Der Wiener hatte für die Titelkämpfe am Bosporus auf ein Antreten über 200 Meter Rücken verzichtet, obwohl er auch hier hätte Gold holen können. So ging es für ihn über 200 Meter Lagen um alles oder nichts. "Ich hatte nur diese eine Chance", meinte er noch vor dem EM-Ausstieg. "Sicher habe ich vorher Angst gehabt, dass ich nicht gewinne. Doch Angst ist das perfekte Gegenstück zur Arroganz."
Seine WM-Misere will der Wiener mit seinem sportlichen Triumph aber nicht aufgearbeitet sehen. "Das kann ich nicht im Wasser, die Vergangenheit kann ich nur im Kopf bewältigen." Und da ist er fokussiert wie nie, nie zuvor habe er so ernsthaft auf ein Schwimm-Event hingearbeitet wie diesmal. Teamkollege Dominik Koll bestätigte das mit seinen Eindrücken: "Markus macht einen unglaublich professionellen Eindruck. Und er hat noch mehr vor."
Verständnis für Rogans Abreise
Der Linzer hat volles Verständnis für die am Freitag erfolgte Abreise Rogans. "Ich verstehe es", sagte Koll. "Was hätte er hier denn noch erreichen sollen? Das Gold, das er wollte, hat er. Und das, nachdem er bei der WM so untergegangen ist." Fabienne Nadarajah wurde Donnerstagabend von Rogan persönlich via SMS informiert. "Ein bisschen wundert es mich. Aber andererseits hat er hier schon erreicht, was er wollte."
Und das auf einer Strecke, auf der man ihm das noch vor zwei Monaten nicht zugetraut hätte. Der mittleren Lagendistanz will Rogan vorerst weiter treubleiben. "Ich habe da noch Potenzial, vor allem auf Brust und Delfin." Doch die Brustlage war es schon diesmal, mit der das OSV-Ass das Rennen gewonnen hat. Hier setzte er den entscheidenden Angriff. Und damit gab er auch Laszlo Cseh zu denken, der Mitfavorit wurde ja nur Siebenter.
"Ich weiß nicht, was los war", meinte der Ungar am Tag danach. "Eigentlich bin ich in guter Form." Als er hörte, dass Rogan nicht mehr in der Türkei antritt, um sich drei Tage Trainingsvorsprung auf ihn herauszuholen, lächelte Cseh. "Ich glaube nicht, dass er in Budapest nur deswegen gegen mich gewinnen wird", erläuterte der Magyar. "Ich jedenfalls werde erst wieder im Jänner mein Training aufnehmen."
Großer Coup bei Olympia 2012
Doch Rogans Aussage ist auch weniger wörtlich zu nehmen, als dass sie seinen unbedingten Willen zeigen soll. Im US-Trainerteam Dave Salo/Jeremy Kipp hat Österreichs "Sportler des Jahres 2004" in Los Angeles Wegbegleiter gefunden, mit denen er in noch nicht erreichte Höhen vordringen kann. Rogan und sein Manager Ronnie Leitgeb ließen schon durchblicken, dass das eigentliche Ziel Olympia 2012 ist. Dort soll der große Coup gelingen.
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