So, 18. November 2018

Tragödie endet tödlich

05.11.2018 17:49

Kollaps vor Spital - aber Arzt darf nicht helfen

Ein Mann erleidet direkt vor einem Wiener Krankenhaus einen Herzinfarkt, eine Passantin bittet im Spital um Hilfe - und bekommt zunächst eine Absage. Grund: Diensthabende Ärzte dürfen ihre Arbeitsstätte nicht verlassen. Auch nicht für einen Notfall. Der Mann wurde daher in ein anderes Krankenhaus gebracht - für ihn gab es jedoch keine Rettung mehr. Der Vorfall sorgt für heftige Diskussionen.

Am vergangenen Freitag bemerkte eine Passantin gegenüber dem Spital Göttlicher Heiland in Hernals, dass ein Mann bewusstlos in einem geparkten Auto lag. Die Frau reagierte geistesgegenwärtig und schlug sofort beim Krankenhaus-Portier Alarm.

Was dann passierte, sorgt bei vielen für heftiges Kopfschütteln: So riet der Portier der Hilfesuchenden, erst einmal selbst die Rettung zu rufen, von den diensthabenden Ärzten dürfe nämlich keiner das Spital verlassen - auch nicht, wenn unmittelbar davor ein Mensch um sein Leben kämpft. Laut der Passantin, die den Vorfall später in den sozialen Medien verbreitete, seien so wertvolle Minuten verstrichen. Es sei zwar dann doch noch ein Arzt zu dem Bewusstlosen geeilt, dieser wurde zur weiteren Behandlung aber ins Wilhelminenspital gebracht, wo er verstarb.

„Haben nach aktuellem Stand richtig gehandelt“
Das Entsetzen über den Vorfall ist in den sozialen Netzwerken groß, der allgemeine Tenor lautet: „Dieser Vorfall ist unfassbar!“ Viele sprechen sogar von unterlassener Hilfeleistung. Das betroffene Spital Göttlicher Heiland zeigte sich am Montag in einer Stellungnahme verständnisvoll: „Es ist nachvollziehbar, dass das tragische Ereignis in unmittelbarer Nähe unseres Krankenhauses viele beschäftigt und Diskussionen auslöst.“ Aber: „Uns ist es sehr wichtig, den Ablauf dieses Vorfalls genau zu analysieren und zu evaluieren, auch wenn wir nach aktuellem Stand richtig gehandelt haben.“

So dürfe der Portier keinesfalls das Spital verlassen. Er habe daher die Passantin ersucht, die Rettung zu rufen, und währenddessen selbst „unverzüglich einen diensthabenden Arzt im Haus verständigt“.

Schwierige Entscheidung für Arzt
Dieser Arzt wiederum habe entschieden, gemeinsam mit einer Kollegin das Spital zu verlassen und erste Hilfe zu leisten. Dies sei keine leichte Entscheidung gewesen, so das Krankenhaus: „Der betroffene Arzt ist für mehr als 100 kranke, teils schwer kranke Patienten im Haus verantwortlich. Prinzipiell sind im Krankenhaus tätige Ärzte für die Versorgung der Patientinnen und Patienten im Krankenhaus zuständig. Aus den Bestimmungen des Wiener Krankenanstaltengesetzes ergibt sich, dass diensthabende Ärzte das Krankenhaus nicht verlassen dürfen, um die Patienten im Haus nicht zu gefährden, denn es kann auch jederzeit ein Akutfall im Haus eintreten. Ungeachtet dessen hat sich der diensthabende Oberarzt nach Abschätzung des Risikos im Haus entschieden, umgehend Erste Hilfe zu leisten.“

Da das Göttliche Heiland zudem über keine Notfallaufnahme verfüge, sei der Patient ins Wilhelminenspital gebracht worden. „Wir sind sehr betroffen, dass der Patient verstorben ist und möchten den Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aussprechen“, heißt es in der Stellungnahme.

Charlotte Sequard-Base
Charlotte Sequard-Base

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