Josef Guggenberger, ÖVP-Bürgermeister der Flachgauer Gemeinde Berndorf kämpft seit Jahren für eine gerechte Entlohnung der Kinderbetreuung. Heute tritt er für die Freiheitlichen als Experte im Landtag auf.
Herr Bürgermeister, wie kommt es dazu, dass Sie als ÖVP-Mann für die FPÖ als Experte im Landtag auftreten?
Ich wurde gefragt und ich habe ja gesagt. Mir geht es um die Sache, die wichtig ist. Ich hätte auch bei jedem Anderem ja gesagt. Ich habe da keine Berührungsängste.
Sie treten ja nicht mehr zu kommenden Wahl an. Hätten sie es getan, für wen?
Natürlich für die ÖVP.
Was ist ihre Hauptkritik am bestehen Kinderbetreuungsmodel?
Dass externe Betreuung unterstützt wird und interne nicht. Es gibt auch eine Schieflage beim Kinderbetreuungsgeld. Kurz gesagt: Wer lange bei den Kindern bleibt bekommt insgesamt 15.500 Euro Unterstützung und wer die gehaltsabhängige Variante mit institutioneller externer Betreuung wählt, bekommt bis 43.300 Euro in den ersten drei Lebensjahren des Kindes. Da geht es rein um Wirtschaftswachstum.
Und zwar?
Das Ganze wird von der Politik und Wirtschaftsinteressen gesteuert. Wir opfern die Familie am Altar des Wirtschaftswachstums!
Inwiefern?
Wenn die Eltern arbeiten gehen, verdienen sie mehr und können dadurch auch mehr konsumieren, was gut für die Wirtschaft ist. Dann werden viele Betreuungsstätten gebaut, was wieder gut für die Wirtschaft ist und neue Arbeitsplätze entstehen natürlich auch direkt bei der Betreuung. Von der Betreuerin bis hin zur Reinigungskraft. Geschätzt sind es 1,3 Arbeitsplätze pro Kind. Und das ist wiederum gut fürs Wirtschaftswachstum. Das ist keine echte Wahlfreiheit für die Eltern.
Was bedeutet ihrer Meinung nach Wahlfreiheit?
Meiner Meinung nach gibt es Wahlfreiheit, wenn ich es mir leisten kann, mein kleines Kind daheim zu betreuen. Eine OSZE-Studie hat belegt, dass für 84 Prozent Kinder und Familie das Wichtigste im Leben sind. Momentan haben wir nur eine Freiheit die Wirtschaft und Politik wollen. Aber die Menschen wollen nicht gesteuert werden, sondern auch Zeit fürs „Leben“ haben. Und dazu gehören die Kinder.
Wie groß schätzen Sie die Chance ein, dass der Antrag im Landtag durchgeht?
Da lasse ich mich gerne überraschen.








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