Do, 21. Juni 2018

Wer bremst, verliert

29.10.2008 16:34

Midnight Club Los Angeles

Wenn in Santa Monica die Sonne im Meer versinkt, verwandeln sich Ocean Drive und Sunset Boulevard wieder in einen Tummelplatz für PS-strotzende und auf Speed gezüchtete Muscle Cars, japanische Tuningrenner und exotische Supersportwagen – allesamt gebaut, um Gegnern in Rockstars rasantem "Midnight Club Los Angeles" nur noch das Heck zu präsentieren.

Als Neuankömmling in der kalifornischen Metropole gestaltet sich der Einstieg in die Rennkarriere jedoch recht mühsam. Das Geld reicht gerade noch, um sich einen klapprigen Golf GTI, einen ausgedienten Scirocco oder einen Nissan 240 SX zu kaufen. Doch keine Sorge: Mit steigendem Einkommen und besserem Ruf dürfen nach und nach auch die ganz großen Karren in den eigenen Fuhrpark wandern.

Angefangen von getunten Kompaktwagen, über klassische US Muscle Cars, schicke Cabrios, Luxusschlitten bis hin zu exotischen Edelsportwagen und Motorrädern diverser namhafter Hersteller wie Volkswagen, Chrysler, Ford, Mercedes, Audi oder Lamborghini, steht dem Spieler beim Kampf um die Vorherrschaft auf dem Asphalt wieder ein breites Spektrum unterschiedlichster Fahrzeuge zur Verfügung.

...und zum Schluss noch der Wunderbaum fürs Cockpit
"Midnight Club Los Angeles" wäre jedoch nicht "Midnight Club Los Angeles", wenn es dem Spieler nicht auch die Möglichkeit böte, das eigene Fahrzeug nach Belieben zu tunen und zu modifizieren. In der Garage können über eine leider etwas "nüchtern" gehaltene Liste neue Tuningteile erworben,  die Lackierung geändert, Felgen aufgezogen, der Motor frisiert oder das Fahrzeug mit Klebefolien verziert werden. Selbst am Innenraum dürfen Veränderungen vorgenommen werden, schließlich soll ja auch die Cockpit-Perspektive etwas hergeben.

Auch die Letzten werden belohnt
Der Fantasie sind demnach keine Grenzen gesetzt, wohl aber dem eigenen Budget. Damit das nicht dauerhaft so bleibt, warten in den Straßen von L.A. unzählige Herausforderungen darauf, in Angriff genommen zu werden.  Der Spieler hat dabei jederzeit die Wahl zwischen mehreren Rennen und ist somit nicht auf einen bestimmten Ablauf festgelegt. Um das Spiel zu beenden muss nicht einmal jedes Rennen gewonnen werden – Geld und Reputationspunkte, die sich auf den Spielfortschritt auswirken und weitere Optionen freischalten, gibt es selbst noch für den Letztplatzierten.

Quer durch die Stadt und wieder zurück
Die Basis liefern Rennen, bei denen die Strecke durch Wegpunkte (gelbe Rauchsäulen) in der Stadt markiert wird, die man der Reihe nach durchfahren muss. Wie man von einem Wegpunkt zum nächsten gelangt, bleibt dem Spieler jedoch selbst überlassen. Neben klassischen Rennen mit Start und Ziel gibt es darüber hinaus Rundkurse aus Wegpunkten, Rennen bei denen die Wegpunkte in beliebiger Reihenfolge passiert werden können, Rennen mit Start und nur einem am gegenüberliegenden Ende der Stadt liegendem Zielpunkt sowie Rennen, die per Zufall auf den belebten Freeways generiert werden.

Während die meisten Rennen dem Spieler abhängig von der Position einen bestimmten Betrag an Geld und Reputationspunkten einbringen, gibt es jedoch auch Rennen, bei denen man den Einsatz des Preisgelds selbst bestimmen oder gar sein Fahrzeug verwetten kann. Ein Editor erlaubt überdies das Erstellen eigener Rennen durch freies Platzieren von Wegpunkten.

Typisch Rocktar sind wiederum die Liefer- sowie Vergeltungsmissionen, bei denen der Spieler Fahrzeuge trotz dichten Verkehrs möglichst unbeschadet zum Ziel bringen bzw.  gegnerischen Fahrzeugen möglichst viel Schaden zufügen muss. Wo gerade welches Rennen startet, erfährt der Spieler über eine Karte, auf der sämtliche Events ihrem Schwierigkeitsgrad nach angezeigt werden. Eine Mini-Map am unteren Bildschirmrand weist dann dank GPS die genaue Fahrtrichtung.

Auf der Flucht vor den Cops
Hüten sollten sich man unabhängig vom Renntyp jedenfalls vor einem allzu rabiaten Fahrstil: Hat man Pech und wird bei waghalsigen Manövern von der Polizei erwischt, greift diese ins Renngeschehen ein und nimmt die Verfolgung auf – mit oftmals bösen Folgen für Auto und Geldbeutel. Meist hilft dann nur noch die Flucht vorbei an kreischenden Passanten durch Parks, abgesperrte Firmengelände, Tunnel, Parkhäuser oder gar Einkaufszentren. Abkürzungen abseits des offiziellen Straßennetzes gibt es schließlich genug.

Im Windschatten an die Spitze
Einen entscheidenden Vorteil, ob bei Verfolgungsjagden oder während normaler Rennen, verschafft man sich auch durch den Einsatz von Boost. Per Knopfdruck aktiviert, katapultiert dieser den Boliden binnen kürzester Zeit in den oberen Drehzahlbereich. Ist der Boost leer, kann er an Tankstellen oder durch das Fahren im Windschatten des Vordermannes wieder aufgefüllt werden. Daraus ergibt sich eine durchaus taktische Komponente, denn: Der Vordermann wird seinerseits durch Fahren auf zwei Rädern versuchen, dem Hintermann so wenig Windschatten wie möglich zu bieten.

Totalschaden
Verlagert der Fahrer den Schwerpunkt seines Vehikels per Button jedoch zu stark nach links oder rechts, kann das Auto unliebsame Bekanntschaft mit anderen Pkw, Verkehrsschildern oder Laternenmasten machen. Im schlimmsten Fall droht ein Totalschaden und das Rennen ist gelaufen. Auch wenn das Schadensmodell von "Midnight Club Los Angeles" in erster Linie optischer Natur ist und keine Auswirkungen auf das Fahrverhalten hat, sollte daher der fahrbare Untersatz in regelmäßigen Abständen einer Reparatur unterzogen werden. Auch deshalb, weil sich die Lichter der kalifornischen Metropole auf frischem Lack einfach schöner spiegeln.

Los Angeles in klein
Die Entwickler haben nämlich ganze Arbeit geleistet und die wichtigsten Stadtteile von Los Angeles mit großer Liebe zum Detail digital nachgebaut. Ob Finanztower in Downtown, Hollywood mit seinen legendären Clubs und Hotels, Beverly Hills mit seinen prächtigen Anwesen und schicken Geschäften oder Santa Monica mit seiner Fußgängerzone, dem Vergnügungspark am Pier und natürlich dem Strand: L.A.-Kenner finden alle markanten Punkte genau dort, wo sie sie auch suchen würden. Für zusätzliche Atmosphäre sorgen ein dynamischer Tag- und Nachtwechsel und gelegentliche Wolkenbrüche, die Rennen in eine Schlitterpartie verwandeln. Keineswegs ins Schlittern gerät jedoch die Wiedergabe: Selbst bei hoher Spielgeschwindigkeit und trotz aller Pracht rast "Midnight Club Los Angeles" ruckelfrei über den Screen.

Satter Sound aus Auspuff und Radio
Auch in punkto Sound kann der Rockstar-Racer voll und ganz überzeugen: Nahezu jede Modifizierung am Auto wirkt sich auch auf das Motoren- bzw. Fahrtgeräusch aus. Darüber hinaus bietet der Soundtrack mit annähernd 100 Songs - darunter Material von Künstlern wie den Chemical Brothers, NAS, Beck, Tricky oder den Nine Inch Nails – für nahezu jeden Musikgeschmack das passende Lied. In persönlichen Playlists lassen sich die eigenen Lieblings-Hits individuell zusammenstellen.

L.A. Crash mit bis zu 16 Spielern
Hat man schließlich die Straßen von L.A. im Alleingang erobert, warten im Online-Mehrspielermodus neue Herausforderungen. Bis zu 16 Spieler können gemeinsam durch die Stadt cruisen oder in diversen einzel- oder teambasierten Capture-the-Flag-Varianten gegeneinander antreten. Optional zuschaltbare Power-Ups sorgen dabei für noch mehr Action: So können gegnerische Fahrer etwa in Eisblöcke verwandelt, die Sicht auf kurze Zeit behindert oder die Lenkung umgekehrt werden.

Fazit: "Midnight Club Los Angeles" ist das, was die Konkurrenz der "Need for Speed"-Reihe mit "ProStreet" zuletzt nicht war: ein astreiner Arcade-Racer, der mächtig Laune macht und für Stunden vor die Konsole zu fesseln weiß. Angesichts zahlreicher Autos, schier unendlicher Tuningmöglichkeiten, unterschiedlichster Renntypen, dem umfangreichen Mehrspieler-Part und der, last but not least, überaus gelungenen Präsentation dürfen nicht nur Fans der Serie beherzt zugreifen. Bleibt nur noch abzuwarten, wie sich der Racer aus dem Hause Rockstar gegen das Ende November erscheinende "Need for Speed Undercover" schlagen wird.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Rockstar Games
Krone.at-Wertung: 9/10

von Sebastian Räuchle

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