Mo, 21. Jänner 2019

Glawischnigs neuer Job

02.03.2018 16:57

„Kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin“

Entsetzt und empört haben grüne Politiker auf den Wechsel von Ex-Parteichefin Eva Glawischnig zum Glücksspielkonzern Novomatic reagiert. „Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin“, sagte etwa die frühere grüne Nationalratsabgeordnete Berivan Aslan. Manche forderten gar Glawischnigs Ausschluss aus der Partei - diesem Schritt kam die Ex-Grünen-Chefin am Nachmittag zuvor und legte selbst ihre Mitgliedschaft zurück.

Der steirische Grünen-Chef Lambert Schönleiter zeigte sich „sprachlos“. „Ich gehe davon aus, dass Bundessprecher Werner Kogler jetzt handelt und die Parteimitgliedschaft von Eva Glawischnig sofort ruhend stellt“, sagte er im „Standard“. Glawischnig habe mit diesem Schritt dem Kärntner Grünen-Spitzenkandidaten und Hypo-Aufdecker Rolf Holub, der am Sonntag Landtagswahlen zu schlagen hat, einen „Bärendienst“ erwiesen.

Ähnlich sieht es der Vorarlberger Grünen-Sprecher und Umweltlandesrat Johannes Rauch. Er zeigt null Verständnis für das Engagement Glawischnigs bei Novomatic. „Glücksspiel gehört wieder unter die vollständige Kontrolle der Republik Österreich, im Sinne eines bestmöglichen SpielerInnenschutzes. Private Glücksspielkonzerne wie Novomatic tun das Gegenteil.“ Rauchs Forderung: „Ich gehe davon aus, dass Eva Glawischnig mit dem Tag ihres Dienstantrittes bei Novomatic ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurücklegt.“

Aslan: „Ich kann euch gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin“
„Was ist mit den Machenschaften des Novomatic-Konzerns? Was ist mit der Spielsucht, die Tausende Familien zerstört? Ich kann euch gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin“, postete die frühere grüne Abgeordnete Berivan Aslan auf Twitter.

Krismer: „Das Gewissen ist eine private Angelegenheit“
Etwas sanfter beurteilt die Causa die niederösterreichische Landessprecherin Helga Krismer: „Nach dem Ausscheiden bei den Grünen ist die Wahl des beruflichen Fortkommens eine private Entscheidung, so wie das Gewissen eine private Angelegenheit ist. Das Verhältnis der Grünen zu Novomatic bleibt unverändert. Insbesondere, da Novomatic ein niederösterreichischer Konzern ist, werde ich weiterhin gegen das kleine Glücksspiel ankämpfen, weil es Menschen und Familien in den Ruin treibt.“

Reimon: „Schau drauf, dass du dich ein Jahr später nicht wie ein Volltrottel fühlst“
Der EU-Abgeordnete Michel Reimon zeigt sich überrascht. Er schrieb auf Twitter, dass „Novomatic ein Konzern ist, der mit Süchtigen Profit macht und bekämpft gehört“. Und er bereut anscheinend, vor einem Jahr Glawischnig als Parteichefin verteidigt zu haben: „Wennst dich für jemanden in die Schusslinie stellst, schau drauf, dass du dich ein Jahr später nicht wie ein Volltrottel fühlst.“

„Das ist ungefähr so, wie wenn man Bio-Beauftragter bei Monsanto wird“
„Das ist ungefähr so, wie wenn man Bio-Beauftragter bei Monsanto wird. Ich bin persönlich maßlos enttäuscht. Das geht überhaupt nicht“, sagt der Salzburger Landtagsabgeordnete der Grünen, Simon Heilig-Hofbauer, der sich seit Jahren für strengere Auflagen und Strafen beim Glücksspiel einsetzt.

Glawischnig verlässt nach Kritik ihre Partei
Grünen-Bundessprecher Werner Kogler ließ am Nachmittag wissen: „Eva Glawischnig hat mir in einem Gespräch zugesichert, dass sie ihre Mitgliedschaft bei den Grünen zurücklegt.“
Wenn Glawischnig „sich als Privatperson für eine Tätigkeit bei Novomatic entschließt, ist das natürlich ihre Sache“, für die Grünen gelte aber, was immer gegolten habe: „Wir haben uns in der Vergangenheit immer mit der Glücksspielbranche und den dazugehörigen Konzernen angelegt und vor allem bei Novomatic völlig zu Recht. Und wir werden die Machenschaften dieses Konzerns auch weiterhin kritisieren und gegebenenfalls bekämpfen“, so Kogler.

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