Fr, 18. Jänner 2019

Bald „Dancing Star“

06.01.2019 06:00

Warum will keiner mit Ihnen tanzen, Herr Petzner?

Darf ich bitten? Das fragt „Dancing Star“ Stefan Petzner (35) derzeit vergeblich. Mehrere Profitänzerinnen sollen abgewunken haben. Mit Conny Bischofberger spricht der Haider-Vertraute über Tratsch und Tränen, die Sehnsucht nach einem neuen Image und seine verletzliche Seite.

Auf dem Bergbauernhof seiner Eltern an der steirisch-kärntnerischen Grenze läuft „Großvater“ von STS, als Stefan Petzner am Samstagmittag das Handy abhebt. „Dieses Lied spiele ich immer gerne, wenn ich nach Hause komme“, erzählt er und erwähnt seinen Ururgroßvater Friedrich Kocher, vom dem er in diesen Tagen auch Fotos auf Twitter verbreitet hat. Kocher war ein christlich-sozialer Abgeordneter der Nationalversammlung in der Ersten Republik.

Das tief verschneite Lassnitz bei Murau. Hier ist Petzner der „Mürzl-Stefan“ (Vulgo-Name), der einmal Ministrant war. Hier wollen die Bewohner ab 15. März im Dorfwirtshaus für ihren Dancing-Star ein „Public Viewing“ veranstalten.

„Krone“: Herr Petzner, Sie sind über die Feiertage an den Ort Ihrer Kindheit zurückgekehrt. Was passiert da?
Stefan Petzner: Wenn ich hier mit unserem alten Lada durchs Dorf schieße, dann hüpfen die Bauern vom Traktor und rufen: Der Stefan ist da! Und dann gehen wir ins Wirtshaus, zum „Wallner“. Ich mag die ehrlichen, bodenständigen Leute hier. Sie sagen dir ins Gesicht, wenn sie dich mögen, aber auch, wenn sie finden, dass du ein Trottel bist.

Sind schon alle aufgeregt wegen „Dancing Stars“?
Es halten mir alle die Daumen.

War das wirklich eine gute Entscheidung?
Ich habe bis zum Schluss mit meiner Zusage gewartet. Das ging so weit, dass mein Vertrag bei Bekanntgabe meiner Teilnahme noch nicht einmal unterschrieben war. Ich habe mir das also wirklich sehr, sehr gut überlegt. Ich bin ein klassischer Steinbock. Die stehen in der steilen Felswand und gehen überlegt Schritt für Schritt bergauf. Vielleicht müssen sie dabei auch manchmal einen Schritt zurück machen oder rutschen sogar etwas ab, letzten Endes kommen sie aber immer ans Ziel.

Sie hatten sich als Polit-Berater gerade ein etwas seriöseres Image aufgebaut. Wird die Teilnahme an dieser Show nicht eher das „Bunte Hund“-Image nähren?
Berechtigter Einwand! Einige Freunde haben mir dasselbe gesagt. Immerhin habe ich in den letzten Jahren vieles gemacht, sogar Vorträge für die CDU in Deutschland gehalten. Auch von Ex-Kanzler Kern wurde ich als Wahlkampfberater angefragt. Das ist aufgrund des Widerstands des linken Flügels aber gescheitert. Also es gab natürlich Bedenken. Aber „Dancing Stars“ ist nicht das „Dschungelcamp“. Das würde ich never ever machen. „Dancing Stars“ ist eine seriöse Unterhaltungssendung, die letzte große Samstagabend-Show des ORF. Da haben Leute wie Thomas Morgenstern, Toni Polster und weiß wer aller noch mitgemacht. Das Leben ist so kurz, ich will neue Dinge ausprobieren, nicht stehen bleiben. „Dancing Stars“ ist so etwas ganz Anderes. Genau das reizt mich.

Offenbar gibt es jetzt auch Schwierigkeiten mit den Tanzpartnerinnen. Warum will keiner mit Ihnen tanzen?
Keiner ist übertrieben … Es heißt, ein, zwei Profitänzerinnen würden nicht mit mir tanzen wollen, auch wenn der ORF das nicht bestätigt. Wie auch immer. Ich freue mich über die, die wollen und mir sogar schon auf Instagram geschrieben haben, sich sehr zu freuen, könnten sie mit mir übers Tanzparkett fegen.

Aber viele andere haben Ihnen einen Korb gegeben. Wie erklären Sie sich das?
Tänzer sind Künstler, und Künstler sind naturgemäß eher links angesiedelt. Da verstehe ich, wenn es vielleicht Bedenken gibt, mit einem Politiker, der einmal im rechten Spektrum war, im TV aufzutreten. Bei „Dancing Stars“ geht es aber nicht um Politik, sondern darum, beim Tanzen den rechten Fuß richtig neben den linken zu setzen. Dabei muss vor allem auch die Chemie stimmen. Wenn eine nicht will, ist mir daher auch lieber, es offen zu sagen. Ich habe außerdem immer gewusst, dass das ein Wagnis ist und ein Experiment. Auch für den ORF. Dass ein Ex-Politiker bei „Dancing Stars“ mittanzt, das war noch nie da.

Würden Sie, wenn sich keine Frau findet, auch mit einem Mann tanzen?
Die Frage wird sich nicht stellen.

Hätte ein Mann nicht auch besser zu Ihnen gepasst?
Ich verstehe die Frage ehrlich gesagt nicht. Es kommt doch auf den Menschen an und nicht darauf, ob er ein Manderl oder ein Weiberl ist. Ich fand es toll, dass Alfons Haider mit einem Mann getanzt hat und dass Virginia Ernst mit einer Frau tanzt. Ich will eben mit einer Frau tanzen. Punkt.

Gibt es da vielleicht etwas zurechtzurücken?
Das war sicher ein Motiv, mitzumachen. In der Öffentlichkeit existiert ein verzerrtes Bild von mir: Haiders Mann fürs Grobe, der Polit-Brutalinski. Ich treffe oft auf Leute, die mir sagen: „Ich dachte immer, Sie seien ein Ungustl! Aber jetzt, wo ich Sie persönlich kennengelernt habe, weiß ich, dass Sie ein netter, offener, kommoder Mensch sind.“ Dann freue ich mich, es macht mich aber auch traurig.

Warum ist das traurig?
Weil ich mich dann frage, was manche Leute umtreibt, so von mir zu denken. „Dancing Stars“ ist daher auch eine Chance, das Bild von mir etwas zurechtzurücken. Es geht dabei nicht um den ehemaligen Politiker, sondern um den Menschen, um das Bemühen. Tanzen ist etwas sehr Intimes, Authentisches. Da sind von der ersten bis zur letzten Sekunde Kameras dabei, die das festhalten. Viele werden mir hoffentlich die Daumen drücken, weil sie den richtigen Stefan kennenlernen wollen. Aber viele werden auch einschalten, weil sie endlich sehen wollen, wie es den frechen Hund auf die Pappen haut.

Wie groß wäre die Schmach, wenn Sie schon bei der dritten Sendung rausfliegen würden?
Ich trete mit dem Politiker-Malus an, obwohl ich seit mehr als fünf Jahren nicht mehr im Parlament sitze und auch keiner Partei mehr angehöre. Trotzdem werde ich noch immer als Politiker wahrgenommen und mit Haider assoziiert. Haider hat sehr polarisiert, deshalb polarisiere ich mit. Die Wahrscheinlichkeitsquote rauszufliegen ist bei mir sicher am höchsten. Ich bin sicher der Aufreger-Kandidat dieser Staffel. Ich sehe das auch ein bissel pragmatisch und sage: Für die Quoten wird es nicht das Schlechteste sein. Das wird auch der Hauptgrund gewesen sein, wieso der ORF mich engagiert hat. Aber freuen würde ich mich natürlich nicht, gleich rauszufliegen.

Wollen Sie insgeheim - ganz insgeheim - nicht gewinnen?
Daran denke ich wirklich nicht. Mein Ziel ist es, zumindest ein paar Runden weiterzukommen. Ich habe mir das von den Spitzensportlern abgeschaut. Immer auf den Moment fokussieren, von einem Rennen zum nächsten denken, und nicht an den Sieg im Gesamtweltcup.

Wenn Sie dieses Ziel nicht erreichen sollten, hätte es sich dann zumindest finanziell gelohnt?
Geschickte Frage! Wie gesagt, ich hatte noch nicht einmal den Vertrag unterschrieben, als es bekannt wurde. Geld war für mich überhaupt kein Motiv. Das ist ja alles auch sehr fordernd und anstrengend und kann mit Geld sowieso nicht aufgewogen werden.

Stichwort Jörg Haider. 2008 haben Sie seinen Tod als „Weltuntergang“ bezeichnet. Wie fühlt es sich heute an?
Anders. Ich bin mit 21 zu Haider gekommen. Ich habe für ihn das Studium abgebrochen. Er hat mir die Chance gegeben, meinen Kindheitstraum zu erfüllen. Ich wollte immer Politiker werden. (Am anderen Ende der Leitung zündet sich Stefan Petzner eine dieser langen, dünnen „Glamour“-Zigaretten an und nimmt einen tiefen Zug.) Jetzt könnte ich noch immer hadern und in Melancholie versinken. Mein Gott, was hätte noch alles werden können, wenn er nicht gestorben wäre? Ich sehe es aber umgekehrt. Ich bin ihm dankbar für alles, was ich erleben durfte.

Wem galten damals Ihre Tränen?
Dem Verlust. Ich wurde als junger Bua von einem Bergbauernhof wie eine Rakete in den Orbit geschossen. Haider hat mich zu dem gemacht, was ich bin. Da darf man doch weinen. Ganz Kärnten hat geplärrt, ich habe halt im Fernsehen geplärrt.

Sind die Tränen nicht eine Bürde?
Sie waren es viele Jahre. Ich habe wegen der Häme über diese Tränen lange gehadert. Weil daraus falsche Gerüchte abgeleitet wurden.

Welche Gerüchte denn?
Gerade die, die sonst gerne die Regenbogenfahne schwingen, haben meine ehrlichen Tränen zum Anlass genommen, um irgendwelche homoerotischen Anspielungen in unzähligen Artikeln zu machen. Damit wollten sie wahrscheinlich Haider posthum eins auswischen.

Wollen Sie damit sagen, dass die Gerüchte nicht stimmen?
Genau, sie stimmen nicht. Er war ein väterlicher Freund, er war ein Mentor, er hat mir geholfen, meinen Lebenstraum zu verwirklichen. Aber das hat man dann umgedreht.

In unserem Interview vor sechseinhalb Jahren haben Sie auf die Frage: „Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?“ geantwortet: „Ich möchte Kinder haben, ein Buch schreiben und ein Kaffeehaus besitzen.“ Daraus ist wohl nichts geworden?
Nummer zwei habe ich gleich doppelt erfüllt, ich habe sogar zwei Bücher geschrieben. Beim Kaffeehaus und bei den Kindern muss ich dazu schauen (lacht). Mein kleiner Neffe hat mich gestern gefragt, wann ich endlich heirate. Da habe ich gesagt: Das dauert noch.

Kein Partner in Sicht?
Ich bin überzeugter Single. Ich brauche die Freiheit.

Wenn Sie morgens in den Spiegel schauen, was sehen Sie da?
Ich schaue immer, ob schon Falten da sind. Ich bin sehr eitel. Ich habe ja heftig gelebt, nichts ausgelassen, alles probiert. Dafür bin ich eigentlich ganz zufrieden mit meinem Aussehen. Ich mache jetzt auch viel Sport, halte mich fit. Nicht nur für „Dancing Stars“.

Gehen Sie noch ins Solarium?
Nur noch ganz selten, ich bin richtig erblasst (lacht).

„Mister Burns“, wie Sie genannt wurden, ist Vergangenheit?
Die Soli-Bräune hat mir einmal sehr gefallen. Wenn ich heute Fotos von damals anschaue, denke ich mir: „Holy Shit! Da warst aber schön dunkel.“

Aber Sie rauchen noch.
Ich kämpfe dagegen an. Zu Haiders Zeiten habe ich bis zu drei Schachteln Marlboro am Tag geraucht. Jetzt ist es nicht mal eine am Tag, und das in Light. Ich will rechtzeitig vor dem Start von „Dancing Stars“ damit aufhören. Das will ich schaffen, und bis dahin wird sich schon Eine finden, die mit mir tanzt. Alleine werde ich sicher nicht tanzen, keine Sorge.

Ex-Politiker und Stehaufmännchen
Geboren am 17. Jänner 1981 in Laßnitz bei Murau in der Steiermark. Publizistik-Studium an der Uni Klagenfurt, seine (unvollendete) Diplomarbeit beschäftigt sich mit der Musik von Udo Jürgens. Er wird Haiders Wahlkampfmanager. 2006 wird Petzner Landesparteiobmann des BZÖ Kärnten, 2008 Generalsekretär und nach dem Tod von Jörg Haider 2008 neuer Parteichef. Bis 2013 sitzt Petzner im Nationalrat. Zuletzt wird er aus der Partei ausgeschlossen. Seit 2013 ist Petzner (Selbstbeschreibung: „Stehaufmännchen“) Politikberater und gehört keiner Partei mehr an. Seine Agentur stellt er während „Dancing Stars“ ruhend.

Conny Bischofberger, Kronen Zeitung

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