Di, 14. August 2018

Klage abgelehnt

09.02.2009 15:20

Sender darf Interview auch im Ausland zeigen

Eine Klage des Holocaust-Leugners Richard Williamson gegen den schwedischen TV-Sender Sveriges Television AB ist vom deutschen Landgericht Nürnberg-Fürth in einem Schnellverfahren abgelehnt worden. Der Skandal-Bischof der ultrakonservativen Piusbruderschaft hatte nach Angaben eines Gerichtssprechers vom Montag dem Fernsehsender die Ausstrahlung eines mit ihm geführten Interviews außerhalb Schwedens untersagen wollen. Außerdem solle der TV-Sender die Filmsequenz von seiner Homepage entfernen. Der Bischof hatte in dem Interview das Ausmaß des Holocausts geleugnet.

Williamson habe sich in der beantragten einstweiligen Verfügung darauf berufen, dass er vor dem Interview nicht darauf hingewiesen worden sei, dass das Interview auch außerhalb Schwedens zugänglich sein wird. Das Gericht folgte dieser Argumentation nicht. Es entschied, dass eine Verwendung auf der Homepage und Ausstrahlung über Satellit üblich und erlaubt seien, sofern sie nicht vorher ausdrücklich ausgeschlossen worden seien. Das Landgericht Nürnberg-Fürth war wegen des Interview-Orts Zaitzkofen im Landkreis Regensburg, das zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört, angerufen worden.

Als Leiter von Priesterseminar abgesetzt
Am Sonntag war Williamson als Leiter eines Priesterseminars in Argentinien abgesetzt worden. Williamson sei von seinen Pflichten an der Spitze des Seminars La Reja entbunden worden, teilte das Oberhaupt der Bruderschaft Pius X. in Lateinamerika, Pater Christian Bouchacourt, demnach mit. "Monsignore Williamsons Äußerungen reflektieren in keiner Weise die Haltung unserer Gemeinschaft", hieß es in der Erklärung Bouchacourts weiter.

Den von Papst Benedikt XVI. geforderten Widerruf der Leugnung des Holocaust durch Williamson lehnte der 68-Jährige vorerst ab. "Er sei weder tot, noch liege er im Sterben oder sei in den Ruhestand getreten", schrieb er in seinem Internetblog Dinoscopus über sich selbst in dritter Person.

Sturm der Entrüstung in der katholischen Kirche
Die Rücknahme der Exkommunikation von Williamson durch Papst Benedikt XVI. hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Williamson leitet seit 2003 das Priesterseminar in dem Ort La Reja westlich von Buenos Aires. Dort war er während der Messe am Sonntag wie schon in den Tagen zuvor weder zu sehen noch zu sprechen. Andere Priester verweigerten jede Aussage zu seinem Aufenthalt und jeden Kommentar zu Williamsons Leugnung der Ermordung von sechs Millionen Juden während der Nazi-Diktatur. Dies sei dessen "Privatsache", hieß es gleichlautend. Ein Gläubiger verglich Williamson gar mit dem italienischen Wissenschaftler Galileo Gelilei, der vom Vatikan gezwungen worden war, zu widerrufen, dass die Erde eine Kugel sei und sich um die Sonne drehe.

Merkel und Papst führen "gutes Gespräch"
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der Papst hatten bei einem Telefongespräch die jüngsten Verstimmungen in der Affäre um Williamson offenbar ausgeräumt. "Es war ein gutes und konstruktives Gespräch, getragen von dem gemeinsamen tiefen Anliegen der immerwährenden Mahnung der Schoah für die Menschheit", teilten Vatikan-Sprecher Pater Federico Lombardi und der Sprecher der Bundesregierung, Ulrich Wilhelm, am Sonntag in einer gemeinsamen Presseerklärung mit.

Skandal um "Spiegel"-Interview
Williamson begründete in einem schriftlich geführten "Spiegel"-Interview seine Verweigerung des vom Papst geforderten Widerrufs damit, er wolle zunächst die historischen Beweise für millionenfachen Mord an den Juden prüfen. "Und wenn ich diese Beweise finde, dann werde ich mich korrigieren. Aber das wird Zeit brauchen", sagte Williamson. Er war vor kurzem mit drei anderen exkommunizierten Bischöfen der erzkonservativen Piusbruderschaft durch den Papst wieder in die Kirche aufgenommen worden. Nach Darstellung des Vatikans hat der Pontifex von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst.

Zuvor hatte der Brite bereits im TV-Interview gesagt, historische Fakten sprächen gegen die Existenz von Gaskammern. Es seien nicht sechs Millionen Juden von den Nazis ermordet worden, sondern 200.000 bis 300.000 - aber keiner von ihnen in Gaskammern.

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