24.01.2019 18:43 |

Experte über Müllberge

„Weil wir gerne konsumieren und wenig reparieren“

570 Kilogramm Hausmüll fallen in Österreich jährlich pro Person an - damit liegt unser Land auf Platz sechs im EU-Vergleich. Das Image vom Müllvermeidungs-Musterland lässt sich so also schwer aufrechterhalten. Herwig Schuster von Greenpeace Österreich sprach am Donnerstag im krone.tv-Talk über die Ursachen für die heimischen Müllberge und erklärte, was jeder Einzelne dagegen tun kann.

Es ist kein gutes Zeugnis, das die EU-Statistikbehörde Eurostat unserem Land am Mittwoch ausstellte: Mit 570 Kilo Hausmüll pro Kopf liegt Österreich im vordersten Viertel der EU-Staaten. Der Schnitt der EU-28 liegt bei 487 Kilo (siehe Grafik). Die Erklärung ist banal: Das Müllaufkommen hängt mit dem Einkommen zusammen, weshalb wohlhabende Länder wie Dänemark, Deutschland oder Österreich im Ranking vorne liegen. Hier werden etwa wesentlich mehr Kleidung, Elektrogeräte oder Möbel gekauft - „weil wir Österreicher gerne konsumieren, wenig reparieren und Dinge schnell erneuern“, sagt Greenpeace-Sprecher Schuster.

Die Konsequenz liegt auf der Hand: möglichst langlebige Produkte kaufen und im Fall des Falles „zuerst jemanden fragen, ob man z.B. die defekte Waschmaschine reparieren kann, bevor man sich eine neue kauft“. Auch die Politik kann hier lenkend eingreifen: Schuster verweist auf das Beispiel Schweden, wo es eine geringere Steuer für Reparaturen gibt. „Hier ist es interessanter, Geräte zu reparieren, weil man weniger Steuern zahlt.“

Sammelquoten hoch, aber Gesamtmenge auch
Die gute Nachricht: Die Müllsammelquoten sind in Österreich hoch, es wird „relativ gut getrennt“, auch die Recyclingquoten sind zufriedenstellend, aber „der große Schwachpunkt ist die Müllvermeidung: Hier wird sowohl von den Konsumenten als auch von Industrie und Wirtschaft viel zu wenig gemacht.“ Beispiel Plastikmüll: „Der wird zwar sehr gut gesammelt und zum Teil auch gut verwertet, aber wir haben halt viel zu viele Wegwerf-Plastikflaschen und wenig Pfandflaschen, die die Müllmenge entsprechend senken könnten“, sagt Schuster.

Zum Stichwort Wiederverwertung verweist der Greenpeace-Experte einmal mehr auf wiederbefüllbare Flaschen, die „auch in der Ökobilanz viel besser sind“. Das Material sei dabei Nebensache: „Wenn es wiederbefüllbare Kunststoffflaschen gäbe, wären die genauso gut wie wiederbefüllbare Glasflaschen.“

„Weniger Lebensmittel einkaufen!“
Ein weiterer, oft weniger beachteter Bereich sind die Lebensmittel. Hier fallen in Österreich jährlich rund 200.000 Tonnen vermeidbare Abfälle an. Schlichtes Rezept: „Weniger Lebensmittel einkaufen, die dafür aber verbrauchen, ist ein großer Beitrag zur Müllvermeidung.“

Das von der Regierung Ende des Vorjahres mit viel Getöse erlassene Plastiksackerlverbot bezeichnet Schuster als „wichtig und richtig“. In den vergangenen 20 Jahren sei die Menge an Kunststoffverpackungen in der EU mit einem Anstieg von bis zu 50 Prozent geradezu explodiert. Österreichs Ziel einer Reduktion um 25 Prozent sieht der Experte „machbar“, etwa durch eine Offensive bei den Tragetaschen, über Pfandsysteme bei Getränkeflaschen sowie bei den Transportsystemen - „dass etwa Tetrapacks nicht zusätzlich mit Plastik verpackt sind“.

Tempo 140, keine Öko-Steuerreform: „Nicht genügend“ für Regierung
In der Politik der Bundesregierung ortet Schuster „überwiegend Maßnahmen, die der Umwelt schaden“, und verweist etwa auf das Tempo-140-Projekt von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ). Außerdem „fehlt jeder Ansatz zu einer ökologischen Steuerreform“. Mit Ausnahme des Plastiksackerlverbots gibt‘s von Greenpeace „im Großen und Ganzen leider ein glattes Nicht genügend“ für die Regierung.

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