Selbstmord vermutet
Tod von Japans "Alko-Minister" immer rätselhafter
Laut der Nachrichtenagentur Jiji Press hatte Nakagawas Ehefrau die Leiche des 56-Jährigen am Sonntag in der gemeinsamen Wohnung in Tokio gefunden. Der Tote lag in einem Bett auf dem Bauch inmitten von Erbrochenem. Auf dem Nachttisch lagen Schlaftabletten. Insider befürchten daher einen Selbstmord. Hinweise auf Gewalteinwirkung gab es nicht, jedoch wurde zunächst auch kein Abschiedsbrief gefunden. Die Polizei kündigte weitere Untersuchungen an, die mehrere Tage in Anspruch nehmen könnten. Bereits Nakagawas Vater, ebenfalls ein Politiker, hatte sich 1983 in einem Hotelzimmer das Leben genommen, indem er eine Überdosis Pillen schluckte.
Rücktritt nach Alko-Auftritt
Nakagawa hatte im Februar international für Aufsehen gesorgt, als er völlig betrunken zu einer Pressekonferenz zum G-7-Gipfel in Rom erschien (siehe Video oben). Sein Auftritt machte ihn weltweit zum Gespött, für die bereits angeschlagene Regierung von Ministerpräsident Taro Aso wurde er untragbar. Unter dem Druck der Öffentlichkeit und seiner eigenen Partei trat er schließlich zurück, nachdem er zunächst noch versucht hatte, seinen sichtlich benommenen Zustand auf den Jetlag und die Einnahme eines Erkältungsmittels zu schieben.
Bei der Parlamentswahl Ende August mussten die seit mehr als 50 Jahren fast ununterbrochen regierenden Liberaldemokraten (LDP) dann die Macht an die Demokratische Partei abgeben. Auch Nakagawa verlor dabei sein Abgeordnetenmandat, das er über 25 Jahre lang innegehabt hatte. Im Wahlkampf hatte er versprochen, dem Alkohol abzuschwören - seine Vorliebe für Gin Tonic und andere alkoholische Getränke war allgemein bekannt.
Mehrere hohe Ämter innegehabt
Der langjährige Banker hatte seit 1998 bereits mehrere Regierungsämter inne, unter anderem war er Wirtschaftsminister und zweimal Agrarminister, bevor ihn sein alter Freund Aso im September 2008 an die Spitze des Finanzministeriums holte. Innerhalb der LDP zählte Nakagawa zum nationalistischen und erzkonservativen Flügel.
Frauen gehörten nach seiner Ansicht in die Küche, die Schiffe der Walfanggegner wollte er am liebsten versenken, den Patriotismus in den Lehrplan aufnehmen und sein Land mit der Atombombe ausrüsten. Wirtschaftlich vertrat der vehemente Anti-Protektionist eine eher interventionistische Politik, sah aber auch die Notwendigkeit zu liberalen Reformen.











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