Mo, 18. Juni 2018

Aus und vorbei

21.06.2008 18:20

Bilic zieht trotz EM-Aus eine positive Bilanz

"Es ist vorbei. Und ich kann nur sagen: Ich bin sehr stolz auf meine Spieler und den gesamten Stab", erklärte der kroatische Teamchef Slaven Bilic auf seiner letzten EM-Pressekonferenz in Bad Tatzmannsdorf am Samstag, einen Tag nach dem dramatischen Viertelfinal-Aus im Elfmeterschießen gegen die Türkei. Bilic sprach von einem "großen Erfolg", um gleich hinzuzufügen: "Der Plan, den wir so nie öffentlich kundgetan haben, war aber der Einzug ins Finale. Deshalb sind wir noch mehr enttäuscht und traurig".

Vor allem die Art und Weise, wie der Einzug ins Viertelfinale geschafft wurde (mit Siegen gegen Österreich 1:0, Deutschland 2:1 und Polen 1:0) sei ein "großer Erfolg". "Wir verabschieden uns nach dem 1:1 gegen die Türkei ohne Niederlage", betonte der 39-Jährige. Dennoch habe man insgeheim viel mehr erwartet - "wir alle, vor allem ich persönlich".

"Land ist im Schockzustand"
"Wir sind jetzt psychisch und physisch leer. Wir alle, das ganze Land, ist im Schockzustand." Das Spiel gegen die Türkei sei sehr schwer gewesen. Dennoch hätte Kroatien den Sieg verdient. "Es war kein einfaches Spiel, in dem wir die Türken demontiert haben. Aber wir waren besser. Wir haben zu viele Chancen vergeben." Er sei mit all seinen Spielern hoch zufrieden. Robert Kovac und Josip Simunic bezeichnete er als "beste Innenverteidiger" der EM in Österreich und der Schweiz.

Im Elfmeterschießen entscheiden immer Glück und Nerven, so Bilic. Dass sein Team das Tor in der 122. Minute "unglücklich" kassiert habe, könne er aber nicht unterschreiben: "Beim ersten Angriff der Türken nach unserem Führungstreffer in der 119. Minute haben wir noch super reagiert. Aber als wir im Ballbesitz waren, hätten wir besser reagieren können".

Taktische Wechsel nicht zugelassen
Bilic wollte nach dem Führungstor noch einen taktischen Wechsel durchführen. "Zweimal wollte ich austauschen. Der vierte Schiedsrichter zeigte dies auch an. Doch der Schiedsrichter ließ keinen Wechsel zu. Wahrscheinlich wollte er selbst jeden Augenblick abpfeifen. Er hat nur gewartet, dass in den letzten Sekunden ein kroatischer Spieler den Ball wegschießt. Wenn der Ball aber im Strafraum ist, kann er nicht abpfeifen", analysierte Bilic und fügte hinzu: "Der Schiedsrichter ist nicht schuld".

Die Atmosphäre in der Kabine nach der Niederlage sei "sehr traurig" gewesen. "Die meisten haben geweint. Einige haben geheult und geschluchzt. Schock", sagte Bilic, "einfach Schock, Schock". Kroatien sei dennoch für die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika bereit. Möglich sei, dass einige Schlüsselspieler ihre Teamkarriere beenden. Aber jetzt darüber zu reden, sei zu früh. "Wir sind jedenfalls vorbereitet."

Bilic will angeln gehen
Wie er die nächsten Tage verbringen werde? "Im ersten Augenblick würde ich mich am liebsten von allem verabschieden und einfach nur angeln gehen". "Aber", so Bilic "das ist dann doch nicht so". Er werde die restlichen EM-Spiele verfolgen. "Aber hauptsächlich werde ich mich ausruhen. Nur kann ich das Handy nicht abschalten, da ich nur eines habe." Das kroatische Nationalteam verließ am Samstagnachmittag das Teamcamp in Bad Tatzmannsdorf, wo es seit 3. Juni seine Zelte aufgeschlagen hatte, in Richtung Zagreb.

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