Mo, 10. Dezember 2018

Legende ins Gelände

28.09.2018 13:32

BMW X5: Der neue zeigt den Finger Richtung England

Lichthupe und Mittelfinger sind zwei Kommunikationsinstrumente, die man BMW-Fahrern gerne zuschreibt. Das kann man sogar in die brandneue vierte Generation des BMW X5 hineininterpretieren. Auf der Straße bleibt er seinem dynamischen Ruf treu, zusätzlich tummelt er sich jetzt erklärtermaßen auch gerne im mittelschweren Gelände. Man sieht es ihm nicht an, aber der neue X5 ist ein Blech gewordener Mittelfinger, den BMW Richtung Land Rover zeigt.

Vor fast 20 Jahren hat BMW das Dynamik-orientierte SUV salonfähig gemacht, SAV nennen sie das Segment seither in München: Sports Activity Vehicle. Wo Gelände war, haben sie bisher lieber die Ortsumfahrung genommen und den Weg mittenrein kampflos den ehemaligen Kollegen von Land Rover überlassen. Vorbei.

Erstmals gibt es ein richtiges Offroad-Paket plus weiteren passenden Optionen für den X5. Dazu gehören ein echter, stabiler Unterfahrschutz, Luftfederung mit mehr als 25 cm Bodenfreiheit (plus drei, wenn man sich festgefahren hat), ein geregeltes Hinterachs-Sperrdifferenzial, Offroadanzeigen oder auch vier Gelände-Fahrmodi für Sand, Fels, Schotter oder Schnee. Bei der Präsentation in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia sind wir damit beachtlich weit gekommen.

Auf jeden Fall weiter, als das Auge reichte. Ohne das optionale Kamerapaket (blickt unter anderem nach vorn und zeigt auch das Fahrzeug von oben) wären wir verratzt gewesen. Pikanterweise haben die BMW-Leute die Land-Rover-Wegweiser von der letzten Veranstaltung im Gelände stehen lassen, wie wenn sie uns sagen wollten: Schaut her, der Münchner schafft das gleiche Gelände wie die Kraxler von der Insel!

Wir wollen nicht blasphemisch werden, ganz stimmt das natürlich nicht. 50 cm mögliche Wasserdurchfahrtstiefe beim X5 stehen 85 cm bzw. einem Meter beim Range Rover/Sport gegenüber, auch die diversen geländerelevanten Karosseriewinkel sind bei den Briten etwas bzw. viel besser. Aber Hut ab und Gamsbart gepflegt, der X5 hat uns überrascht. Nebenbei bemerkt: Mit 21,4 cm ist die Bodenfreiheit mit Stahlfahrwerk exakt gleich wie bei den beiden Range Rovern.

Eine Gewalt auf Asphalt
Was die Briten dem Bayern im Gelände voraushaben, das hängt er sie auf der Straße locker ab. Nicht zuletzt wegen der serienmäßigen sogenannten Dynamischen Dämpfer Control mit elektronisch gesteuerten Dämpfern. Trotz mindestens 2060 kg Leergewicht (ohne Fahrer) ist er nie schwerfällig, immer dynamisch. Erst recht, wenn man die M-Sport-Version mit geregeltem Hinterachssperrdifferenzial bestellt. Und dazu: Allradlenkung und das Adaptive M-Fahrwerk mit aktiver Wankstabilisierung. Da stemmen sich Elektromotoren gegen die Physik und der Kopf fragt sich: Häh? Ein Fast-fünf-Meter-SUV?

Schon der erste X5 von 1999 war erstaunlich agil, die Lenkung schon damals ein Genuss und für ein SUV geradezu unfassbar. Was wirklich erstaunlich ist: Das Gewicht des neuen X5 liegt in etwa auf dem Niveau der ersten Generation, die deutlich kleiner war, ebenso auf dem des Vorgängers.

Heute misst der BMW X5 4,92 Meter in der Länge (plus 36 Zentimeter zum Vorgänger) und liegt damit zwischen Range Rover und Range Rover Sport. Mit zwei Metern ist er aber sieben Zentimeter schmäler, mit 2,97 Metern Radstand übertrifft er beide um 5 cm. Optional gibt es sogar sieben Sitze, oder sagen wir: fünf plus zwei.

Drei Motoren zur Wahl - der dicke kommt später
In Europa bietet BMW vorläufig nur Dreiliter-Sechszylindermotoren an. Ganz oben rangiert der M50d, also der Diesel mit vier Turboladern und 400 PS; ab 2000 Touren liefert der 760 Nm; schon ab 1000 Umdrehungen sind es 450. Dementsprechend mächtig kommt er zur Sache. Bis 100 sind es 5,2 Sekunden bzw. 6,8 Liter, wobei das eine im Alltag leichter zu erreichen sein wird als das andere.

Der andere Diesel heißt 30d und liefert 265 PS und 620 Nm ab 2000/min., ist also auch nicht untermotorisiert (6,5 Sekunden, 230 km/h, 6,0 Liter). Der vorerst einzige Benziner heißt 40i und passt auch sehr gut zu dem Wagen. Mit seinen 340 PS und 450 Nm (ab 1500/min.) ist man souveränst unterwegs, er tritt kräftig an, pfeilt in 5,5 Sekunden auf 100 und rennt 243 km/h. Der Normverbrauch von 8,5 l/200 km dürfte allerdings noch theoretischer sein als bei den Dieseln.

Auch einen neuen V8-Benziner mit 462 PS hat BMW vorgestellt, diesen 50i verkaufen sie aber nur in China und den USA. Die Enttäuschung bei den europäischen Journalisten war dementsprechend groß, aber: Hinter vorgehaltener Hand wurde bereits ein V8 mit 530 PS versprochen. Der muss seine Premierenfahrt aber im neuen 8er-BMW absolvieren, bevor er in den X5 wandert.

Alle haben übrigens Allradantrieb und eine ganz hervorragende Achtgangautomatik und erfüllen die Abgasnorm Euro 6d temp. Nächstes Jahr sollen zwei weitere Diesel folgen, der heckangetriebene sDrive 25d und der xDrive 40d.

Hybrid mit guter Reichweite
Im Lauf des Jahres 2019 kommt der neue Plug-in-Hybrid namens 45e iPerformance mit einer Systemleistung von 394 PS und einem System-Drehmoment von 600 Nm. Allein mit dem 112-PS-Elektromotor soll er 80 Kilometer Reichweite schaffen. Und ein Höchsttempo von 140 km/h. Der Benzintank ist mit 69 Litern zwar nicht exorbitant groß, aber immerhin nicht so winzig wie im 7er-Hybrid.

Neues Bedienkonzept
Im neuen BMW gibt es keine analogen Instrumente mehr, zwei 12,3“ große Displays formieren das sogenannte BMW Live Cockpit Professional, optional ergänzt durch das auf 7 mal 3,5 Zoll gewachsene Head-up-Display. Das klassische, bis zur Perfektion weiterentwickelte Bediensystem iDrive hat ausgedient, auch wenn es weiterhin den Controller gibt. Mehr als bisher in BMW-Modellen ist das System auf die Touch-Bedienung ausgelegt. Zusätzlich gibt es natürlich Sprachsteuerung und wer gerne mit der Hand in der Luft herumfuchtelt, kann sein Glück mit ein paar Gesten versuchen, die der X5 verstehen soll.

Ausstattung für die russische Oligarchengattin
Der neue BMW X5 zieht wirklich an allen Orgeln sämtliche Register. Außer im Schlamm und auf schnöden Straßen fühlt er sich jetzt auch auf den Boulevards besonders wohl, auf denen Geld abgeschafft ist, denn neuerdings kann man das B in BMW auch mit Bling-Bling übersetzen. Es gibt jetzt „Glasapplikationen“ im Innenraum, also z.B. am Automatik-Wählhebel, am Controller oder auch am Lautstärkeregler. Oder wie wäre es mit 15.000 LED-Leuchtpunkten am riesigen Panorama-Glasdach? Keine Angst, ist alles nicht serienmäßig.

Aber wir wollen uns dem Luxus ja gar nicht verschließen. Der Komfortzugang ist eine feine Sache, damit öffnet und schließt sich die zweigeteilte Heckklappe berührungslos elektrisch. Man braucht nicht einmal einen Schlüssel, wenn man ein NFC-fähiges Handy hat. Auch Thermo-Cupholder, die Getränke kalt- oder warmhalten, sind sinnvoll. Oder Vierzonen-Klimaanlage.

Der coolste Kofferraum der Welt
Der Kofferraum des BMW X5 ist eines der Highlights des Autos. Ja, klar, er ist 845 Liter groß und lässt sich auf 1860 Liter erweitern (FC-Bayern-Fans müssen da jetzt stark sein), aber das ist noch nicht der Clou. Auch nicht, dass sich die Rücksitzlehnen vom Heck aus fernentriegeln lassen. Erst recht nicht, dass die Ladefläche mit flachgelegten Lehnen nicht ganz eben ist. Nein, der Hammer sind zwei völlig neuartige Features. Zum einen das komplett versenkbare Abdeckrollo, das elektrisch im Boden verschwindet:

Das sollte man auch mitbestellen, denn das klassische Rollo soll man zwar auch unter dem Boden verstauen können, bei der Präsentation in Atlanta haben das allerdings drei BMW-Leute, unter ihnen zwei Ingenieure, zehn Minuten lang vergeblich versucht.

Clou Nummer zwei sind Gummileisten am Kofferraumboden, die zunächst hauchzart versenkt sind, sich aber während der Fahrt (oder beim Parken an einer Steigung) aufpumpen, sodass das Gepäck nicht verrutscht. Steht das Auto einigermaßen eben, kann man das Gepäck problemlos im Laderaum verschieben.

Weitere Aufrüstung mit Assistenten
Premiere hat ein neuartiger Parkassistent, der sich 80 Meter Vorwärts-Weg merken kann, um ihn später (oder auch am nächsten Tag) exakt rückwärts zurückzufahren.

Tempomat und City-Notbremse sind serienmäßig, der optionale Radartempomat, dessen Abstandsregelfunktion - wie bei BMW üblich - abschaltbar ist, beherrscht nun Stop-and-go mit bis zu 30 Sekunden Stillstand. Der teilautonome Assistent ist der bei BMW bisher am weitesten entwickelte und kann selbsttätig die Spur wechseln, wenn der Fahrer den Blinker setzt. Bei ersten Testfahrten hat das problemlos funktioniert.

Das Tempolimit kann automatisch in den Tempomaten übernommen werden. Typisch BMW und sehr sympathisch: Man kann dem System vorgeben, bis zu 15 km/h aufzuschlagen.

Preiserhöhung nur nominell
Apropos aufschlagen: Die Preisliste beginnt bei knapp 76.000 Euro für den BMW X5 xDrive30d. Das ist nominell mehr als beim Vorgänger, tatsächlich aber laut Herstellerangaben keine echte Preiserhöhung, wenn man die verbesserte Serienausstattung (unter anderem Leder und Navigationssystem „Professional“) berücksichtigt. Markteinführung ist am 24. November 2018.

Unterm Strich
BMW erweitert mit dem X5 den Kreis der Konkurrenten, Bling-Bling kann er ebenso wie offroad, ohne das Dynamische zu vernachlässigen, wo ihm kaum einer etwas vormacht. Mal sehen, was der Mercedes GLE kann, der dieser Tage auch abgelöst wird. Der Münchner ist jedenfalls gut gerüstet, weil bestens gelungen. Und in Sachen Hightech spielt er auch alle Stückln. Auch wenn das Laser-Fernlicht nicht mit der Lichthupe koppelbar ist …

Warum?
- Macht alles richtig und es je nach Ausstattung allen recht
- Der Dynamiker unter den großen SUVs

Warum nicht?
- Der Hybrid kommt erst später - und der dürfte in Österreich relativ günstig sein

Oder vielleicht …
… Porsche Cayenne, Audi Q7, Mercedes GLE, Range Rover Sport

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl

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