19.11.2018 06:14 |

Meister geben Tipps

Tiroler Schnapsbrenner in der Champions League

4000 Schnapsbrenner gibt es in Tirol. Am Donnerstag werden die Besten der Besten bei der Tiroler Schnapsprämierung ausgezeichnet. Der Kreis der absoluten Elite ist überschaubar und erlaucht. Destillieren ist eine hohe Kunst! Petra und Erwin Hupfauf aus Volders beherrschen sie. Die „Tiroler Krone“ besuchte sie an einem Tag, an dem ihr Brennkessel zwölf Stunden im Einsatz stand.

Es ist 7 Uhr Früh. Von jetzt an wird am Weindlerhof in Volders zwölf Stunden lang Obst in Hochprozentiges verwandelt. Die Brennrechte bestimmen Menge und Verarbeitungszeiten. Sie sind streng geregelt, gehen bis in die Zeit von Maria Theresia zurück. Von damals stammt auch das große Brennrecht (erlaubt sind 300 Liter reiner Alkohol), das am Weindlerhof greift. Heute darf destilliert werden und Erwin Hupfauf lässt die Temperaturanzeige am Kessel nicht aus den Augen. Er legt Holz nach und beobachtet die klare Flüssigkeit, die langsam und geschmeidig in den Kübel rinnt.

Ein guter Schnaps beginnt beim Schneiden der Bäume
„Riach! Der Vorlauf. Der hat im Schnaps nichts verloren“, reicht Erwin die Probe weiter. Auch als Laie erkennt man, dass dieser Geruch nichts mit vollendetem Fruchtaroma zu tun hat. „Ein guter Schnaps beginnt schon beim Schneiden der Bäume“, holt Erwin aus und jedem Zuhörer ist klar: das wird eine längere Geschichte. Eine spannende Geschichte, an deren Anfang 7000 Obstbäume stehen, die Erwin jedes Jahr schneidet, damit die Früchte genug Licht fangen können. Nur so bilden sie den vollen Geschmack aus, der dann beim Brennen wie das Licht eingefangen werden muss.

Die Kunst besteht darin, das Aroma einzufangen
„Destillieren bedeutet, so viel Fruchtaroma wie möglich erhalten. Fehlt dem Obst Aroma, lässt sich das beim Brennen nicht korrigieren“, verkündet Petra ein Geheimnis, das eigentlich keines ist und doch nicht von jedem Schnapsbrenner entdeckt wird. Aufs Einfangen von Aromen verstehen sich die Hupfaufs bestens. Unzählige Medaillen hängen in ihrem Brennraum. Auszeichnungen von diversen nationalen und internationalen Schnapsverkostungen. Auch bei der Tiroler Schnapsprämierung - die am Donnerstag zum 24. Mal stattfindet  - haben die Hupfaufs immer wieder abgeräumt. Der Landessieg, der fehlt ihnen noch. Aber die höchste Auszeichnung vergeben sowieso die Kunden, die bei den Verkostungen am Hof um den großen Holztisch sitzen und vor Begeisterung um Worte ringen. „Wenn andere Leute schätzen, was wir lieben - was gibt es Schöneres?“, stellt Erwin die entscheidende Frage.

Sortenreine Brände
Die Hupfaufs haben ab 1992 auf sortenreine Obstbrände umgestellt. Die Obstler-Kunden mussten erst überzeugt werden. Heute umfasst das Angebot am Weindlerhof zwölf Sorten. Neben den Klassikern Apfel und Birne kommen Pfirsich, Beeren, Trauben und andere Spezialitäten in den Brennkessel. Den hat Petra als Mitgift von ihrem Vater bekommen. Als eine der Besonderheiten erwähnt Erwin den tiefgründigen und 50-prozentigen Zigarrenbrand, dessen Aroma auch in Begleitung von Rauchwaren voll zum Ausdruck kommt.

Nach zwölf Stunden erlischt das Feuer im Brennkessel des Weindlerhofes. Jede Minute war den Hupfaufs kostbar. So kostbar wie das Destillat, das wie flüssiges Kristall in der Flasche glitzert. 

Claudia Thurner
Claudia Thurner
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