So, 16. Dezember 2018

2020 in Klagenfurt

07.12.2018 09:00

Andrea Bocelli: Mit der Liebe seiner Familie

Andrea Bocelli gehört zu den größten Musikern der Welt und hat mit „Si“ unlängst das erste Studioalbum mit komplett neuen Songs seit 14 Jahren veröffentlicht. Damit und mit all seinen großen Liedern kommt der 60-Jährige 2020 für einen Österreich-Auftritt ins Klagenfurter Wörthersee-Stadion. In seiner Villa im toskanischen Forte dei Marmi empfing uns der Tenor für ein Gespräch über Familie, Liebe und Musik.

Er verkaufte mehr als 80 Millionen Alben, sang für das britische Königshaus und US-Präsidenten, nach ihm wurde ein Stück der Adriaküste und ein Asteroid benannt und in den opulenten Zimmern seiner Villa im toskanischen Forte dei Marmi hängen Dankesschreiben von Papst Franziskus und Barack Obama. Der italienische Star-Tenor Andrea Bocelli gehört nicht nur zu den größten Stars der Klassik, sondern auch zu den prägendsten Persönlichkeiten der gesamten Musikwelt. Seit gut 25 Jahren berührt er die Menschen mit seinem herausragenden Bariton und lässt sie durch ein Wellental der Emotionen schreiten. Das legendäre, mit Sarah Brightman gesungene „Time To Say Goodbye“ gilt vielen Menschen als traurigster Song der Geschichte. Doch gerade wegen all dieser Superlative war es dem mittlerweile 60-Jährigen wichtig, wieder zu seinen Wurzeln zurückzukehren.

Duett mit dem Sohn
Das hat er diesen Herbst mit seinem Studioalbum „Si“ vollzogen. Es ist das erste Bocelli-Album mit völlig neuen Songs seit 14 Jahren und bescherte dem Tenor neue Bestleistungen. So erreicht er damit erstmals die Nummer-eins-Position in den britischen als auch in den amerikanischen Charts und konnte sich ein weiteres Mal selbst ein Denkmal setzen. Das von Pink-Floyd-Intimus Bob Ezrin produzierte Werk beinhaltet Gastauftritte von Superstars wie Ed Sheeran, Dua Lipa und Josh Groban, doch der absolute Höhepunkt ist die Nummer „Fall On Me“, ein Duett mit seinem Sohn Matteo. „Es gibt ähnlich Elemente, aber unsere Stimmen klingen auch sehr anders“, erzählt der Künstler, „mein Sohn hat eine Stimme, die sich meiner in den zentralen Tonlagen ähnelt, in anderen Bereichen unterscheiden wir uns aber stark. Was uns eint, ist die Attitüde. So etwas kannst du aber nicht erlernen, damit bist du schon geboren.“

Der familiäre Aspekt war Bocelli nicht nur aufgrund dieses einträglichen Songs wichtig, seiner Ehefrau Veronica Berti huldigt er auf dem eindringlichen „Vivo“. „Der Song hat mich anfangs wirklich bewegt. Geschrieben hat ihn Riccardo Del Turco, aber als ich ihn das erste Mal hörte, wusste ich sofort, dass es sich darin um die Person handelt, die mit mir lebt, schon Jahre mit mir gelebt hat und mit mir eine Geschichte voller Passion und Freundschaft teilt. Der Autor kennt also meine Geschichte und die Geschichte von uns beiden. Riccardo hat wirklich seine ganze Seele in das Lied gelegt und das Resultat daraus ist eine Nummer, die sehr authentisch das Gefühl von Liebe besingt.“ Die Familie ist Bocellis höchstes Gut. Sie ist Kraftquelle, Inspiration und Motivation zugleich und der Tenor scheut nicht, sich offen und stolz dazu zu bekennen.

Familienbande
Mit jungen Menschen zu arbeiten, scheint auch Bocelli fit zu halten, wie er der „Krone“ im Interview erzählt. „Da wir alle unter einem Dach leben höre ich natürlich Musik meiner Söhne, von der ich am liebsten nichts mitkriegen würde. Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen faul bin, wenn es um das Entdecken von neuer Musik geht. Andererseits sind sie mit meiner Musik, Oper und Klassik, von klein auf aufgewachsen. Es ist also nur fair von mir, wenn ich zumindest versuche, ihre Musik zu verstehen.“ Doch nicht nur der 21-jährige Matteo nimmt einen zentralen Teil auf dem Album ein, der zwei Jahre ältere Amos war schlussendlich für den Albumtitel „Si“ verantwortlich. „Es ist das Wort, das jeder von uns gerne hören möchte, wenn er einen Kuss, eine Umarmung oder eine Vergebung erbittet“.

„Si“ zum Leben und seinen Chancen sagen, „Si“ aber auch, um in vermeintlich dunklen Zeiten Positives auszustrahlen. Von der Theorie, dass die Welt ein schrecklicher Ort wäre, hält Bocelli aber nicht viel. „Ich muss dann immer schmunzeln, wenn das Leute behaupten. Lest Bücher und informiert euch über die Geschichte - dann werdet ihr sehen, dass die Welt heute so gut dasteht wie nie zuvor. Vor 500 Jahren haben sich die Menschen hier in der Toskana mit Waffen von Uhrturm zu Uhrturm bekämpft. Natürlich haben wir auf der Welt viele Probleme und es gibt zu viele Menschen, die wenig Interesse daran zeigen, diese Probleme zu lösen, aber im Großen und Ganzen wird diese Welt von Tag zu Tag ein besserer Ort.“ Musik ist für den 60-Jährigen das wichtigste Mittel gegen Krieg, Leid und Hass. „Wenn Menschen von der Macht der Musik ummantelt werden, dann verlieren sie ihre Aggression und die Lust am Kämpfen. Je weniger Kriege wir auf dieser Welt wollen, umso mehr müssen wir die Musik fördern und ihr vertrauen.“

Bocelli und Sheeran
Für Bocelli zählen in der Zusammenarbeit mit anderen Künstlern keine Alterszahlen oder Namen, sondern nur Sound, Persönlichkeit und Elan. Deshalb schwärmt er u.a. auch von der Zusammenarbeit mit Ed Sheeran. „Meine Söhne sind riesengroße Fans von ihm und da er so ehrlich und authentisch ist, hat er auch so viel Erfolg.“ Sheerans größte Leistung sei aber gewesen, dem Ego von Bocelli Einhalt zu gebieten. „Er hat wirklich hart dafür gekämpft, dass ich unseren gemeinsamen Song so singe, wie er es für richtig hielt. Am Ende habe ich das akzeptiert. Ich wollte nicht den alten Tenor geben, aber Ed schon - gratuliere, du hast es geschafft.“

Nach einer so langen und erfolgreichen Karriere ist es auch für Bocelli nicht immer leicht, sich für weitere Meisterleistungen motivieren zu können. „Manchmal ist es schwierig den Enthusiasmus früherer Tage heraufbeschwören zu können, das will ich nicht leugnen. Ich muss aber Gott dafür danken, dass die Musik so kraftvoll ist, keinen Sonnenuntergang und kein Tagesende kennt. Sie trägt mich immer weiter und wird mich niemals alleine lassen.“ Bocelli ist ein Getriebener seiner selbst. Ein Perfektionist, der bewusst nach Perfektion sucht, obwohl er schon im Vorfeld weiß, dass es sie so nicht gibt. „Ich bin meilenweit davon entfernt und weiß das auch. Dennoch liebe ich es, nach ihr zu suchen. Wenn du es nicht wenigstens versuchst, wirst du nie erfahren, wie sie aussehen könnte.“

Live in Klagenfurt
Andrea Bocelli kommt mit diesen Songs und allen großen Hits 2020 (!) wieder nach Österreich. Am 12. September wird er ein exklusives Konzert im Wörthersee-Stadion in Klagenfurt spielen. Karten gibt es ab sofort unter www.oeticket.com. Ermäßigungen für „Krone BonusCard-Besitzer“ unter www.kronebonuscard.at.

Robert Fröwein
Robert Fröwein

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