Mo, 16. Juli 2018

Ansturm auf Zentren

09.06.2018 10:56

22.000 Wertekurs-Teilnehmer im ersten Pflichtjahr

Vor rund einem Jahr ist das Integrationspaket in Kraft getreten. 22.722 Menschen haben seitdem die obligate „Integrationserklärung“ unterzeichnet. In derselben Zeit absolvierten fast ebenso viele Personen, darunter auch Asylwerber, einen Werte- und Orientierungskurs.

Neben mehr Deutschkursen, einem Burkaverbot im öffentlichen Raum sowie der Untersagung von salafistischen Koran-Verteilaktionen brachte das Integrationspaket auch das verpflichtende Integrationsjahr. Für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte (deren Status nach dem 31. Dezember 2014 anerkannt wurde) ist es seit Mitte des letzten Jahres Pflicht, in der Erstberatung eine sogenannte Integrationserklärung zu unterschreiben. Darin verpflichten sich die Betroffenen, einen Werte- und Orientierungskurs zu besuchen und auch eine Deutschkursförderung in Anspruch zu nehmen. Die Wertekurse informieren über „zentrale Grundregeln des Zusammenlebens in Österreich“ wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sowie über Alltagswissen zu Themen wie Bildungs- und Gesundheitssystem, Hausordnung oder auch Mülltrennung.

Ansturm auf Integrationszentren
Asyl- und subsidiär Schutzberechtigte wandten sich in den letzten zwölf Monaten insgesamt 134.500 Mal an die neun Zentren des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF). Das entspreche einer Zunahme an Beratungen um rund 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, so der ÖIF. 48 Prozent davon stammten aus Syrien, 23 Prozent aus Afghanistan, acht Prozent aus dem Iran. Mehr als die Hälfte der 22.722 Unterzeichnungen einer Integrationserklärung fand in Wien statt (54 Prozent), danach folgen Niederösterreich (11 Prozent), Tirol (8), die Steiermark (8) sowie Salzburg (7).

22.000 besuchten Wertekurs
Seit Juni 2017 absolvierten rund 22.000 Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte einen Werte- und Orientierungskurs, insgesamt haben seit dem Start der Wertekurse (österreichweit seit 2015, damals aber noch auf freiwilliger Basis) 47.000 Menschen einen solchen besucht. Das Kursangebot ist laut Integrationsfonds ausreichend, im Regelfall betrage die Wartezeit zum Start eines Kurses nur wenige Tage. Neben den zur Integrationserklärung verpflichteten Personen stehen die Wertekurse auch anderen Gruppen offen - etwa Asylwerbern.

Frauenspezifische Angebote ausgebaut
Signifikant ist laut ÖIF die Veränderung des Geschlechterverhältnisses seit Inkrafttreten des Integrationsgesetzes im vergangenen Juni: Derzeit liegt der Frauenanteil bei den Wertekursen bei etwa 45 Prozent. Vor Inkrafttreten des Gesetzes waren es hingegen nur 22 Prozent gewesen. Der ÖIF hat sein Programm um frauenspezifische Angebote ausgebaut, um Frauen bei ihrer Integration in Österreich zu fördern. Themen wie Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Rechtsstaatlichkeit werden behandelt und Informationen zu Bildungs- und Berufschancen vermittelt. Auch werden den Teilnehmern Anlaufstellen für Opfer von Gewalt gegen Frauen oder weiblicher Genitalverstümmelung aufgezeigt.

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