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04.10.2018 13:47

BMW Z4: So macht er viele froh - aber nicht jeden

Bevor wir den neuen BMW Z4 Ende des Monats erstmals fahren können, hat sich auf dem Pariser Autosalon schon mal die Gelegenheit für einen Erstkontakt samt Probe-Sitzen und Anfassen ergeben. Wichtig: auch der erste Blick in die Augen des ersehnten Roadsters. Doch schon an dieser Stelle scheiden sich die Geister.

Daran, dass es sich hier um BMW handelt, kann kein Zweifel aufkommen, dazu sind die BMW-Nieren zu ausgeprägt. Das machen die Münchner nicht, um von der Tatsache abzulenken, dass der Wagen gemeinsam mit Toyota entwickelt wurde, sondern weil sie das gerade bei allen neuen Modellen machen. Man schaue sich nur mal den BMW X5 an.

Doch die Front hat bei der Übertragung vom begehrenswerten Concept Car auf das Serienmodell drastisch an Faszination verloren. Die Motorhaube reicht nicht mehr in die Nieren hinein, sondern endet weit vorher in einer schnöden Kante, die zwischen den Scheinwerfern verläuft und auch diesen optisch nicht guttut. Bei der Studie hingen sie noch wie Tropfen an einem Spalt, der Richtung Nieren wies.

Abgesehen davon waren die Leuchten schärfer geformt. Jetzt sind sie rundlicher, auch wenn sie die grundsätzliche Form behalten haben (LED serienmäßig, Matrix Option). Irritierend ist die schwarze Umrandung, die wie geschminkt wirkt, oder wie eine Augenmaske, wie sie „Phantomias“ trägt, also Donald Duck in seiner Rächer-Rolle, in die er manchmal schlüpft. Manch einer fühlt sich von der Front auch an den Fiat 124 Spider erinnert, ein Eindruck, der atmosphärisch nicht von der Hand zu weisen ist.

Das Heck ist die Schokoladenseite
Hinten braucht der Z4 keine Marken-Insignien, um seine Eigenständigkeit zu zeigen. Die Heckleuchten sind die gelungensten seit Langem (wir befinden uns in Zeiten, da auch ein X4 auf den Markt kommt) und die in den Kofferraumdeckel integrierte Abrisslippe erinnert zwar entfernt an das hässlichste 6er-Coupé, das BMW jemals gebaut hat, ist aber trotzdem sehr harmonisch und absolut gelungen.

In den Heckstoßfänger sind stilisierte Luftauslässe integriert, die allerdings durch Rückstrahler und Fake-Luftgitter verschlossen sind. Unter der Klappe bringt man bis zu 281 Liter Gepäck unter, was durchaus beachtlich ist und auch durch das Verdeck nicht eingeschränkt wird (wie das beim Vorgänger noch der Fall war). Apropos: Das Verdeck besteht aus Stoff, wird elektrisch betätigt und lässt sich bis 50 km/h innerhalb von zehn Sekunden öffnen oder schließen.

Die Seitenansicht ist in der Proportion gelungen. Der Radstand beträgt 2,47 Meter, was dem des Porsche 718 entspricht. Zum Vergleich: Der Mazda MX-5 (und damit der Fiat 124 Spider) hat 2,31 Meter, der Jaguar F-Type 2,62 Meter. Letzterer ist aber auch 4,48 Meter lang und damit 16 Zentimeter länger als der Z4, der auf 4,32 Meter kommt (Mazda: 3,91 Meter).

Beim Einsteigen merkt man schon, wie leicht die Türen sind. BMW hat sehr auf Leichtbau geachtet (z.B. Kotflügel und Heckdeckel aus Kunststoff), weil der Z4 deutlich sportlichere Eigenschaften mitbringen soll. Dazu muss er gleichermaßen leicht wie steif sein, obwohl der Verzicht auf ein festes Dach dem entgegensteht. In seiner leichtesten Version (mit Vierzylinder) bringt er nun ohne Fahrer 1405 kg auf die Waage (Mazda rund eine Tonne, Jaguar 1,5 Tonnen). Die Gewichtsverteilung gibt BMW mit idealen 50:50 an.

Alles neu im Innenraum
Das Platzangebot im Innenraum ist durchaus großzügig, nichts zwickt, auch groß gewachsene Fahrer finden die ideale Sitzposition hinter dem weit verstellbaren Volant. Wer den Sitz in die tiefste Position fährt (sportlich orientierte Fahrer machen das, um einen tieferen Schwerpunkt zu erreichen), findet sich recht tief unter der Türkante wieder. Keine gute Position, um den Ellbogen rauszuhängen. Wem der Schwerpunkt nicht so wichtig ist, der fährt den Sitz nach oben und fühlt sich luftiger.

Das Cockpit ist immer digital und wie bei X5 und 8er-BMW gestaltet, d.h. der Drehzahlmesser ist gegenläufig. Schade, die runden Uhren waren bei BMW immer besonders klar und gut ablesbar. Das ebenfalls 10,25 Zoll große zentrale Display in der Mittelkonsole ist durch eine Spange vom Kombiinstrument getrennt und komplettiert das „BMW Operating System 7.0“, vormals iDrive. Es gibt weiterhin den bekannten Controller, die Bedienung ist aber mehr auf Touch ausgelegt als bisher. Man kann erstmals in einem Roadster sogar ein Head-up-Display mitbestellen.

Die Materialien im Fahrzeuginneren fühlen sich gut an, auch wenn die Tasten unter den Lüftungsausströmern durchgehend etwas billig wirken. Aber das ist auch im 8er so, der mehr als das Dreifache kostet. Lederausstattung ist ab 30i serienmäßig, beim M40i Leder/Alcantara.

Drei Motoren zur Wahl
Ein manuelles Schaltgetriebe wird nicht angeboten, das Achtgang-Steptronic-Sportgetriebe ist unabhängig vom Motor obligatorisch. BMW bietet für den Z4 drei Benzinmotoren, alle mit Partikelfilter und Euro-6d-temp-Klassifizierung an. Die Basis bildet der Zweiliter-Vierzylinder, der im BMW Z4 sDrive20i eine Maximalleistung von 197 PS liefert. Im 30i kommt er auf 258 PS.

Topmodell ist der M40i, der einen 340 PS starken Dreiliter-Sechszylinder mit einem maximalen Drehmoment von 500 Nm (ab 1600/min.) unter der Haube hat. Er soll den 100er-Sprint in 4,6 Sekunden absolvieren. Top bezieht sich auch auf die Ausstattung, M Sportbremsanlage, Adaptives Sportfahrwerk, M Sportdifferenzial und High-Performance-Reifen sind serienmäßig.

Top-Assistenzangebot
Was man nicht sieht, ist die Armada an Assistenzsystemen, die für den Z4 verfügbar sind, wenn man sie sich leisten will: aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion, Verkehrszeichenerkennung, Abstandsinformation, Spurwechsel-, Heckkollisions- und Querverkehrswarnung, Active Park Distance Control, Rückfahrkamera, Parkassistent mit automatisierter Längs- und Querführung beim Ein- und Ausparken sowie Rückfahrassistent. Serie sind Auffahr- und Personenwarnung mit City-Bremsfunktion sowie Spurverlassenswarnung.

Gebaut wird der BMW Z4 bei Magna in Graz. Markteinführung im März 2019 zu Preisen ab 45.500 Euro. Wer auf den M40i spitzt, sollte bis dahin 70.000 Euro auf der hohen Kante haben. Zuzüglich Sonderausstattung.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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