So, 24. Juni 2018

Wirt im Knast-Gespräch

18.02.2018 20:00

„Als Selbstständiger bist du der Verlierer“

Weil er sicht weigert, eine Verwaltungsstrafe von 13.400 Euro zu bezahlen, sitzt der bekannte Salzburger Gastronom und Veranstalter Werner Purkhart seit Donnerstag für 55 Tage hinter Gittern. Der „Krone“ erzählt er im Knast-Interview ganz offen, warum er trotz der schwierigen Bedingungen nicht ans Zahlen denkt.

Wie ist es Ihnen bislang im Gefängnis ergangen?

Soweit ganz gut. Ich hab mir meinen eigenen Tagesablauf zurecht gelegt. Ich mach viel Yoga und meditiere, lese und schlafe.

Wann stehen Sie morgens auf? Wird man da geweckt?

Zum Frühstück wird man geweckt. Am Anfang war es mit dem Essen sehr schwierig, da hat es als Mahlzeit nur einen Apfel und zwei Tomaten morgens und abends gegeben, mittags so gedünstetes Gemüse. Dann war ich aber beim Arzt und seither bekomme ich auch anderes Essen.

Haben Sie mitbekommen, dass ihr Protest solche Wellen schlägt?

Freunde haben mir das berichtet, ja. Das war zwar unbeabsichtigt, aber es ist schön.

Haben Sie es nicht eigentlich darauf angelegt?

Ich kenne ja das volle Ausmaß noch gar nicht, aber es überrascht mich schon. Ich wollte mit dem Facebook-Posting eigentlich nur erklären, warum ich jetzt 55 Tage nicht erreichbar bin. Aber ich freue mich, dass so viele Menschen mein Posting geteilt haben, weil das zeigt, dass ich mit meiner Kritik am Umgang mit Selbstständigen vielen Menschen aus dem Herzen gesprochen habe. Wahrscheinlich gibt es viele Selbstständige da draußen, die das ähnlich wie ich sehen.

Bereuen Sie den Gang ins Gefängnis schon?

Nein. Man muss das ja im Kontext sehen: Die 13.000 Euro Strafe kam zu einem Zeitpunkt als ich mit dem Public-Viewing im Volksgarten während der Europameisterschaft 2016 wegen des ganzen Regens schon einen Verlust von 30.000 Euro eingefahren hatte. Ich hatte das Geld einfach nicht mehr. Ich will auch ganz sicher weder meine Eltern noch meine Freunde damit belasten. Ich habe es somit auf meine Kappe genommen, um damit ein Zeichen zu setzen: „Leute, das ist einfach zu viel, ihr verliert die Bodenhaftung.“ Ich hab besonders in den vergangenen drei Jahren Sachen erlebt, die der Staat Österreich mit einem Selbstständigen aufführt, die ich nicht nachvollziehen kann.

Jetzt sitzen Sie hier ja auch mit richtigen Verbrechern ein. Ist das nicht beängstigend?

So richtig schwere Verbrecher sind hier nicht. Die Schieflage, die hier ein bisschen herrscht, ist, dass in Puch-Urstein, die richtig schweren Jungs sind und dort alles sehr schön und neu ist, also ein moderner Strafvollzug. Und wir hier sitzen bei offenem Fenster, in meiner Zelle hat es 12 Grad.

Wie kann man sich so eine Zelle vorstellen?

Ich sag mal so: Ich war in indischen Hotels, die waren schlimmer als meine Zelle. Sie ist jetzt auch nicht so klein, geschätzt zweieinhalb Mal fünf Meter. Toilette, Waschbecken und Bett.

Und wahrscheinlich ein Fernseher?

Nein, denn elektronische Geräte sind nicht erlaubt. Keine Musik, kein Handy, kein Radio, kein TV.

Und was macht man da dann die ganze Zeit?

Yoga. Meditieren.

Aber doch nicht 12 Stunden am Tag…

Doch. Ich hab Gott sei Dank schon Erfahrungen mit längeren Meditationen und das hilft mir jetzt sehr gut und lässt mich auch hoffen, dass ich es durchstehe. Meiner Psyche geht es daher im Moment ganz gut.

Kann man da nachts überhaupt schlafen oder wird da viel gelärmt?

Wir sind hier getrennt von den Schubhäftlingen. Die sind oben und die haben Kontakt untereinander, aber da sieht es halt auch ziemlich wild aus, wie ich gehört habe. Ich selbst war nicht oben. Und wir haben auch ein paar Schubheftlinge hier unten, die sind alle sehr nett. Ich hab kein Problem mit den Leuten, im Gegenteil. Teilweise kann ich mich auch mit ihnen verständigen, weil ich spanisch und italienisch spreche. Es sind auch andere dabei, die auch gerade eine Ersatzfreiheitsstrafe absitzen, bei denen ist es aber kürzer als bei mir. Mit den Wärtern komme ich übrigens auch gut klar.

Wo treffen Sie die dann? Bei diesem Hofgang?

Am Anfang war der Hofgang nur eine Stunde, aber mittlerweile sind es gute zwei Stunden. Da hab ich auch einen kleinen Fitnessraum entdeckt. Der ist zwar leider total zerstört, kann aber trotzdem genutzt werden. Außerdem gibt es einen Gemeinschaftsraum, wo ein Fernseher läuft. Aber das darf man alles nur zwischen 14 und 16 Uhr machen.

Und wie ist das dann mit dem Essen? Wird das durch so eine Luke geschoben, wie man es aus Filmen kennt?

Es gibt so eine Klappe, aber die ist eher so für die Kommunikation und kleinere Sachen. Manchmal bekomme ich das Essen durch die Klappe gereicht, manchmal wird aber auch die Türe geöffnet. 

Aber Briefe dürfen Sie empfangen?

Ja. Man konnte bis vor kurzem auch in einem Gefängnis-Shop Sachen kaufen, aber der Pächter hat aufgehört. War wahrscheinlich auch selbstständig (lacht). Jetzt ist die Versorgung ein bisschen schwierig, weil man nicht mehr einkaufen kann, auch keine Telefonwertkarten. Man kann während der Hofzeit aber angerufen werden.

Ihre Freunde haben ja mittlerweile angeboten, dass sie Geld für Sie sammeln. Ziehen Sie das nicht in Betracht?

Nein, ich will das immer noch nicht. Eigentlich geht es mir darum, keinen weiteren Cent mehr auszugeben. Ich hab 2600 Euro von dieser Strafe schon bezahlt, das ist der Betrag den ich selbst in Ordnung fand. Alles andere fand ich nicht ok. Das Einzige, was ich gelten lassen würde, wäre ein Erlass durch den Bundespräsidenten.

Was Sie denn selber so am meisten überrascht im Knast?

Überrascht hat mich, dass meine Psyche so stabil bleibt. Ich hätte da schon mit mehr Verzweiflung gerechnet.

Haben sie schon geweint?

Nein. Vorher ja.

Wie bereitet man sich eigentlich auf einen Knastaufenthalt vor? Schaut man da Gefängnis-Serien oder redet mit Ex-Häftlingen?

Es zahlt sich defintiv aus, mit Leuten vorher zu reden, die diese Umstände kennen. Ich hab mich zudem auf meine Literaturauswahl konzentriert, also welche Bücher ich mit reinnehme. Romane zum Beispiel und Anleitungen für spezielle Work-Outs, die man auch auf kleinem Raum machen kann.

Sie sind aber noch selbstständig, oder?

Nein, nicht mehr. Nie wieder. Das könnt ihr gerne drucken: Ich werde nie wieder in Österreich selbstständig arbeiten.  Es ist eine Farce. In dieser Sparte mit Konzerten und Veranstaltungen ist man in einem Hochrisikobereich unterwegs. Dann kommen noch Finanz und  Gebietskrankenkasse. 

 

Anna Dobler
Anna Dobler

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