Mi, 21. November 2018

Der Mercosur-Pakt

09.05.2018 06:00

Regional statt global: Warum es sich auszahlt

Heimische Qualität statt billige Importe: Die Entscheidung im Supermarkt macht sich beim Zahlen an der Kasse bemerkbar. Doch es lohnt sich, auf regionale Lebensmittel zu setzen. „Geht es nur um den Preis, haben unsere Bauern das Nachsehen. Zählt die Qualität, können sie hingegen punkten“, sagt Hannes Royer von der Plattform „Land schafft Leben“. 

Der Mercosur-Pakt - wem nutzt das Abkommen, wem schadet es? Diskutieren Sie mit in unserem Leserforum auf www.krone.at/mercosur.

400 „Almo“-Bauern in Österreich
Ein Sommer in der Natur steht den 40 Rindern von Karl Vorraber bevor: Viele ziehen auf die Alm, einige bleiben auf der Weide beim Hof. „Das ist artgerecht und hilft auch, unsere Landschaft zu erhalten“, betont der Nebenerwerbslandwirt aus dem steirischen Passail. Vorraber ist einer von etwa 400 heimischen „Almo“-Bauern. Ihr Anspruch: hochwertiges Almochsenfleisch. Im Laufstall gibt es kein Anbinden, die Tierschützer von Vier Pfoten kontrollieren, am nahe gelegenen Schlachthof ist „Almo“ selbst beteiligt. Doch all das hat seinen Preis. „Da können wir mit importiertem Fleisch nicht mithalten, dafür ist unsere Landwirtschaft viel zu kleinstrukturiert“, sagt Vorraber.

Mehr und schneller: Turbomast im Freien
Einmal quer über den Globus ist die Situation eine völlig andere, wie ein Brancheninsider schildert. Die Flächen und Betriebe sind groß, die Produktionskosten niedrig. Während in Argentinien immerhin oft auf Weidehaltung gesetzt wird, gibt es in Brasilien, insbesondere im Bundesstaat Mato Grosso, bei der Fleischproduktion nur eine Richtung: immer mehr, immer schneller!

Hunderte Rinder werden in Boxen unter freiem Himmel („Feedlot“) intensiv gemästet, auch dank Wachstumshormonen legen die Tiere in kurzer Zeit viel Gewicht zu. Nach 14 bis 20 Monaten folgt die Schlachtung. Zum Vergleich: Die Rinder von Vorraber leben im Durchschnitt 26 Monate. Zudem wird in Brasilien immer mehr Urwald gerodet, um Platz für den Anbau des Futters zu schaffen.

„Bei uns gibt es keine Legehennen im Käfig“
Viele Argumente also, um zum heimischen Rindfleisch zu greifen. Die gibt es auch bei anderen Produkten, wie Hannes Royer von der Plattform „Land schafft Leben“ erklärt: „Österreich hat z.B. die Haltung von Legehennen in Käfigen abgeschafft, während weltweit geschätzt 95 Prozent der Hennen in Käfigen leben. Heimische Masthühner und -puten haben mehr Platz als in anderen Ländern. Und für die Bewässerung von Gemüse gibt es bei uns ausreichend einwandfreies Wasser.“

Theoretisch könnte Österreich sich zwar mit Billig-Lebensmitteln vom Weltmarkt ernähren, hätte dann aber keinen Einfluss auf ihre Erzeugung. Das wollen auch die Konsumenten nicht: Die Wertschätzung für regionale Lebensmittel steigt. Doch manchmal ist laut Royer bei den Preisen eine Schmerzgrenze erreicht: „Daher ist es wichtig, dass es in Österreich auch Bauern gibt, die für jene Menschen Lebensmittel erzeugen, die sehr auf den Preis achten müssen.“

Mercosur: Daten und Fakten

  • Der Mercosur - die Abkürzung kommt von Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt des Südens) - ist ein Staatenbündnis mit vier Mitgliedsstaaten in Südamerika: Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay.
  • 1999 nahm das Bündnis erstmals Verhandlungen mit der EU auf. Bei dem Abkommen bietet Brüssel den Mercosur-Ländern attraktive Zollquoten für Produkte wie Rindfleisch, Ethanol oder Zucker und beliefert Südamerika im Gegenzug mit Autos und Industriegütern.
  • Kritiker wittern hier Gefahren für die Verbraucher. Grund: Die EU kontrolliert zwar weiter Importe, verzichtet aber darauf, Südamerikas Betriebe vorab zu inspizieren, und verlässt sich stattdessen auf vereinbarte Garantien. Nach einem Skandal in Brasilien, bei dem Gammelfleisch unter frische Ware gemischt wurde, wirkt dieser Vertrauensvorschuss fragwürdig.

Kronen Zeitung

Gastkommentar: Heimische Produkte haben klar Vorrang!
Wir sind als Händler naturgemäß für freien Handel und sprechen uns daher auch nicht grundsätzlich gegen Mercosur aus. Zwei Dinge sind für uns jedoch wichtig: dass die Verhandlungen transparent geführt werden und somit eine öffentliche Diskussion darüber stattfinden kann. Und unser wichtigstes Anliegen: dass die hohen europäischen und vor allem österreichischen Qualitätsstandards bei Lebensmitteln erhalten bleiben. In vielen Bereichen - wie zum Beispiel bei unserer Bio-Eigenmarke Ja! Natürlich - sind unsere eigenen Standards bereits heute höher als vom österreichischen Gesetz gefordert. Dieses hohe Niveau unserer Produkte darf unter keinen Umständen konterkariert werden.

In unserem Sortiment ist der Anteil an österreichischen und regionalen Lebensmitteln sehr hoch. Wir bieten nur Frischfleisch, Milch, Eier sowie Brot und Gebäck aus Österreich an und haben mit unseren landwirtschaftlichen Partnern langfristige Kooperationen. So kommen jährlich 160.000 Tonnen Obst und Gemüse aus Österreich in unsere Filialen. Das entspricht weit mehr als der Hälfte der Produkte in diesem Bereich, und das wird in jedem Fall - im Sinne der österreichischen Landwirtschaft - auch so bleiben. Unsere Kunden können sich darauf verlassen, dass wir - wo immer es möglich ist - österreichischen Produkten den Vorzug geben.

Marcel Haraszti, Bereichsvorstand REWE Österreich

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