Kitzbühel-Pleite

Lizeroux siegt vor Grange, Pleite für ÖSV

Sport
27.01.2009 16:59
Für Österreichs Slalomartisten hat die Rückkehr auf den Ganslernhang in Kitzbühel am Sonntag bitter geendet. Die nach dem ersten Durchgang auf den Positionen 1, 4 und 5 liegenden Reinfried Herbst, Manfred Pranger und Mario Matt schieden im Finale aus, Benjamin Raich hatte bereits im ersten Durchgang das Ziel nicht gesehen. Es gab einen französischen Doppelsieg durch Julien Lizeroux und Jean-Baptiste Grange (+0,08), Dritter wurde der Südtiroler Patrick Thaler (+0,67). Der Salzburger Marcel Hirscher (0,76), der sich vom 21. Platz nach vor gearbeitet hatte, rettete dank Bestzeit im zweiten Durchgang als Vierter die Ehre der Österreicher. Kombinations- und damit Hahnenkammsieger wurde der Schweizer Silvan Zurbriggen.

Im französische Jubel wurden die Österreicher im Spezialslalom vor Tausenden Zuschauern ziemlich gerupft, Herbst und Co. drängen nun am Dienstag beim Nachtslalom vom Schladming auf Revanche. Der überlegen führende Salzburger hatte im zweiten Durchgang zu einem anderen Ski gegriffen und sich verpokert. "Das ist bitter nach dem ersten superschnellen Lauf. Ich habe mich vor dem zweiten nicht wohl gefühlt, ich habe den Ski gewechselt, weil es rippiger geworden ist. Das war vielleicht ein Fehler", meinte der Sieger von Adelboden, der dies allerdings auch schon bei den Rennen in der Schweiz gemacht hatte, wo es "super aufging".

Pranger "zu verkrampft"
Pranger, Erster in Wengen, hatte am Sonntag die Lockerheit von zuletzt nicht gefunden, das habe sich bei ihm schon im Training abgezeichnet. "Vielleicht war ich ein bisschen zu verkrampft, ich habe nie in den Rhythmus gefunden", grübelte Pranger. Matt fehlte es laut eigener Aussage im ersten Lauf "an Vertrauen", im zweiten wollte er voll angreifen und habe dann eingefädelt. Für den Weltmeister war es der zweite Ausfall, auch in Wengen hatte er das Ziel nicht gesehen.

Hirscher verpasst Podest knapp
Einen gewaltigen Satz nach vorne machte der 19-jährige Marcel Hirscher, der sein Slalom-WM-Ticket wie Raich, Pranger und Herbst fix hat, Matt hat als Titelverteidiger ein Freilos. "Ich bin nach meinem Patzer im ersten Durchgang nun sehr glücklich mit dem zweiten Lauf. Es war vielleicht der beste meiner Karriere", erklärte Hirscher, der beeindruckt von der Stimmung war: "Die Schweizer Rennen waren schon sehr gut. Aber was hier abläuft, ist gewaltig." Abseits der Weltelite gab es das Weltcup-Debüt der Iraners Hossein Kalhor, der mit 16,38 Sekunden Rückstand 57. und Vorletzter wurde.

Im Vorjahr hatte Grange den Slalom in Kitzbühel gewonnen, heuer schlug seine Freund Lizeroux zu. "Es ist großartig, hier zu gewinnen. Für jeden Läufer. Nach dem großen Fehler im ersten habe ich alles riskiert", sagte der 29-jährige, der in seiner Karriere immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen worden war und vor Kitzbühel noch nie auf dem Podest stand. 

ÖSV-Alpinchef Hans Pum hätte sich aus rot-weiß-roter Sicht den Abschluss des "riesigen Skifests" in Kitzbühel "anders vorgestellt", mit der Gesamtleistung in den Hahnenkammbewerben war er zufrieden. "Die Rennen waren super und die Atmosphäre gewaltig. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden."

Kombi: Zurbriggen vor zwei Kroaten
In der Kombination feierte der Schweizer Silvan Zurbriggen den ersten Weltcupsieg. Er gewann vor den Kroaten Ivica Kostelic (+0,49) und Natko Zrncic-Dim (+2,98). Romed Baumann wurde als bester Österreicher Achter (+6,49). Die Topfavoriten auf den Kombinationssieg, Bode Miller und Benjamin Raich, waren schon früh im ersten Durchgang ausgeschieden. Raich ("Der Frust ist da, aber das hilft nichts") ließ so viele mögliche Weltcuppunkte liegen. Im Gesamtweltcup übernahm Kostelic um 15 Punkte die Führung vor Raich, im Slalom liegt Grange vor Kostelic, Pranger und Herbst.

Endklassement des Kitzbühel-Slaloms:

Rang

Name

Nation

  1. DG

  2.DG

  Gesamtzeit

 1.

LIZEROUX Julien 

FRA 

 46.88

 46.95

 1:33.83 Min.

 2.

GRANGE Jean-Baptiste 

FRA 

 45.88

 48.03

 1:33.91

 3.

THALER Patrick 

ITA 

 47.20

 47.30

 1:34.50

 4.

HIRSCHER Marcel 

AUT 

 47.66

 46.93

 1:34.59

 5.

VAJDIC Bernard 

SLO 

 46.86

 48.19

 1:35.05

 6.

BROLENIUS Johan 

SWE 

 47.38

 47.87

 1:35.25

 7.

KOSTELIC Ivica 

CRO 

 46.12

 49.16

 1:35.28

 8.

WHITE Trevor 

CAN 

 47.05

 48.50

 1:35.55

 9.

MYHRER Andre 

SWE 

 47.53

 48.07

 1:35.60

 10.

JANYK Michael 

CAN 

 47.20

 48.47

 1:35.67

 11.

ZURBRIGGEN Silvan 

SUI 

 47.52

 48.23

 1:35.75

 12.

HÖRL Wolfgang 

AUT 

 47.20

 48.61

 1:35.81

 13.

MOELGG Manfred 

ITA 

 47.11

 48.74

 1:35.85

 14.

IMBODEN Urs 

MDA 

 48.27

 47.80

 1:36.07

 15.

MYHRE Lars Elton 

NOR 

 48.18

 48.03

 1:36.21

 16.

VILETTA Sandro 

SUI 

 48.30

 48.49

 1:36.79

 17.

ALBRECHT Kilian 

BUL 

 48.27

 48.56

 1:36.83

 18.

MERMILLOD B. Thomas 

FRA 

 48.12

 48.88

 1:37.00

 19.

VOGEL Markus 

SUI 

 47.71

 49.33

 1:37.04

 20.

KRYZL Krystof 

CZE 

 48.17

 49.09

 1:37.26

 21.

HOROSHILOV Alexandr 

RUS 

 48.39

 49.36

 1:37.75

 22.

MISSILLIER Steve 

FRA 

 47.65

 53.37

 1:41.02

Ausgeschieden im 1. Durchgang u.a.: 
Benjamin RaichPatrick Bechter (beide AUT), Bode Miller, Jimmy Cochran, Andrew Weibrecht (alle USA), Mattias Hargin (SWE), Mitja Valencic (SLO), Thomas Grandi (CAN), Didier Defago (SUI)

Ausgeschieden im 2. Durchgang u.a.:
Reinfried HerbstManfred PrangerMario Matt (alle AUT), Alexandre Anselmet (FRA), Cristian Deville, Giuliano Razzoli (beide ITA), Felix Neureuther (GER), Mitja Dragsic (SLO), Ted Ligety (USA)

Endklassement der Hahnenkamm-Kombination:

<.

Rang

Name

Nation

  Gesamtzeit

 1.

ZURBRIGGEN Silvan 

SUI 

ZRNCIC-DIM Natko 

CRO 

 3:36.36

 4.

JANKA Carlo 

SUI 

 3:37.68

 5.

SVINDAL Aksel Lund 

NOR 

 3:37.70

 6.

KUCERA John 

CAN 

 3:39.29

 7.

GORZA Ales 

SLO 

 3:39.34

 8.

BAUMANN Romed 

AUT 

 3:39.87

 9.

HOROSHILOV Alexandr 

RUS 

 3:40.07

 10.

THANEI Stefan 

ITA 

 3:43.96

 11.

STREITBERGER Georg 

AUT 

 3:50.23

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