Mi, 19. September 2018

Details aus Funkdialog

12.08.2018 09:11

Passagierjet gekapert: Wie die Wahnsinnstat ablief

Wie um Himmels Willen kann man einen ganzen Passagierjet stehlen? Diese Frage stellt sich nach der Wahnsinnsaktion eines Mitarbeiters einer US-Fluglinie am Freitag in Seattle die halbe Welt. Nachdem der 29-Jährige die leere Maschine gestohlen hatte und bei dem darauffolgenden Absturz ums Leben kam, kommen immer mehr Details über den Techniker ans Tageslicht. Richard Russell war bei seinen Kollegen beliebt und sei eine ruhige Person gewesen. Er war verheiratet und beschrieb sich selbst im Funkdialog mit dem Fluglotsen als „kaputten Typ“.

Am Freitag kaperte Russell einen Jet am Flughafen Seattle und flog wilde Flugmanöver mit der Passagiermaschine. Die Machine stürzte schließlich auf der Ketron-Insel ab. Es wird angenommen, dass der 29-Jährige dabei ums Leben kam. Nun wurde die Kommunikation des Flugzeugdiebes mit Fluglotsen veröffentlicht. Diese versuchten, ihm zu helfen, das Flugzeug sicher auf dem Boden oder im Wasser zu landen. Im Dialog wirkt Russell anfangs relativ beherrscht und denkt auch an seine Angehörigen. Er spricht davon, dass ihn viele Menschen gernhätten. „Ich würde mich gerne bei jedem Einzelnen von ihnen entschuldigen“, sagt der Techniker, der vom Lotsen „Rich“ genannt wird.

„Ich hoffe, das ruiniert euch nicht den Tag“
Doch während er seine gefährlichen Stunts in der Luft vollführt, wird Russell offensichtlich nervöser. Er redet schließlich davon, dass er mehr Treibstoff verbrauche als erwartet. Er äußert außerdem den Verdacht, dass ein Triebwerk einen Schaden habe. Mittendrin wird ihm sogar schlecht: „Ich habe mich gerade ein wenig übergeben. Das tut mir leid, ich hoffe, das ruiniert euch nicht den Tag“, sagt er über Funk. Er sei „nur ein kaputter Typ“, habe „ein paar Schrauben locker, nehme ich an. Wusste ich bis jetzt gar nicht wirklich.“

Der Techniker betont, dass er niemanden verletzten wolle. Als jemand über Funk meint, dass Russell Hilfe bei der Kontrolle der Maschine brauche, lehnt er ab. „Ich brauche nicht so viel Hilfe, ich habe schon ein paar Videospiele gespielt“, erklärt der Techniker.

Russell hatte laut seinem LinkedIn-Profil bereits vier Jahre für Horizon Air gearbeitet. Die Mitarbeiter werden auch eingeschult, ein paar Systeme des Flugzeugs zu bedienen, wie die Hydraulik, Funk und Hilfsaggregat.

Auch Alaska Airlines, zu denen Horizon Air gehört, zeigte sich in einer Pressekonferenz erschüttert über den Vorfall. Wir möchten seiner Familie, seinen Lieben und Mitarbeitern unser aufrichtiges Mitgefühl aussprechen“, so Firmenchef Brad Tilden. Die Fluglinie wolle alles tun, um herauszufinden, was genau passiert ist. Man arbeite eng mit der Flugbehörde und dem FBI zusammen.

„Richard und seine Familie tun mir sehr leid“, sagte der pensionierte Kollege Rick Christenson der „Seattle Times“. Russell sei ein ruhiger Typ gewesen, den alle Kollegen gemocht hätten.

In diesem Video wird über die Ermittlungen zu dem Vorfall berichtet (Englisch)

Miriam Krammer
Miriam Krammer

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