Mo, 22. April 2019
27.12.2017 12:27

Radikale „Schwestern“

Ermittler warnen: Salafismus wird immer weiblicher

Radikalislamische Prediger, Gefährder, Dschihad-Rückkehrer: Galten bislang überwiegend Männer als die treibende Kraft in der Salafistenszene, warnt der Verfassungsschutz im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen (NRW) jetzt auch vor einer wachsenden Zahl radikaler Musliminnen. Der Salafismus, so das Fazit der deutschen Ermittler, werde immer weiblicher. Die radikalisierten Frauen könnten eine neue Dschihadisten-Generation heranziehen, warnt die Behörde.

Weil viele charismatische Führungspersonen der salafistischen Szene im Zuge des konsequenten strafrechtlichen Vorgehens in Haft sitzen, würden nun Frauen die Lücken füllen, erklärte Burkhard Freier, der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Mittwoch.

"Frauen können viel besser netzwerken"
"Wir haben in Nordrhein-Westfalen ein sogenanntes Schwesternetzwerk mit 40 Frauen im Blick", so Freier. Diese weiblichen Führungspersonen, von denen manche mehrere Hundert Facebook-Follower haben, seien in der Szene mittlerweile akzeptiert. "Die Männer haben gemerkt, dass Frauen viel besser netzwerken können und deshalb viel stärker in der Lage sind, die Szene zu binden und am Leben zu halten."

So hätten die 40 "Schwestern" laut den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes ein komplettes salafistisches Programm im Angebot: von der Kindererziehung über das Kochen und die Interpretation von Religionsvorschriften bis zur Hetze gegen "Nichtgläubige".

Das Salafistinnen-Netzwerk werbe und missioniere jedenfalls aggressiv im Netz. "Die Frauen sind mittlerweile Ideologieproduzentinnen", sagte Freier gegenüber der "FAZ". Hinzu komme, dass die Frauen ihre eigenen Kinder von klein auf indoktrinieren würden.

"Salafismus wird zur Familienangelegenheit"
"Dadurch wird der Salafismus zu einer Familienangelegenheit. Es beginnt etwas zu entstehen, was sehr viel schwerer aufzulösen ist, nämlich salafistische Gesellschaftsteile", warnt der Leiter des NRW-Verfassungsschutzes vor Parallelgesellschaften. Zwar sei nicht jeder Salafist ein Terrorist, so Freier, "aber jeder dschihadistische Terrorist, den wir in den vergangenen Jahren in Europa erlebt haben, kam aus der salafistischen Szene".

Die Sicherheitsbehörden seien zwar in der jüngsten Vergangenheit mit Maßnahmen wie etwa dem Verbot der Koran-Verteilaktion "Lies!" - die auch hierzulande wie berichtet in einigen Städten und auch Wiener Bezirken verboten wurde - erfolgreich gegen die Szene vorgegangen, doch gerade deshalb finde nun immer mehr Radikalisierung in Hinterhöfen oder Wohnzimmern statt.

Immer mehr Jugendliche fantasieren über Gewalt
Zugleich radikalisiere sich die Szene weiter. "Es gibt eine immer größere Zahl von minderjährigen Salafisten, die über Gewalt fantasieren", sagte Freier. Durch die militärische Niederlage der Terrormiliz IS habe sich der Salafismus zum "Inlandsextremismus" entwickelt. Die Zahl der Ausreisen nach Syrien und in den Irak tendiere schon seit einem Jahr gegen null, dafür nehme die Zahl der Rückkehrer zu.

Unter ihnen seien zunehmend Frauen, "und von ihnen haben sich viele nicht von der IS-Ideologie verabschiedet. Es ist ein Problem, dass sie nun genau in jene Szene zurückkehren, aus der sie ursprünglich kommen."

Zahl der Salafisten auf Allzeithoch
In Deutschland halten sich nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes derzeit mehr Salafisten auf als je zuvor. Ihre Zahl sei von 9700 im Dezember des Vorjahres auf derzeit 10.800 "auf ein Allzeithoch angestiegen", so der deutsche Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen am Sonntag. "Das zeigt die anhaltende Attraktivität der salafistischen Ideologie."

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