So, 20. Jänner 2019

Mädchenmord in OÖ

16.12.2018 06:00

Saber A. behauptet: „Michelle fiel mir ins Messer“

Am 8. Dezember starb eine 16-jährige Oberösterreicherin. In ihrem Kinderzimmer. Ihr afghanischer Freund soll sie ermordet haben. Das tragische Ende eines jahrelangen Beziehungsdramas. Aus dem das Mädchen nicht entkommen konnte. Weil ihm niemand dabei half. In Verhören behauptet Saber A. (17) mit ruhiger Stimme: „Michelles Tod war ein Unfall.“ Er sei danach „geschockt“ gewesen, habe die Leiche zugedeckt - „und daneben noch ein paar Stunden geschlafen.“

Am Abend des 8. Dezember bunkerten sich Michelle F. und Saber A. wieder einmal ein. Im Zimmer der 16-Jährigen, in der Wohnung ihrer Mutter, in Steyr. Die beiden Jugendlichen lagen im Bett. Sie hörten Musik, rauchten, tranken Alkohol. Sie küssten sich, machten Zukunftspläne.

Aber irgendwann begannen sie zu streiten. Michelle warf Saber vor, sie betrogen zu haben, er machte ihr Vorhaltungen wegen eines Burschen, mit dem sie angeblich geflirtet hätte. „Es war doch bloß ein tragischer Unfall“Der 17-Jährige steigerte sich immer mehr hinein, in seine Wut. Auf den Nebenbuhler, auf seine Freundin. „Du verhältst dich nicht, wie sich eine Frau zu verhalten hat“, schrie er.

Saber A. schlief neben Leiche Rausch aus
Ein tödlicher Messerstich, in Michelles Rücken. Der Afghane bedeckte die Leiche mit einer Tuchent, schlief seinen Rausch aus - und sprang dann aus dem Fenster im Erdgeschoss. Laut Rekonstruktion der Kripo muss die Tat gegen 23 Uhr geschehen sein - erst 24 Stunden später wurde das Opfer entdeckt, von seiner Mutter und einer Schwester.

Saber A. befand sich zu diesem Zeitpunkt längst in Wien, er war bei Landsleuten untergetaucht und dabei, sich einen gefälschten Pass zu beschaffen, doch er ahnte, dass ihm Verrat drohte - und stellte sich am 11. Dezember der Polizei. „Es war ein Unfall“, behauptet der 17-Jährige jetzt in Verhören, und dass er um Michelle „extrem trauern“ würde, „weil uns ja eine große Liebe verbunden hat.“

„Ich wollte Brot aufschneiden - sie fiel mir ins Messer“
Den Tathergang schildert er folgendermaßen: Während eines „harmlosen Eifersuchtsstreits“ seien er und das Mädchen in dem Zimmer umhergelaufen, „in betrunkenem Zustand, ich hielt ein Messer in der Hand, weil ich Brot aufschneiden wollte - und irgendwie ist es dann passiert, dass meine Freundin stolperte, und mit dem Rücken auf die Klinge fiel.“ Spuren am Tatort widerlegen diese Version. Gegen den Afghanen wurde ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet.

Video: Saber A. hortete Tabletten und Messer im Zimmer

Michelles traurige Lebensgeschichte
Eine „Liebe“, zerstörerisch für das Mädchen, immer schon. Doch das wollte und konnte es nicht begreifen, in seiner verzweifelten Suche nach Glück. Michelles Karten, sie standen von Beginn an nicht gut. Mit drei älteren Geschwistern wuchs sie in Steyr auf. Ohne Vater. Die Mutter hing an den Kindern, war aber mit ihrer Versorgung überfordert, wiederholt wurden sie deshalb vom Jugendamt in Heimen untergebracht. Wo Michelle als „Problemfall“ galt. Sie schaffte es nicht, sich an Regeln zu halten, verbrachte viel Zeit auf der Straße. Weil ihr Halt fehlte.

Und dann, sie war noch nicht einmal 14, lernte sie über Facebook Saber kennen. Er erzählte ihr per Chat über seine dramatische Flucht aus Afghanistan, von dem Krieg in seinem Land; von seinem traurigen Leben nun, in einer Wiener Asylunterkunft. Von seiner Sehnsucht nach den Eltern, von seiner Einsamkeit. Von seiner Hoffnung - auf Liebe. Schnell fühlte sich das Mädchen dem Burschen vertraut, berichtete ihm von seiner eigenen Tristesse. „Ich werde dir Geborgenheit geben“, versprach der Afghane der Oberösterreicherin.

„Er bedrohte sie immer wieder mit Mord“
Im Sommer 2016 kam es zu einem ersten Treffen der beiden, am Bahnhof von Steyr. Von da an galten sie als Paar. Unauffällig habe sich Saber zunächst verhalten, „er war ruhig, behandelte Michelle gut, es schien sogar, als würde er positiven Einfluss auf sie ausüben“, erinnern sich Freundinnen der Oberösterreicherin. Nach dem Schulabschluss begann sie eine Lehre in einem Supermarkt, sie sparte eisern, mit dem Ziel, für sich und ihren Freund eine Wohnung anmieten zu können: „Aber je mehr sie in die Beziehung hineinkippte, desto mehr begann Saber, sein wahres Gesicht zu zeigen.“ Bald verbat er ihr den Kontakt zu ihrer Clique, er löschte alle Telefonnummern - außer seiner - aus ihrem Handy. „Nach Dienstschluss schloss sie sich auf seinen Wunsch in ihrem Zimmer ein“, so Michelles Onkel: „Ständig sagte ich ihr, dass Saber gefährlich ist. Aber sie wollte nicht auf mich hören...“

Nicht einmal, nachdem der Bursch - am Heiligen Abend 2017, vor ihrer Familie - damit prahlte, in seiner Heimat bereits einen Mord begangen zu haben, und in der Folge auch seine Freundin mit dem Umbringen bedrohte, „einfach so.“ Noch schlimmer wurde das Verhalten des Afghanen mit seiner Übersiedelung nach Steyr, in ein Heim für minderjährige Flüchtlinge, im Mai 2018: „Von da an hatte Michelle überhaupt keine Freiheiten mehr.“ Doch sie fand nichts dabei, sich ihm unterzuordnen. Weil sie sein Besitzdenken für einen Liebesbeweis hielt.

Saber A. akzeptierte Trennung nicht
Und sie war unendlich enttäuscht, als sie im Oktober von einem Seitensprung ihres Freundes erfuhr. Michelle machte damals mit ihm Schluss. Er akzeptierte ihre Entscheidung nicht, passte sie in der Folge Dutzende Male ab, an ihrer Arbeitsstelle, vor ihrem Wohnhaus - und kündigte ihr den Tod an, im Falle eines endgültigen Aus.

Die 16-Jährige glaubte weiterhin nicht, dass der Afghane dazu fähig sein könnte, ihr Böses anzutun, interpretierte seine Drohungen wieder einmal als Beweis für seine Zuneigung. Und versöhnte sich mit ihm. An dem Wochenende, an dem sie starb, hätte sie sich mit ihm verloben wollen. In ihrem Kinderzimmer. „Wir alle, ihre Mutter, ihre Geschwister, ich“, schluchzt Michelles Onkel, „ahnten schon lange, dass die Beziehung mit Saber irgendwann tragisch enden würde, für Michelle. Doch wie hätten wir diese Tragödie verhindern sollen?“

Martin Prewein, Kronen Zeitung/krone.at

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