Mosley-Demontage

Presse feiert Triumph der FOTA über die FIA

Sport
25.06.2009 13:10
Die Gegner streuten nicht auch noch Salz in die Wunden des geschlagenen FIA-Präsidenten Max Mosley, im Ferrari-Land Italien kostete die Presse den Sieg dagegen aus. "Montezemolo verließ den Place de la Concorde mit Mosleys Kopf", schrieb die "Gazzetta dello Sport" am Donnerstag. "Ein Triumph für Ferrari - Mosley geht", meinte "Tuttosport". "Es rollte der Kopf von Max Mosley, und nun kann die Formel 1 weitergehen", bilanzierte auch die spanische Sportzeitung "Marca".

Selbst die englische "Times" schrieb angesichts des angekündigten Rückzugs Mosleys nach dem Ende der Amtszeit im Oktober und der vollständigen Zugeständnisse an die Rebellen-Rennställe unter FOTA-Wortführer Ferrari: "Wie alle Männer, die beinah unumschränkte Macht genossen, war er in Gefahr, es zu weit zu treiben, und das ist am Ende auch geschehen." Der "Independent" machte Mosley indes zum Märtyrer "um des Friedens willen".

Dass der wegen seines Herrschaftsstils schon lange kritisierte Mosley die weiße Fahne schwenkte und vor den Teams kapitulierte, kam in der Art und Weise überraschend. Wenngleich es der einzig sinnvolle Ausweg aus der Krise war, die nach einem monatelangen Kampf um die neuen Regeln und die optionale Budgetobergrenze von 40 Millionen Pfund, das sind 47,1 Millionen Euro, für 2010 mit der Teamvereinigung FOTA beinahe zur Spaltung der Formel 1 geführt hätte.

Montezemolo äußerst korrekt
Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gab sich in der Stunde des Triumphes über Mosley, dem die Bekanntgabe der Formel-1-Rettung vorbehalten gewesen war, äußerst loyal. Er lobte Mosley für dessen sehr gute Arbeit, um das Problem zu lösen. "Polemik ist nicht gut für die Formel 1 und besonders nicht in der Öffentlichkeit." De facto setzte sich die FOTA aber durch: Ein Ausgabenlimit wird es im kommenden Jahr nicht geben, gefahren wird unter denselben Regeln wie in diesem Jahr.

Auch wenn Mosley selbst erklärte, sein Abgang sei seit langem geplant und seine Mitarbeiter informiert gewesen - die internationalen Medien waren sich in der Wertung einig. "Mosley fliegt raus, und in die WM der Formel 1 kehrt wieder Friede ein", meinte "As". Das ebenfalls spanische Blatt "Sport" schrieb: "Max Mosley verliert den Krieg in der Formel 1. Ihm blieb nichts anderes übrig als der Abtritt." Und der italienische "Corriere dello Sport" resümierte: "Ferrari hat gesiegt - die Formel 1 ist gerettet."

Keine neue Funktion für Mosley
Aber auch Bernie Ecclestone hatte natürlich einen gewichtigen Anteil an der Lösung. "Bernie hat viel zu einer Einigung beigetragen. Ohne die Formel 1 wäre sein Leben verpfuscht gewesen", sagte FIA-Präsident Max Mosley. Der 69-Jährige soll laut "Times" nach Ende seiner Ära auch keine andere Funktion in der FIA übernehmen. Die FOTA solle sich dies zusichern haben lassen.

Jean Todt heißester Nachfolge-Kandidat
Ein gewichtiges Wörtchen wird Mosley aber wohl in der Frage nach seinem Nachfolger mitreden. "Wenn es mehr als einen Kandidaten gibt, dann werde ich eine Empfehlung abgeben", sagte er ". Einer, der immer wieder als möglicher Kandidat gehandelt wird, ist der Franzose Jean Todt. "Ich will ihn nicht ausschließen", meinte Mosley mit Blick auf den ehemaligen Ferrari-Teamchef. Michel Boeri, der als Senatschef der FIA nun erst einmal Ansprechpartner der Formel-1-Teams ist und seit 1972 Chef des Automobilclubs von Monaco, sieht Todt nicht als potenziellen Nachfolger. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Boeri an diesem Posten interessiert ist."

In eigener Sache betonte Mosley am Mittwoch erneut, dass sein Abgang seit langer Zeit festgestanden haben soll. "Mein Ausscheiden war geplant, beschlossen, arrangiert", erklärte der FIA-Chef. Seine Belegschaft habe dies seit Monaten gewusst. Allerdings hatte er sich am Tag vor der finalen Rettung der Formel 1 mit dem Frieden von Paris in einem Brief an die FIA-Mitglieder noch anders ausgedrückt. Darin hieß es angesichts der von ihm als Attacken empfundenen Vorgehensweisen der acht FOTA-Teams Ferrari, McLaren- Mercedes, BMW-Sauber, Renault, Toyota, Brawn GP, Red Bull und Toro Rosso, dass er seinen Plan, abzudanken, überdenken müsse.

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