Do, 18. Oktober 2018

Deutsche Jet-Krise

02.05.2018 09:11

Von 128 Eurofightern sind nur zehn einsatzbereit

Die deutsche Bundeswehr hat massive Probleme mit ihrer Eurofighter-Flotte. Einem Bericht zufolge sind von den insgesamt 128 Kampfjets gerade einmal zehn Maschinen voll einsatzbereit. Im Ernstfall könne Deutschland nicht einmal seine NATO-Pflichten erfüllen, heißt es. Angesichts der Zahlen bei unserem Nachbarn kann man sich ausrechnen, wie viele der 15 österreichischen Jets der älteren und ersten Baureihe tatsächlich einsatzbereit sind …

Der Großteil der 128 Jets sei für Einsätze gesperrt, berichtet das Magazin „Spiegel“. Probleme macht laut Insidern das Selbstschutzsystem DASS (Defensive Aids Sub System), ohne das der Kampfjet für echte Missionen nicht einsatztauglich ist. Laut Angaben von Technikern tritt an einem Behälter eines Sensors, der feindliche Jets erkennt und den Eurofighter-Piloten davor warnt - dem sogenannten WingPod -, Kühlflüssigkeit aus.

Wichtiger Ersatzteil zurzeit nicht lieferbar
Zum Abdichten des Kühlsystems für den Sensor würden die Techniker einen bestimmten Ersatzteil benötigen, der aber derzeit nicht lieferbar ist - weil der Hersteller verkauft wurde, ohne dass die deutsche Luftwaffe davon in Kenntnis gesetzt wurde, so der „Spiegel“. Weil der Jet ohne DASS aber für echte Missionen - also etwa beim Eindringen eines feindlichen Flugzeuges in den Luftraum - nicht einsatzbereit ist, sind laut Insidern zurzeit nur zehn Eurofighter voll einsatzbereit.

Sorgenkind der deutschen Luftwaffe
Der Eurofighter gilt seit Jahren als Sorgenkind der deutschen Luftwaffe. In einer offiziellen Übersicht für den Bundestag in Berlin wurden im Vorjahr nur 39 der 128 Jets als einsatzbereit aufgeführt. Ende August 2014 war aus einem internen Papier der Bundeswehr bekannt geworden, dass aufgrund des enormen Kostenaufwands für Wartung und Ersatzteilbeschaffung zu diesem Zeitpunkt lediglich acht der damals insgesamt 109 Eurofighter einsatzbereit waren.

Pannenserie bei Übungsflügen in Österreich
Auch in Österreich ist der Eurofighter ein Problemkind. Bei Übungsflügen wurden zahlreiche Pannen aufgedeckt: So waren etwa die Höhenmesser defekt, bei Schallgeschwindigkeit flogen die Dichtungen zwischen Kanzel und Karosserie aus der Verankerung, der Funk fiel aus, die Hydraulik versagte, der Stromgenerator streikte, der Bordcomputer spielte verrückt, es kam zu Notlandungen. Das Problem mit der Beschaffung von Ersatzteilen für den Jet ist auch in Östereich bekannt, auch das Bundesheer wartet oft Monate, bis diese geliefert werden.

Ärger mit völlig überteuerten Ersatzteilen
Und nicht nur das: Vertrauliche Akten zeigten zudem, wie unverschämt die Jet-Hersteller mit angeblich „irrtümlich“ über Jahre verschickten Rechnungen von völlig überteuerten Ersatzteilen das österreichische Heeresbudget plünderten. So verrechnete die Eurofighter GmbH für eine Gummidichtung (Bild unten) gleich einmal 14.554 Euro. Nach einer internen Revision kostete das Ringerl dann plötzlich nur noch 127 Euro.


Vier bis sechs Eurofighter in Österreich immer einsatzbereit
Laut Oberst Michael Bauer, Sprecher des Verteidigungsministeriums in Wien, sind im Schnitt vier bis sechs der heimischen Eurofighter einsatzbereit. „Braucht man beispielsweise am 20. Mai zwölf Eurofighter, dann wird die Technik dafür sorgen, dass diese zu diesem Zeitpunkt bereitstehen“, sagt er. Bauer gibt aber zu, dass der Umstand, dass es sich um Maschinen der älteren Tranche handelt, das Ganze nicht unbedingt einfach macht. Und: „Wenn alle Piloten bei einer theoritischen Schulung sind, dann ist natürlich keine einziger Jet einsatzbereit.“

Seit Jahren immer wieder Probleme
Der Eurofighter wurde für die deutsche Luftwaffe sowie die Streitkräfte weiterer europäischer Staaten entwickelt. Bei dem Mehrzweckkampfflugzeug gab es in den vergangenen Jahren immer wieder technische Probleme, nachdem sich bereits die von zahlreichen Schwierigkeiten geplagte Entwicklung über Jahre hingezogen hatte.

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