Im Jänner sind die Gas-Netztarife in Österreich um 18 Prozent gestiegen. Woran das liegt, haben jetzt zwei Fachleute erklärt. Der Ausstieg privater Haushalte aus der Gasversorgung sei jedenfalls nicht der entscheidende Kostentreiber, sagte der Geschäftsführer des Fachverbands Gas Wärme (FGW), Michael Mock.
Stattdessen verwies er auf den Stopp russischer Lieferungen, wodurch der Transit um 70 Prozent zurückgegangen sei. Die entfallenden Mengen müssten nun bei den Fixkosten der Netze kompensiert werden. Hinzu komme ein konjunkturbedingter Rückgang der Industrieabnahme um bis zu ein Fünftel in den vergangenen Jahren. Insgesamt sank der österreichische Gasverbrauch nach Angaben der Gaswirtschaft von rund 95 Terawattstunden (TWh) im Jahr 2019 auf zuletzt etwa 75 bis 77 TWh.
Die Zahl der privaten Zählpunkte sei von 2023 auf 2024 hingegen lediglich um drei Prozent gesunken. Private Haushalte würden ohnehin nur 15 bis 20 Prozent des gesamten Gasverbrauchs ausmachen, sagte Mock. „Es ist nicht richtig, dass der Hauptgrund der Netztarif-Steigerung ist, dass die Haushalte aussteigen.“ Für einen Durchschnittshaushalt bedeuteten die höheren Netzgebühren monatliche Mehrkosten von rund fünf Euro.
Hoher Einfluss von Steuern
Die stärkste Preiskomponente würden inzwischen die staatlichen Abgaben bilden, sagte Anna Kleissner, Ökonomin und Geschäftsführerin der Econmove GmbH. So seien etwa die reduzierte Erdgasabgabe ausgelaufen und die CO₂-Bepreisung gestiegen. Die Diskussion über die Netzentgelte lenke davon ab, „dass ein viel, viel höherer Betrag an Steuern und Abgaben an den Fiskus geht“, sagte Kleissner. Steuern und Abgaben machen laut Fachleuten bereits etwa ein Drittel des Preises der Kundinnen und Kunden aus.
Die stärkste Preiskomponente bilden mittlerweile die staatlichen Abgaben.
Anna Kleissner, Ökonomin und Geschäftsführerin der Econmove GmbH
Die gesunkenen Großhandelspreise für Energie seien von den Unternehmen aber eins zu eins weitergegeben worden, sagte die Ökonomin. Für die Aufrechterhaltung der heimischen Stromversorgung bleibe Gas jedenfalls unerlässlich, sind sich die beiden Fachleute einig. Wenn Wind- und Sonnenenergie im Winter witterungsbedingt ausfallen, müssten Gaskraftwerke einspringen. An solchen Tagen würden teils bis zu 53 Prozent der Stromproduktion aus Gas abgedeckt.
Mock appellierte an die Bundesregierung, die staatliche Reserve bis zum Jahr 2030 zu verlängern. Diese umfasst derzeit 20 TWh und läuft planmäßig mit 1. April 2027 aus.
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