03.04.2009 07:09 |

Er war erst 52

Niki List bei Premierenfeier gestorben

Trauer um den österreichischen Regisseur Niki List: Der 52-Jährige ist Mittwochnacht plötzlich verstorben, wie seine Schwester am Donnerstag bestätigte. List soll bei einer Premierenfeier in Wien plötzlich gestürzt und bewusstlos liegen geblieben sein. Die Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Filmemachers ("Müllers Büro, "Café Malaria") feststellen. Die Todesursache ist noch unklar. Die österreichische Filmszene und Kulturpolitiker reagierten mit Bestürzung auf die Nachricht.

Lieder wie "Weil ich so sexy bin", "Männer sind wie Marzipan", vor allem aber der Titelsong zu "Müllers Büro" haben das Publikum auch mehr als 20 Jahre nach der Uraufführung von Niki Lists Film-Musical noch mitgerissen. Mit 441.000 Kinobesuchern liegt der Film auf der ewigen Bestenliste heimischer Streifen hinter "Hinterholz 8" und "Poppitz" auf Platz drei. Doch Niki List kehrte der populären Erfolgsmasche des ironisierenden Agentenfilms den Rücken und wandte sich ernsteren Themen zu, beispielsweise einer Dokumentation über einen Mann mit Down-Syndrom.

"Heimisches Kino wurde wieder zum Erlebnis"
Tief bestürzt über den Tod des Regisseurs reagierten am Donnerstag auch Vertreter der heimischen Politik. Für Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) hat Niki List "wesentlich zur Renaissance des österreichischen Films beigetragen", seine Kinoproduktionen hätten den österreichischen Film "wieder in das öffentliche Bewusstsein" zurückgeführt. "Durch ihn, durch seine Bildsprache und durch seinen Ideenreichtum wurde das heimische Kino wieder zu einem Erlebnis", so Schmied.

"Ungeheuer vielseitig, aktiv, erfolgreich und beispielgebend"
"Mit Niki List haben wir einen bedeutenden Filmregisseur und vielseitigen Künstler verloren, der die heimische Film- und Kulturlandschaft entscheidend mitgeprägt hat", so SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen in einer Aussendung. Für ÖVP-Kultursprecherin Silvia Fuhrmann "war und bleibt Niki List ein Wegbereiter und einer der ganz Großen des österreichischen Films".

List sei "ungeheuer vielseitig, aktiv, erfolgreich und beispielgebend" gewesen. Die Wiener Filmszene verliert gerade in einer Phase des Aufbruchs einen wichtigen Vertreter, der sicher noch einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg leisten hätte können", zeigte sich VP-Kultursprecher Franz Ferdinand Wolf tief betroffen.

Ein "wandelndes Understatement", ein wortkarger Künstler
Metropol-Chef Peter Hofbauer sagte, List sei ein "wandelndes Understatement" gewesen, ein wortkarger Künstler, der seine Ziele aber mit einer "sagenhaften Beharrlichkeit" verfolgt habe. Er habe nach "Müllers Büro" nicht bei der Erfolgsmasche bleiben wollen und sei andere Wege gegangen - auch wenn diese "nicht mehr so publikumswirksam" gewesen seien.

Niki List wurde am 28. Juni 1956 in Wien geboren, studierte Theaterwissenschaft und besuchte ab 1977 die Höhere Graphische Bundes-, Lehr- und Versuchsanstalt. Danach arbeitete er als Pressefotograf und wirkte bei einigen Theaterprojekten mit. 1982 landete er mit seinem Spielfilm "Café Malaria" einen ersten Publikumserfolg. 1986 sorgte sein Detektivmusical "Müllers Büro" mit unter anderem Christian Schmidt, Max Müller und Andreas Vitasek für ausverkaufte Kinos. In Folge arbeitete er als Regisseur in Deutschland, der Schweiz und Österreich. In dieser Zeit entstanden Kinofilme wie "Sternberg-Shooting Star" (1988), "Werner Beinhart" (1990), "Der Schatten des Schreibers" (1995), "Helden in Tirol" (1998) und "Nick Knatterton" (2001).

Trilogie über Christian, den Mann mit Down-Syndrom
Eine besondere Stellung in seinem Schaffen stellt eine Trilogie dar (1984 "Mama lustig?" - 1991 "Muß denken" - 2001 "Mein Boss bin ich"), in der er über die Jahre hinweg das Leben von Christian, einem Mann mit Down-Syndrom, dokumentierte. Zuletzt drehte er 2002 das Dokudrama "Move!" über das multikulturelle Leben der heutigen Jugend in Wien. 2007 feierte im Wiener Metropol die Theaterversion des Film-Musicals "Müllers Büro" Premiere.

Niki List wurde drei Mal mit dem Österreichischen Filmpreis ausgezeichnet, zu seinen internationalen Preisen zählen der Max-Ophüls-Preis für "Malaria", der Preis Young Cinema Tokyo für "Müllers Büro" und der Preis Bergfilmfestival Trento für "Helden in Tirol". Zuletzt wurde ihm Anfang März vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur der Berufstitel Professor verliehen.

Bild: Viennareport

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