Fr, 17. August 2018

Schock in Kroatien

09.10.2008 16:20

Tochter von Zagorec-Anwalt in Zagreb erschossen

In Zagreb ist Montagvormittag die Tochter des Anwalts von Vladimir Zagorec erschossen worden. Die 26-jährige Ivana Hodak wurde laut Medienberichten gegen 11.00 Uhr im Zentrum der kroatischen Hauptstadt - durch zwei Kopfschüsse regelrecht hingerichtet - aufgefunden. Zvonimir Hodak ist einer der kroatischen Anwälte des am vergangenen Donnerstag von Österreich an seine Heimat ausgelieferten kroatischen Generals und Ex-Vize-Verteidigungsministers.

Ivana Hodak wurde im Zentrum Zagrebs in einem Hausflur mit zwei Kopfschüssen umgebracht. Augenzeugen berichteten von einem 30- bis 35-jährigen Mann, der aus dem Haus gestürmt sei, in dem die Leiche der Rechtspraktikantin gefunden worden war. Schüsse seien aber keine zu hören gewesen. Möglicherweise wurde ganz Mafia-mäßig ein Schalldämpfer benutzt.

Auf die Frage nach den Urhebern des Mordes an seiner Tochter sagte der sichtlich geschockte Zagorec-Anwalt gegenüber Journalisten vieldeutig: "Raten Sie doch, wer dahinter steckt." Ein Polizeisprecher betonte, es werde "in alle Richtungen ermittelt". Der Fall ist besonders pikant, weil sich Ivana Hodak jüngst in einem "besonderen Interessenskonflikt" befunden haben soll. Seit dem Sommer war sie nämlich mit dem Anwalt von Zagorec' "Erzfeind" Hrvoje Petrac, Ljubo Pavasovic Viskovic, liiert. Petrac wurde wegen der Entführung von Zagorec' Sohn verurteilt.

Der kroatische Präsident Stjepan Mesic berief wegen des "schrecklichen Verbrechens" eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrates ein. Premier Ivo Sanader verurteilte die "schreckliche Tragödie". "Wir werden Organisierte Kriminalität und Mafiamorde nicht mehr tolerieren", versprach er. Nach Angaben der Tageszeitung "24sata" sperrte die Polizei die Grenzübergänge Kroatiens, um zu verhindern, dass sich der oder die Täter ins Ausland absetzen können.

Zagorec fürchtet um sein Leben
Zagorec war 2000 nach Österreich geflüchtet und hatte seine Auslieferung nach Kroatien vor allem mit dem Argument bekämpft, dass er in seiner Heimat um sein Leben fürchten müsse. Seine Anwältin Elisabeth Rech zeigte sich in einer ersten Reaktion "erschüttert" über den Tod der Tochter von Zagorec' kroatischem Anwalt Ivan Hodak. "Wir werden das sicher nicht so stehen lassen", sagte Rech auf die Frage, was sie nun zu tun gedenke. 

Bei seinem ersten Auftritt vor einem Zagreber Gericht am Freitag schwieg Zagorec, dem unter anderem vorgeworfen wird, Edelsteine im Wert von fünf Millionen Dollar (3,42 Mio. Euro) veruntreut zu haben. Sollte er sein Insiderwissen über die kroatische Politik der 1990er Jahre preisgeben, könnte dies hochrangigen Vertretern der seit 2003 wieder regierenden Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) sehr unangenehm werden.

Anwältin: "Kein faires Verfahren möglich"
"Ein faires Verfahren in Kroatien ist unter diesen Umständen nicht durchführbar", betonte Rech, die sich erschüttert und zugleich in ihren Befürchtungen bestätigt zeigte. "Wir haben immer damit gerechnet", sagte sie. "Es ist die Frage, ob sich das alles wirklich ausgezahlt hat", sagte Rech mit Blick auf die erst am vergangenen Donnerstag erfolgte Auslieferung von Zagorec an sein Heimatland. "Wir werden auf politischem Wege alles unternehmen, dass das Ganze ein Ende findet", verwies die Anwältin unter anderem auf Kontakte mit der EU-Kommission.

Das EU-Kandidatenland Kroatien steht unter anderem wegen Missständen im Justiz- und Sicherheitsbereich in der Kritik. Erst vorige Woche demonstrierten kroatische Journalisten gegen die angebliche Untätigkeit der Polizei, nachdem die Urheber eines Anschlags gegen einen bekannten Reporter auch nach mehreren Monaten nicht ausgeforscht werden konnten. Dusan Miljus war auf offener Straße in Zagreb zusammengeschlagen worden.

Staatsanwaltschaft: "Kroatien hat eine sehr gute Justiz"
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien, Gerhard Jarosch, wollte sich nicht auf Spekulationen über einen Zusammenhang des offenkundigen Mordes an der Tochter von Zagorec' Anwalt und das gegen den kroatischen Ex-Vizeverteidigungsminister in Zagreb laufende Verfahren einlassen. Jarosch verteidigte die Entscheidung, Zagorec an sein Heimatland auszuliefern.

„Kroatien hat eine sehr gute Justiz, sie entwickelt sich sehr gut“, verwies der Sprecher unter anderem auf die Fortbildung kroatischer Justizbeamter durch ihre EU-Kollegen. „Bis jetzt hat es nur positive Erfahrungen gegeben.“ Auch wäre ein Mord, sofern es sich um einen solchen gehandelt habe, „nicht der Justiz anzulasten“, fügte Jarosch hinzu. Auch könne die Auslieferung von Zagorec nicht zurückgenommen werden, sagte er auf die Frage nach der möglichen weiteren Vorgangsweise der österreichischen Justizbehörden in diesem Fall. Bedeckt zu dem „tragischen Vorfall“ gab sich der Sprecher des Justizministeriums, Thomas Gaiblinger. „Wir können nichts dazu sagen“, verwies Gaiblinger auf die Zuständigkeit des Gerichts, das den Fall Zagorec "entsprechend geprüft" habe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Eklat in EL-Quali
Becherwurf in Graz: UEFA vertagt Entscheidung
Fußball National
Runde der letzten 32
Champions League: Hammerlos für St. Pöltens Damen
Fußball National
Seien Sie live dabei!
Ganz Linz feiert mit der „Krone“
Oberösterreich
„Trauriges Lächeln“
Kiew ätzt über Putin-Besuch bei Kneissl-Hochzeit
Österreich
Abschied nach Saison
Alonso: Darum kehrt er der Formel 1 den Rücken
Video Sport
„Darf sich ausruhen“
Lionel Messi lässt Argentiniens Testspiele aus
Fußball International
Nach Lieferproblemen
2. WM-Stern: Neues Frankreich-Trikot endlich da!
Video Fußball
Hochzeit als Politikum
Putin sagte Kneissl schon am 19. Juli zu!
Österreich

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.