"Es kann nicht nur Streicheleinheiten geben", stellte der Verteidiger klar, "sonst würde ja nicht alles stimmen." Gerade für die Teamneulinge sei das eine wertvolle Erfahrung. Auch er erfülle diesbezüglich eine einweisende Rolle. "Wer auf dem Platz Verantwortung übernimmt, tut das auch abseits des Platzes. Die Neuen müssen zeigen, dass sie dazugehören, und können schon Mal den Fuß hinstellen", mahnte Stranzl auch eine gewisse Kratzbürstigkeit ein. "Und darauf weise ich sie dann auch hin."
"Mit 100 Prozent in die Zweikämpfe"
Der Verteidiger von Spartak Moskau lobte seine Kollegen für ihren "hundertprozentigen Einsatz", forderte trotz gewisser Ermüdungserscheinungen aber, "dass man sich das nicht anmerken lassen darf. Wir haben ja dann auch beim Turnier drei Spiele." Dass mancher zu eifrig zur Sache gehen könnte, fürchtet er nicht: "Man muss mit 100 Prozent in die Zweikämpfe gehen, dann hat man Körperspannung, und dann passiert auch nichts. Von hinten steigen wir sowieso nicht ein. Außerdem gehören Verletzungen eben dazu."
Auch er selbst fühle sich ein bisschen müde. "Wir haben teilweise sehr intensive Trainingseinheiten gehabt, die Vorbereitung war auch bei Spartak sehr lange." Immerhin habe sich der Verein nach "sehr schlechtem Start" wieder nach vorne gekämpft und den Abstand auf Spitzenreiter Rubin Kasan auf fünf Punkte verkürzt. "Eigentlich schade, dass jetzt, wo wir einen guten Lauf gehabt haben, die Unterbrechung kommt."
Innenverteidigung oder defensives Mittelfeld?
Grundsätzlich spielt Stranzl in der ÖFB-Elf als Innenverteidiger, ist aber auch im defensiven Mittelfeld eine Alternative. Eine Variante, die Teamchef Josef Hickersberger beim Länderspiel gegen die Niederlande aufgrund einer Schleimbeutelverletzung Stranzls nicht testen konnte. "Ich mache mir da keine Gedanken, wo ich aufgestellt bin", erklärte der 43-fache Nationalspieler, der auch bei Spartak vornehmlich im Defensiv-Zentrum zum Einsatz kommt und die Position im Mittelfeld ohnehin nur als "Notlösung" sieht.
Dass die Tormannfrage noch offen ist, sei für ihn bedeutungslos. "Für mich ist das kein Problem. Wir haben drei sehr gute, konstante Torleute, und ich möchte nicht in der Haut der Trainer stecken", betonte Stranzl und merkte augenzwinkernd an: "Vielleicht behalten wir die Rotation ja in der Gruppenphase bei."
"Wir wollen unser Ding durchziehen"
Das klar gestiegene Stimmungsbarometer in der Öffentlichkeit freut Stranzl wohl, lässt ihn aber keineswegs in Euphorie verfallen. "Es ist genauso wie zu den Zeiten, als es schlecht gelaufen ist, wir wollen unser Ding einfach durchziehen und können das ruhig einschätzen. Natürlich ist es wichtig, dass die Fans hinter uns stehen, und wir haben uns das auch erarbeitet. 60 gute Minuten gegen Deutschland und die Niederlande waren aber zu wenig."
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