird die Abstimmung noch besser. Der Tourismus kann nur dann profitieren, wenn die Marke nicht nur für den Erholungsraum steht, sondern auch für den Lebensraum Tirol.

Claudia Thurner
Claudia Thurner

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