07.12.2018 12:50 |

Nach internen Querelen

Ümit Vural wird neuer Präsident der IGGÖ

Mit Ümit Vural (36) tritt ein Pragmatiker an die Spitze der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ). Der aus der Türkei stammende Kurde und Rechtsanwalt soll am Samstagabend zum Nachfolger von Präsident Ibrahim Olgun gewählt werden. Der derzeitige Vorsitzende des Schurarats vertritt nicht nur religiöse Interessen, sondern ist auch Mandatar in der Arbeiterkammer.

In der Öffentlichkeit ist Vural bis jetzt nicht groß in Erscheinung getreten. Unter den heimischen (organisierten) Muslimen hat er sich allerdings schon einen Namen gemacht. Der Schurarats-Vorsitzende war es nämlich, der IGGÖ-Präsident Olgun erklärt hat, dass es notwendig ist, die Vertrauensfrage zu stellen und den Weg für vorgezogene Neuwahlen zu öffnen. Vorangegangen waren Querelen in der IGGÖ wegen Moscheen-Schließungen durch die Regierung.

Mit sechs Jahren nach Österreich gekommen
Vertraute bezeichnen Vural als ruhigen Juristen und pragmatische, zurückhaltende Person. So habe er sich aus Machtkämpfen in der IGGÖ herausgehalten und sei schließlich gebeten worden, die Aufgabe als Präsident zu übernehmen. Vural steht - wie auch Olguns schärfster Kritiker, Vizepräsident Abdi Tasdögen - der Islamischen Föderation nahe, die zur türkisch-nationalistischen Bewegung Milli Görüs gezählt wird.

1982 in Yozgat in Zentralanatolien geboren, stammt Vural aus jener Gegend, aus der die meisten Auswanderer aus der Türkei kommen. Als ältestes von vier Geschwistern kam er 1988 mit sechs Jahren nach Österreich. Vural gilt als typisches Gastarbeiterkind, sein Vater arbeitete als Maurer. Er studierte Rechtswissenschaft und engagierte sich sehr bald als Jugendvertreter in seiner Moschee im Wiener Bezirk Rudolfsheim-Fünfhaus, wo er bis heute wohnt.

Seit 2009 Kammerrat bei der AK
Vural ist bekannt für sein soziales Engagement und kandidierte mit einer eigenen Liste „Perspektive“ bei der Arbeiterkammer-Wahl 2009, wo er drei Mandate erreichte, die er 2014 auf vier ausbauen konnte. Er setzte sich vor allem gegen Diskriminierung und für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt ein und ist nach wie vor - wie einer seiner Brüder - als Kammerrat aktiv.

Auch religiöses Engagement legte Vural an den Tag. So organisierte und moderierte er 2006 eine Großveranstaltung aller namhaften türkisch-islamischen Verbände anlässlich des Geburtstages des Propheten Mohammad in der Wiener Stadthalle mit 12.000 Teilnehmern. Als Jurist versuchte er, das fast fertige und viel kritisierte neue Islamgesetz zu ändern. Er verfasste auch die neue Verfassung der IGGÖ und wurde Präsident des Schurarats, dem Parlament der Glaubensgemeinschaft.

Bis 2001 in Kampfmannschaft des FavAC aktiv
Vural ist verheiratet und hat drei Kinder. Er spricht Deutsch, Türkisch, Englisch, Kurdisch und ein wenig Arabisch. Neben türkischer Küche bevorzugt er „Halal Wiener Schnitzel“ und Apfelstrudel. Im Gegensatz zur seinem Vor-Vorgänger als IGGÖ-Präsident, Fuat Sanac, der Boxer war, spielte Vural bis 2001 Fußball beim Favoritner AC und schaffte es in die Kampfmannschaft. Heute ist er glühender Rapid-Fan und betont, dass seine Religion trotzdem der Islam geblieben ist.

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