Sa, 20. Oktober 2018

USA als Topziel

26.04.2018 06:28

Europa nur zweite Wahl für gebildete Afrikaner

Laut einer aktuellen Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew Research Center gibt es große Unterschiede zwischen jenen Migranten aus Afrika, die nach Europa auswandern, und jenen, die sich in den Vereinigten Staaten niederlassen. Eine große Rolle spielt dabei der Bildungsgrad der Einwanderer. Während in den USA 69 Prozent der Migranten aus den Ländern südlich der Sahara in einer Umfrage aussagten, dass sie über „eine gewisse College-Erfahrung“ verfügen, liegt dieser Wert in den traditionell wichtigsten europäischen Zielländern Frankreich (30 Prozent), Großbritannien (49 Prozent), Italien (zehn Prozent) und Portugal (27 Prozent) deutlich darunter. Mit anderen Worten: Europa ist unter gebildeten Migranten nur zweite Wahl.

Die unterschiedlichen Bildungsgrade wirken sich natürlich auch auf die Integration aus. Da es sich meist um Herkunftsländer handelt, in denen Englisch oder eben jene Sprachen gesprochen werden, die auch in den Zielländern Amtssprache sind, ist dieser Faktor bei der Integration zu vernachlässigen. Ein guter Indikator für eine erfolgreiche Integration ist aber auf jeden Fall ein Arbeitsplatz. In den USA hatten zum Zeitpunkt der Umfrage unter den Hunderttausenden Migranten knapp 93 Prozent einen bezahlten Job. Lediglich sieben Prozent waren ohne Arbeit. Die Arbeitslosenquote in Frankreich betrug mehr als 16 Prozent, in Italien waren es sogar knapp 20 Prozent.

Arbeitslosenquote unter Einwanderern in Europa hoch, in USA niedrig
Allerdings wird in der Studie eingeschränkt, dass es durchaus auch vorkomme, dass die Einwanderer erst in ihren Zielländern eine höhere Bildung abschließen. Der Ort des Abschlusses wurde nicht abgefragt, daher könnte es hier auch zu einer nachträglichen Ausbildung gekommen sein. Ganz gleich, wo sie studiert haben, es zeigt sich auch, dass häufig der Bildungsgrad unter Einwanderern höher ist als unter den gebürtigen US-Amerikanern, Franzosen, Briten oder Portugiesen. Einzige Ausnahme ist hier Italien, wo die Akademikerquote unter Einwanderern bei zehn Prozent, bei der einheimischen Bevölkerung aber bei 15 Prozent liegt. Während die Arbeitslosenquote unter Einwanderern in den USA beinahe gleich ist wie jene der „Native Americans“, sind in den europäischen Zielländern weit mehr Migranten arbeitslos.

Die meisten der in den Jahren 2015 und 2016 befragten Migranten leben bereits seit rund zehn Jahren in ihren Zielländern. Erneut ist Italien hier ein Ausreißer, wo knapp ein Drittel erst ein bis neun Jahre davor eingereist ist. Ganz gleich, wann die Einreise erfolgt ist, viele Befragte halten sich mittlerweile illegal in ihrer neuen Heimat auf. Während die Zahl der illegalen Einwanderer aus der Subsahara-Region in den USA auf 250.000 Personen geschätzt wird, gibt es aus den europäischen Ländern nur eine wackelige Basis für weitere Schätzungen: Nach dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015/16 lagen knapp 70.000 Asylanträge von Schwarzafrikanern mit unklarem Status vor. Den größten Anteil beherbergte Ende 2016 Italien.

Selektive Einwanderungspolitik der USA ist Hauptgrund für Unterschiede
Ein Schluss, den die Studie aus den gesammelten Zahlen zieht: Neben familiären Beziehungen in die Zielländer und deren koloniale Vergangenheit führt vor allem die selektivere Einwanderungspolitik in den Vereinigten Staaten zu den ausgeführten Unterschieden.

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