25.01.2019 13:11 |

Raumluft oft verpestet

Diese Alltagsdinge sind Feinstaubschleudern

Wer an Feinstaub denkt, assoziiert diesen wohl am ehesten mit Dieselfahrzeugen oder Rauch aus Industrieanlagen. Doch auch in den eigenen vier Wänden wird Feinstaub produziert. Die Belastung durch die mikroskopisch kleinen, gesundheitsschädlichen Partikel kann in geschlossenen Räumen sogar noch größer sein als im Freien. krone.tv hat mit einem Experten gesprochen und mit einem Messgerät untersucht, welche die größten Feinstaubschleudern im Alltag sind.

Das Thema Feinstaubbelastung ist in aller Munde - oder auch in der Nase. Auch wenn Kritiker zuletzt Zweifel an der Gesundheitsgefahr geäußert hatten, ist der Großteil der Experten der Meinung, dass Feinstaub krank macht. Wegen aktuell hoher Werte in Wien wurde am Dienstag sogar von sportlichen Aktivitäten im Freien abgeraten. Kleinste, gesundheitsschädliche Partikel machen jedoch nicht vor unserer Wohnungstür halt - in Innenräumen kann die Feinstoffbelastung sogar höher sein als draußen. Und gerade im Winter halten wir uns sehr viel in geschlossenen Räumen auf. Bewusstsein dafür möchte die Initiative MeineRaumluft schaffen. Laut deren Experte Thomas Schlatte sollte man die Luftqualität genauso streng unter die Lupe nehmen wie das, was wir essen und trinken: „Lebensmittel sind Stoffe oder Erzeugnisse, die vom Körper aufgenommen werden. Da wir 15 Kilogramm Luft pro Tag aufnehmen, ist sie eigentlich als Lebensmittel zu betrachten.“ Die Broschüre dazu gibt es hier kostenlos zum Download.

Zigarette in Räumen Feinstaubschleuder Nummer eins - schlimmer als Dieselauto
Der Fachmann weiß, wie Feinstaub in die eigenen vier Wände kommt: „Etwa die Hälfte des Feinstaubs kommt von außen herein. Aber Sie verursachen auch viel Feinstaub selbst. Wenn Sie zu Hause einen Drucker oder Kopierer haben, das Anzünden von Kerzen, kochen, heizen - das alles erzeugt Feinstaub. Und natürlich einer der wesentlichsten Faktoren: das Rauchen“, berichtet Schlatte. Das bestätigt sich auch bei unseren Messungen in einem Raucherzimmer. Das Feinstaubmessgerät gerät hier an seine Grenzen und zeigt den Maximalwert an. Gefährlichkeitsstufe 6 - das höchste Level. „Man muss sich vorstellen, wenn man eine Zigarette raucht, die bringt ungefähr soviel Feinstaub in die Luft, wie wenn ein Dieselmotor ohne Filter eineinhalb Stunden laufen würde“, klärt Schlatte auf.

Feinstaub kostet jeden Österreicher neun Monate Lebenszeit
Feinstaub ist dabei nicht gleich Feinstaub. Deswegen geben Messgeräte auch unterschiedliche Werte an. „Feinstaub wird immer in Korngrößen angegeben. Je kleiner diese Zahl, desto gefährlicher ist der Feinstaub. Der kleine Feinstaub geht in die Lunge, wenn es ganz kleine Partikel sind, können sie auch in die Blutbahn geraten“, sagt Schlatte. Die Folge können Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßerkrankungen oder Lungenprobleme sein. Feinstaub koste daher jeden Österreicher neun Monate seiner Lebenszeit.

Auch Kerzen schleudern viel Feinstaub in die Luft
Seiner Gesundheit zuliebe sollte man nicht nur auf die Feinstaubschleuder Zigarette verzichten. „Das Anzünden von Kerzen ist sehr romantisch, nur: Kerzen sind sehr starke Verursacher von Feinstaub. Man sollte darauf achten, dass man nicht zu viele Kerzen entzündet und diese nicht den ganzen Tag brennen lässt. Und dass man Kerzen verwendet, die rein aus Naturwachs sind“, empfiehlt Schlatte. Auch auf Zusätze wie Duftstoffe sollte man verzichten.

Die Feinstoffbelastung steigt besonders beim Löschen einer Kerze rasant an. Deswegen sollte man anschließend ausreichend lüften. Mobile Lufreinigungsgeräte oder eine kontrollierte Wohnraumlüftung seien gute Investitionen, so der Raumluft-Experte: „Da ist darauf zu achten, das sie wirklich einen Feinfilter haben, einen HEPA-Filter idealerweise. In Kombination mit Aktivkohle.“

Was hilft gegen hohe Feinstaubbelastung in Innenräumen?
Das befreit Räume nicht nur von Feinstaub, sondern auch von anderen gefährlichen Stoffen wie Gasen. Auch ein Putzfimmel hilft: Von sauberen Böden wird weniger Staub aufgewirbelt. Bei Staubsaugern kommt es auf den Feinfilter an - sonst wird vielleicht beim Saubermachen sogar mehr Feinstaub in die Luft geschickt. „Im Winter vor allem sollte man darauf achten, die Räume nicht zu überheizen, und dass die Luft nicht zu trocken ist.“

Feuchtigkeit bindet die Partikel und sorgt dafür, dass nicht so viele Teilchen aufgewirbelt werden. Ganz entkommen kann man dem Feinstaub jedoch nicht, weiß der Fachmann: „Man kann‘s oft nicht verhindern - Sie müssen kochen, Sie müssen heizen. Das heißt, Sie werden immer eine gewisse Menge an Feinstaub erzeugen. Wichtig ist eben eine Luftdurchmischung, weil sich die Feinstaubkonzentration in geschlossenen Räumen verstärkt.“

Feinstoffwerte drinnen oft höher als draußen
Die Belastung durch „schmutzige“ Raumluft wird meist unterschätzt: „Wir überschreiten in den Innenräumen sehr häufig den Wert von draußen. Für den Innenraum haben wir allerdings keine Grenzwerte.“ Risikogruppen, für die Feinstaub besonders gefährlich ist, seien kleine Kinder, Schwangere, ältere Menschen oder Personen, die ohnehin schon unter Lungenproblemen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Wer so viel Feinstaub einatmet wie es die gesetzliche Obergrenze erlaubt - also 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft -, der nehme 270 Gramm Feinstaub in einem Jahr zu sich, rechnet der Experte vor. „Der bleibt im Körper. Der ganz feine Staub setzt sich wirklich fest.“

Messgerät schlägt auch bei E-Zigaretten an
Keinen Freibrief kann der Experte elektronischen Glimmstängeln erteilen. „Geräte schlagen an auf E-Zigaretten-Rauch, weil das natürlich auch Partikel sind. Wie E-Zigaretten genau wirken, mit all ihren Zusammensetzungen und Inhaltsstoffen und synthetischen Stoffen, ist meiner Meinung nach noch zu wenig erforscht, um über die Belastung eine Aussage zu treffen.“ Schlatte rät daher persönlich auch vom Konsum von E-Zigaretten ab. Bei Messungen von krone.tv zeigte das Gerät ähnliche Feinstaubwerte bei E-Zigarettendampf wie bei Tabakrauch an.

Experte: „Qualität der Innenraumluft kann ich selbst sehr wesentlich bestimmen“
Ein Feinstaubmessgerät, wie es auch für diesen Beitrag verwendet wurde, sei eine gute Möglichkeit, um sich die Problematik vor Augen zu führen: „Das Problem bei Feinstaub ist: Er ist nicht sichtbar. Deswegen ist es wichtig, Geräte wie diese zu haben, um sich ins Bewusstsein zu rufen: Achtung, wir haben eine zu große Belastung. So kann man auch Maßnahmen setzen, damit die Raumluft wieder okay ist.“ Abschließend appelliert der Raumluftexperte, das Thema ernst zu nehmen: „Natürlich kann jeder durch sein Verhalten auch etwas für die Außenluft beitragen, aber nur einen sehr, sehr, sehr geringen Anteil. Die Qualität der Innenraumluft kann ich selbst dagegen sehr wesentlich steuern und bestimmen.“

Miriam Krammer
Miriam Krammer
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