Neue Medien

Diagnose ohne Arzt

Gesund
28.07.2018 06:00

Digitale Unterstützung in der Medizin ist die Zukunft.  Das wird vieles erleichtern, stellt uns aber auch vor neue Herausforderungen. 

Fans von Science-Fiction-Filmen wünschen sich so ein Diagnose-Tool seit der ersten Folge von „Raumschiff Enterprise/Star Trek“: Der Arzt führt einen Handscanner um den Körper herum, vom Kopf bis zu den Zehen - schon sind sämtliche Gesundheitsparameter auf einem Bildschirm zu sehen und auch gleich ausgewertet.

Nun, ganz so einfach ist es noch nicht, aber die Zukunft hat längst begonnen: Wir bekommen in Echtzeit Bilder vom schlagenden Herzen und seinen Gefäßen, statt unangenehmer Zahnabdrücke zeigt ein digitaler Scan das Gebiss in 3D und Operations-Roboter arbeiten Millimeter genau ohne große Schnitte („Knopflochchirurgie“) videogestützt. Zuckermessung mit Sensor, Apps, die Alarm schlagen, wenn der Blutdruck steigt, Genetik. Dazu kommen Selbsttests für Cholesterin, Zucker, Allergien, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und neuerdings sogar HIV.

Damit wandelt sich auch der Beruf des Arztes vom Diagnostiker als dessen Kernkompetenz zum Kommunikator in der Behandlung, wie Experten bei der Fachveranstaltung „Medizin im Dialog, Digitalisierung in der Medizin“ in Wien berichteten. „Bereits bis 80 Prozent aller Ärzte verwenden Smartphones und medizinische Apps, vor allem wenn Sie sich über Arzneimittel informieren wollen“, so Lukas Zinnagl, Gründer von Diagnosia Internetservices. Das Unternehmen stellt sämtliche Informationen für Ärzte rund um Medikamente in digitaler Form zur Verfügung - von der Dosierung bis hin zur Erstattung.

Sowohl Mediziner als auch Patienten nutzen immer häufiger Apps und moderne Diagnosetools. (Bild: Denys Prykhodov/stock.adobe.com)
Sowohl Mediziner als auch Patienten nutzen immer häufiger Apps und moderne Diagnosetools.

Medizinische Programme können wesentlich genauere Auswertungen von zuvor durch Diagnosegeräte angefertigten Parametern liefern, analysieren, vergleichen und gleichzeitig dokumentieren. Fehler werden behoben, bevor sie zur Anwendung kommen. Mit der zunehmenden Spezialisierung ist es für den einzelnen Arzt nicht mehr möglich, über alles Bescheid zu wissen, auch nicht im eigenen Fach. Schon allein die Information zu haben, wo man nachschauen muss, erfordert umfangreiche Kenntnis. Dort ist das Wissen dann aber jederzeit verfügbar und auf dem aktuellsten Stand. Zinnagl: „Medizin unterliegt immer stärkerer Digitalisierung, das ist nicht zu verhindern. Daher sollten wir uns gezielt damit beschäftigen und auch die negativen Aspekte betrachten. Dann sehe ich darin mehr Chance als Risiko.“

Telemedizin, wenn kein Doktor in der Nähe ist
Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich auf einer Berghütte, und Ihr Kind beginnt zu fiebern. Es zeigen sich Pusteln auf der Haut, die Zunge ist belegt. Wie ernst gestaltet sich die Sache? Mit dem Smartphone und einem Diagnosetool am Handgelenk („Wearables“, wie wir sie bereits für Sport und Fitness verwenden) lässt sich rasch Sicherheit schaffen, eine Konsultation via Telemedizin mit einem Arzt bringt Klarheit über das weitere Vorgehen.

(Bild: kazoka303030/stock.adobe.com)

Das bietet auch neue Möglichkeiten in der Nachbehandlung, für Menschen in abgelegenen Gebieten und jene, die nicht mobil sind, wie Markus Petzl, Disruptionsexperte (disrupt engl. für „unterbrechen, zerstören“, beschäftigt sich mit Innovationen, die vorangegangene Entwicklungen verdrängen) berichtet. In Erweiterung könnte daraus auch ein Frühwarnsystem eingesetzt werden, das Krankheiten aus Messwerten errechnet, bevor sie ausbrechen.

Und letztendlich entsteht daraus eine Kostenreduktion, wie am Beispiel DNA-Darstellung ersichtlich: 1999 mussten für eine Genomuntersuchung 2,7 Milliarden Dollar locker gemacht werden, 2007 nur mehr 350.000, seit 2014 kann man den genetischen Code des Menschen für 1000 Dollar analysieren. Viele der Anwendungen sind bereits Realität, derzeit vor allem in der Radiologie. Den Arzt ersetzen werden sie nicht, da sind sich alle Experten einig. Neue Herausforderungen kommen auf die Gesetzgebung und den Datenschutz zu, wenn es um Übermittlung von Patientendaten, aber auch industrielle Interessen geht.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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